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Präsident des Marché Concours: «Ich habe nicht das Profil eines Revolutionärs»

Mit François Monin wird ein junger Agronom und Politiker neu die Geschicke des Marché-Concours lenken. Der Jurassier verrät, wie er die Zukunft des Pferdefestes und der einzigen Schweizer Pferderasse sieht.

Bereits als Zweijähriger sei er gemeinsam mit der ganzen Familie und den selbst gezüchteten Pferden am Marché-Concours mit dabei gewesen, blickt François Monin in die Vergangenheit zurück. Der 34-Jährige ist mit Freibergerpferden und dem schweizweit grössten Pferdefest, das jeden Spätsommer in Saignelégier JU stattfindet, aufgewachsen.

Sein Vater führt gemeinsam mit dem Onkel einen grossen landwirtschaftlichen Betrieb in Glovelier JU mit Vieh- und Freibergerpferdezucht. «Rund hundert Pferde leben auf dem Hof, auf dem ich aufgewachsen bin», erklärt er.

Versiert im Analysieren und Verhandeln

Auch ihn zog es beruflich in die Landwirtschaft, jedoch auf methodischer Ebene. An der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH in Zürich studierte François Monin Agronomie. 2017 schloss er den Master in Agrarwissenschaften mit Vertiefung auf Agrarökonomie ab. In seiner ersten Anstellung beim Schweizer Bauernverband SBV in Bern war Monin drei Jahre lang für die Fachbereiche Wirtschaft und Politik verantwortlich. Danach zog es den Jurassier zurück in seine Heimat. Seit 2020 hat François Monin die Direktion von AgriJura, dem Jurassischen Bauernverband, inne.

Politisch engagiert sich der umtriebige Westschweizer, der sich auf Deutsch bestens verständigen kann, auch auf parlamentarischer Ebene. Als Mitglied der Mitte-Partei ist er im Jurassischen Kantonsparlament für die Legislatur 2026 bis 2030 zum Fraktionschef ernennt worden.

Das politische Engagement liegt François Monin im Blut. Er ist als Mitglied der Mitte-Partei im Jurassischen Kantonsparlament zum Fraktionschef ernennt worden. (Bild: Privat)

Agrarpolitische Synergien nutzen

Mit diesem Profil ist der junge Agronom geradezu prädestiniert dafür, eine Aufgabe wie das Präsidium des Marché-Concours zu übernehmen. An der folkloristischen Grossveranstaltung wird das Freibergerpferd mit Präsentationen, einem Pferdemarkt sowie spektakulären Bauernrennen gefeiert. Rund 400 Pferde können in all ihrer Vielseitigkeit am zweiten Augustwochenende jeweils von Klein und Gross bestaunt werden.

Mit der konkreten Anfrage hat Monin nicht gerechnet. «Ich war überrascht und natürlich auch geschmeichelt, als mich das Organisationskomitee mit der Frage kontaktierte, ob ich die Nachfolge von Vincent Wermeille antreten würde», gesteht er. Obwohl ihn der Posten sofort reizte, nahm sich der junge Mann einen Monat Zeit, um mit seiner Familie, aber auch dem Arbeitgeber abzuklären, ob er diese Herausforderung annehmen möchte und kann.

Natürlich bringt es einen enormen Arbeitsaufwand mit sich, am Kopf einer so grossen Veranstaltung zu stehen. Gleichzeitig sehe er auch viele Synergien mit seinem beruflichen und politischen Engagement, begründet Monin seine Zusage. «Der Marché-Concours bietet eine einmalige Gelegenheit, Verbindungen über die Pferdebranche hinaus zu kreieren und eine politische Botschaft im Sinne der Landwirtschaft und der Pferdezucht zu platzieren», schwärmt Monin von seiner zukünftigen Aufgabe.

Neuerungen gemeinsam angehen

Der Marché-Concours sei eine wichtige Veranstaltung, mit der die einzige einheimische Pferderasse, aber auch die Region der Freiberge und der Kanton Jura ans Licht gehoben werden können. «Ich sehe diesen Anlass als Vitrine, um Pferde als agronomisches Produkt sowie als vielseitige Freizeitpartner zu vermarkten, aber auch die Attraktivität unserer Region einem breiten Publikum sichtbar zu machen», führt François Monin seine Motivation aus, weshalb er sich für den Marché-Concours engagiert.

Damit dies zukünftig noch besser gelingt, plant François Monin einige Neuerungen. Es liege ihm aber fern, diese im Alleingang durchzudrücken. «Ich habe Ideen, werde diese aber im Plenum besprechen und die Art der Umsetzung gemeinsam planen», versichert Monin.

Eine seiner aktuellen Hauptüberlegungen dreht sich darum, wie der Samstag attraktiver gestaltet werden könnte. Im Bereich der Infrastruktur und der Unterhaltungselemente sieht Monin Entwicklungspotenzial. «Ich möchte das Gerüst der Veranstaltung klar beibehalten, den Besuchenden aber jedes Jahr etwas Neues bieten», fasst er seine Pläne zusammen.

François Monin wurde mit gerade einmal 34 Jahren zum neuen Präsident des Marché-Concours gewählt. (Bild: Privat)

Keine Krise für das Freibergerpferd

Wie sieht François Monin die Zukunft, wenn er über die Veranstaltung hinaus auf die Pferdezucht blickt? Es könne nicht abgestritten werden, dass die Freibergerzucht vor einigen Herausforderungen stehe, etwa im Bereich der Inzucht und der Vermarktung. Er sehe die Zukunft dieser Pferderasse aber alles andere als schwarz. «Die Nachfrage nach Freibergern ist nach wie vor vorhanden. Wichtig ist, die Vielseitigkeit dieser Pferde und ihren ausgeglichenen Charakter in den Vordergrund zu stellen», erklärt der Kenner.

Auf die aktuellen Kürzungen und Herausforderungen angesprochen, mit denen das Schweizer Nationalgestüt und der Freibergerverband zu kämpfen haben, erwidert Monin, dass er es nicht als seine Aufgabe sehe, die Probleme in Avenches VD zu kommentieren. Wichtig finde er, dass sich das Gestüt weiterhin in der Lage befindet, die Erhaltung der Rasse sicherzustellen, und der Verband alles Nötige bereitstellen kann, um die Züchter zu unterstützen. «Mit dem Gestüt, dem Verband und den Züchtenden besteht ein Ökosystem, in dem alle notwendig sind, um die Freibergerrasse weiterzuentwickeln», so Monin.

Es gibt einige skeptische Köpfe, die weniger in Avenches unten als im Jura oben Probleme sehen. Zum ersten Mal seit 129 Jahren wird François Monin 2027 als erster nicht aus den Freibergen stammende Vertreter das Präsidium des Marché-Concours übernehmen. Hierin wittern einige Pressevertreter einen veritablen Skandal. Er selbst muss darüber eher schmunzeln. «Ich habe wirklich nicht gerade das Profil eines Revolutionärs. Die Frage meines Alters hätte ich bei meiner Ernennung eigentlich viel eher im Vordergrund der Medienberichte gesehen», erklärt Monin.

Am sechsten bis achten August 2027 wird sich zum ersten Mal zeigen, in welche Richtung der junge Jurassier den Grossanlass zur Feier des Freibergerpferdes steuern wird.

(Bild: ZvG)

Zur Person

François Monin stammt aus einer renommierten Freibergerzüchter-Familie in Glovelier JU. Für sein Studium ging er in die Deutschschweiz – an der ETH Zürich schloss er den Master in Agrarwissenschaften ab. Seine erste Stelle hatte der mittlerweile 34-Jährige beim Schweizer Bauernverband SBV, wo er für die Fachbereiche Wirtschaft und Politik verantwortlich war. Seit 2020 hat er die Direktion von AgriJura, dem Jurassischen Bauernverband, inne. Als Nachfolger von Vincent Wermeille übernimmt der Mitte-Politiker das Präsidium des Marché-Concours.

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