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Erste private KB-Station der Schweiz: Select Star ist 30-jährig

Nach anfänglichen Turbulenzen hat sich der Genetikanbieter in der Schweiz etabliert. Wegen der aktuellen Tierseuchen ist der grösste Teil der eigenen Stiere bei Partnerorganisationen im Ausland stationiert.

1996 wurde in der Schweiz das Tierzuchtgesetz liberalisiert. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der damalige Schweizerische Verband für künstliche Besamung (SVKB) bei der künstlichen Besamung faktisch ein staatlich abgesichertes Monopol. Genau in dieser Phase wurde die Select Star SA als erste private KB-Station der Schweiz gegründet. Treibende Kraft war dabei die Familie Baumgartner aus Puplinge GE. In Puplinge wurde die KB-Station dann auch angesiedelt.

Durchbruch dank BS-Stier Poldi

Der Start gestaltete sich allerdings schwierig. «Select Star hatte ja keine Besamungstechniker, das machte die Sache damals nicht einfacher. Die Samendosen mussten über Hofcontainer, Tierärzte und freie Besamer verteilt werden», erklärt Sire Analyst Urs Wichser. 1998 kam es sogar zu finanziellen Problemen, welche eine erneute Aktienzeichnung nötig machten. Den Durchbruch brachte der Brown-Swiss-Stier Poldi. «Damals waren die nachzuchtgeprüften Stiere entscheidend für hohe Verkaufszahlen. Poldi war ein sehr kompletter Vererber, wurde stark eingesetzt und war für das Unternehmen enorm wichtig», blickt Urs Wichser zurück.

Rund zehn Jahre später erlebte Select Star infolge Turbulenzen an den Finanzmärkten erneut unruhige Zeiten. Die Hauptaktionäre, die mehrheitlich nicht aus der Landwirtschaft kamen, beabsichtigten, ihre Anteile zu verkaufen. Marktführer Swissgenetics zeigte dabei grosses Interesse und war bereit, zwei Drittel der Aktien zu erwerben. Die Wettbewerbskommission stimmte dem Deal jedoch nicht zu und die Fusion dieser zwei KB-Unternehmen scheiterte.

Erste private KB-Station der Schweiz: Select Star ist 30-jährig
Select Star hatte lange Zeit das grösste Angebot an genetisch hornlosen Stieren. Auch Unternaehrer Tom Tommy ist ein genetisch hornloser Swiss Fleckvieh-Stier, der insbesondere mit seiner Exterieur- und Eutervererbung überzeugt.

Züchter Service AG ist Mehrheitsaktionär

Urs Wichser und Peter Bossart gründeten 1999 die Züchter Service AG. Das Dienstleistungsunternehmen übernahm für Select Star anfänglich das Marketing, später dann auch den internationalen Verkauf und schlussendlich die Genetik-Beschaffung. «Da es uns ein Anliegen war, dass der Fokus von Select Star auch zukünftig auf der Genetik-Beschaffung liegt und die Organisation nicht zum Spekulationsobjekt wird, verhandelten Peter Bossart und ich vor einigen Jahren über einen möglichen Kauf von Select-Star-Aktien», erklärt Urs Wichser weiter. Vor vier Jahren kaufte die Züchter Service AG, die je zur Hälfte im Besitz von Urs Wichser und Peter Bossart ist, die Mehrheit der Select-Star-Aktien.

Zusammenarbeit mit ausländischen Besamungsunternehmen

Select Star war laut Urs Wichser immer stark international ausgerichtet. «Gute Beziehungen sowie ein nationales und internationales Netzwerk sind das A und O im Genetik-Geschäft», betont er. «Wir sind ein sehr kleiner Player und haben schon früh mit ausländischen Besamungsunternehmen zusammengearbeitet. Wir haben bereits frühzeitig erkannt, wie wichtig die Risikostreuung in der Stierenhaltung ist. Statt sich auf einen einzigen Standort zu verlassen, wurde schon vor der Marktreife des Spermasexings ein Teil der Stiere in ausländischen Partnerbetrieben abgesamt.» Mit dem Durchbruch und der Etablierung des Spermasexings habe sich dieser Trend hin zur internationalen Aufteilung der Stiere nochmals deutlich verstärkt.

Stiere wegen Tierseuchen dezentral platziert

Erste private KB-Station der Schweiz: Select Star ist 30-jährig
«Uns war es ein Anliegen, dass der Fokus von Select Star auch zukünftig bei der Genetik-Beschaffung liegt», versichert Urs Wichser.

Die zunehmende Bedrohung durch Tierseuchen wie die Blauzungenkrankheit (BTV) und die Lumpy-Skin-Krankheit (LSD) scheint diese Strategie zu bestätigen: Um das Risiko weiter zu minimieren, entschied sich Select Star 2024, den grössten Teil der eigenen Stiere auf verschiedene ausländische KB-Stationen in Frankreich, Italien und Deutschland aufzuteilen und das Risiko noch mehr zu streuen. Select Star arbeitet auch heute noch mit freischaffenden Besamern und Tierärzten zusammen. «Diese sind frei in der Wahl, ob sie Genetik von uns oder anderen Anbietern einsetzen. Entsprechend müssen wir mit Qualität, Preis und Dienstleistung überzeugen», so Urs Wichser.

Select Star liefert auch an und über Swissgenetics in Hofcontainer. Als immer noch kleiner Player im Genetik-Markt suche man immer wieder spezielle Stiere. So hatte Select Star lange Zeit das grösste Angebot an genetisch hornlosen Stieren sowie Stieren mit dem gewünschten Kappa-Kasein BB. Urs Wichser betont: «Auch zukünftig möchten wir die Bäuerinnen und Bauern mit unserer Genetik dabei unterstützen, ihr betriebseigenes Zuchtziel zu erreichen und so in der Tierhaltung wirtschaftlich erfolgreich zu sein.»

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