Raupenbefall in der Ostschweiz: Bis zu 80 Prozent weniger Herbstfutter

In St. Gallen und Graubünden fressen Raupen ganze Raigrasbestände. Landwirte säen nach, Ursachen sind noch unklar. Der Plantahof nennt Optionen gegen die Futterlücke.

«Bei den im letzten Jahr gesäten Raigrasbeständen verzeichnen wir aktuell einen Totalausfall», berichtet Landwirt Stefan Rüttner aus Vilsers SG. Gras und Weizen musste er bereits nachsäen. Herbstfutter für seine Milchkühe habe er heuer im Vergleich zu den Vorjahren zwischen 60 und 80 Prozent weniger.

Der Befall ist, wie er beobachtet, sehr standortabhängig, fährt der St. Galler fort. Dabei sind sonnenexponiertere Flächen stärker betroffen. «Auf unseren Kuhweiden sind weniger Raupen zu finden. Dort ist die Grasnarbe dicker und die Pflanzenvielfalt höher», sagt Stefan Rüttner.

Was beeinflusst die Befallsstärke?

Daniela Büchel, Leiterin Ressort Acker und Spezialkulturen beim Kanton St. Gallen, erklärt, dass die unterschiedlich befallenen Parzellen derzeit beobachtet werden. «Wir versuchen mit den Produzentinnen und Produzenten herzuleiten, welche Faktoren einen stärkeren oder schwächeren Befall beeinflussen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, die Ursache des Befalls besser zu verstehen und Massnahmen für einen möglichen künftigen Befall ableiten zu können», so Büchel. 

Ein ehemaliger Raigrasbestand. Ohne massgebliche Bodenbearbeitung wurde auf der Fläche nun Grünschnittroggen gesät. (Bild: Stefan Rüttner)

Aktuell können jedoch noch keine Aussagen gemacht werden. Daniela Büchel weist darauf hin, dass es im Dezember gemeinsam mit dem St. Galler Bauernverband einen Infoanlass zum Raupenbefall für die Produzentinnen und Produzenten geben wird. 

Keine Pflanzenschutzmittel verfügbar

Sowohl in St. Gallen als auch in Graubünden bleibt die Lage derzeit ungewiss. Der Plantahof bestätigt in einem aktuellen Informationsschreiben zum Raupenbefall, dass aktuell keine unmittelbar verfügbare direkte Bekämpfung möglich sei.

«Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ohne Zulassung ist ein Verstoss gegen die Pflanzenschutzgesetzgebung und gegen die Direktzahlungsverordnung. Die entsprechenden Konsequenzen wären massiv», geht klar aus der Information hervor.

Mechanische Bekämpfung ist wenig effektiv

Die mechanische Bekämpfung mittels Walzen von Wiesenflächen sei wenig effektiv, weil sich die Raupen tagsüber in Wurzelnähe oder in der oberen Bodenschicht aufhielten, heisst es weiter. Eine Teilwirkung durch Walzen bei Dämmerung sei jedoch nicht ausgeschlossen. «Sind ackerfähige Flächen massiv betroffen, so sollte eine Bodenbearbeitung und ein entsprechender Kulturwechsel geprüft werden», schreibt der Plantahof. Ein Abwarten von kälteren Temperaturen sei aktuell empfehlenswert. Wintergetreidesaaten können in den Tallagen noch bis Ende November problemlos durchgeführt werden.

Des Weiteren weist der Plantahof darauf hin, dass sich bei Neuansaaten von Kunstwiesen gräserbetonte Wintermischungen oder die Neuansaat im Frühjahr eignen. Eventuell könne auch der Anbau von Getreide für die Nutzung als Ganzpflanzensilage helfen, die Futterlücke zu füllen. Bei Naturwiesen und Dauerweiden empfehle es sich, den Pflanzenbestand im Frühjahr zu beurteilen und wenn nötig Übersaaten oder Neuansaaten auszubringen, rät der Plantahof.

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