Vieles war neu am diesjährigen Zuger Stierenmarkt. Genau gleich blieb hingegen die Tierauffuhr: Wie im Vorjahr wurden auf dem Braunviehareal 182 Stiere präsentiert. Davon gehörten 133 Tiere der Zuchtrichtung Original Braunvieh an, 49 waren Brown-Swiss-Stiere. Von den Brown-Swiss-Stieren war Muni Gracer von Kevin Züger, Vorderthal SZ, mit 1270 kg der Schwerste.

Zwei Österreicher Mütter

Aber nicht nur das, der grossgewachsene Alino-Sohn präsentierte sich auch als sehr korrekter Stier und wurde zum Mister ZM Zug BS gewählt. «Ein Stier mit sehr viel Kapazität, zudem überzeugt er in der Becken- und Brustbreite», so der Kommentar von Stefan Hodel, der seinen letzten Einsatz als Chefexperte an einem Stierenmarkt hatte. Siegermuni-Besitzer Kevin Züger freute sich über den Erfolg, der Stier überzeuge auch als starker Vererber: «Die Nachkommen aus Gracer gefallen bisher sehr.» Die Kuhfamilie und insbesondere die Stierenmutter Calvin Grace, welche aus Österreich stammt, seien vor vier Jahren für den Ankauf von Gracer ausschlaggebend gewesen. Ähnliches gilt auch für Lionel, den Junior-Mister ZM Zug BS: Seine Mutter Glenn Laos ist ebenfalls eine starke Schaukuh und auch sie kommt aus Österreich. Lionel selber ist ein Phil-Sohn und wurde von Patrick Risi, Buochs NW, ausgestellt.

Betriebscup an Anderegg

Der schönste Originalbraune-Jungstier heisst Ikarius und kommt aus dem Stall von Andrin Flükiger, Eptingen BL. Der Eros-Sohn stammt ursprünglich aus dem Zuchtbetrieb von Alfred und Judith Anderegg, Meiringen BE, wo Andrin Flükiger sein landwirtschaftliches Lehrjahr absolvierte. Alfred und Judith Anderegg hatten an diesem Tag noch einen Grund zur Freude: Mit drei ihrer Stiere gewannen sie den Betriebscup. Auf den Ehrenplatz kam mit den Gebrüdern Winterberger ebenfalls ein Zuchtbetrieb aus dem Berner Oberland.

Grosser Tag für Einar

Zum Mister ZM Zug OB kürte der Richter Sepp Portmann den sechsjährigen Valido-Sohn Einar von Martin Schrepfer, Wald ZH. Nachdem er bereits mehrmals Mister OB der Toggenburger Stierenschau geworden war, setzte er sich nun auch in Zug durch. «Er ist ein hervorragender Vertreter der OB-Rasse und überzeugt insbesondere mit seinem glasklaren Fundament», so Experte Sepp Portmann. Von Einar gibt es schon eine stattliche Anzahl an Nachkommen, im Jahr 2022 konnte die Familie Schrepfer von ihm eine hervorragende Halteprämie präsentieren. Ebenfalls aus Einar stammt der Jungstier Loma von Andreas Schläpfer, Wald ZH, der am Stierenmarkt zum Mister Genetik OB gekürt wurde. Bei den Brown Swiss gewann Martin Künzli, Dietschwil SG, mit Optimal-Sohn Orkan den gleichen Titel.

Neues Konzept fürs Tierwohl

Die Stierenausstellung fand dieses Jahr mit einem überarbeiteten Konzept statt. Ziel war, die Standzeiten der Stiere auf dem Platz zu verkürzen und so dem Tierwohl mehr Rechnung zu tragen. «Angesichts der sehr hohen Temperaturen, die an diesem Spätsommertag auf dem Areal herrschten, war das sicher der richtige Entscheid», zog Braunvieh-Schweiz-Direktor Martin Rust ein erstes Fazit. Die Stiere wurden zudem erstmals in zwei Ringen öffentlich vorgeführt, rangiert und kommentiert.

Informative Kommentierung

Felix Honegger, einer der verantwortlichen Richter, sah in den Neuerungen viel Positives: «Die Richterarbeit wurde dadurch speditiver und die Tiere konnten besser miteinander verglichen werden. Zudem konnten wir dank der öffentlichen Kommentierung unsere Entscheide gegenüber den Tierbesitzern begründen.» Da das neue Konzept personalintensiver war, lag das Vorführen der Stiere in der Verantwortung der Aussteller, ebenfalls ein Novum am Zuger Stierenmarkt. «Für mich war es kein Problem, die Stiere selber vorzuführen, da ich ja sowieso nach Zug kam», gab der Berner Züchter Samuel Bergmann zu Protokoll.

Handel teilweise erschwert

Noch nicht wirklich begeistert zeigte sich der Berner Oberländer Franz Winterberger, der mit mehreren verkäuflichen Stieren nach Zug kam: «Da die Munis zeitweise über das ganze Areal, sprich im Stall, an der Latte und im Ring verteilt waren, fehlte ein zentraler Standort, wo sich Käufer und Verkäufer finden. Dies erschwerte die Handelstätigkeit.»

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