Für den Menschen ungefährlich, für Kaninchen tödlich – das ist die virale hämorrhagische Krankheit, die sich aktuell in der Schweiz auszubreiten droht und ganze Kaninchenbestände auslöschen kann. Die auch als Chinaseuche bezeichnete Krankheit ist keine Unbekannte. Zuletzt hatten die Kantone Zürich und Wallis 2016 mit einem grösseren Ausbruch zu kämpfen. Aktuell treten vermehrt Fälle im Aargau sowie Einzelfälle in anderen Kantonen auf. Erstmals beschrieben wurde der Krankheitserreger 1984 in China bei aus Europa importierten Tieren. Mittlerweile hat sich die Seuche, vermutlich durch den Transport von infiziertem Fleisch, weltweit ausgebreitet.
Bei dem Erreger handelt sich um Caliciviren mit mehreren Varianten. Bedeutend für Kaninchenhalter ist der «klassische» Typ RHDV-1 und der erstmals 2010 in Frankreich aufgetretene Typ RHDV-2. Das zurzeit grassierende Virus ist vom Typ 2 und zeichnet sich durch eine sehr kurze Inkubationszeit von nur ein bis drei Tagen und einer fast hundertprozentigen Sterblichkeitsrate aus. Symptome der Krankheit beinhalten Fieber, Apathie und Atembeschwerden. Kurz vor dem Tod erleiden kranke Tiere oftmals Nasenbluten und Krämpfe. Nur zwölf bis 36 Stunden nach dem erstmaligen Auftreten von Fieber verenden sie. Ein Warnzeichen ist ein oder mehrere tote Tiere im Stall, die am Vortag noch gesund wirkten.
Die Chinaseuche ist nicht therapierbar
Die Ansteckung mit dem Virus erfolgt durch den direkten Kontakt mit Artgenossen, ebenso durch Körperausscheidungen, verunreinigtes Wasser, Futter, Gegenstände und Bekleidung. Auch Insekten und andere Tiere tragen zur Verbreitung des Virus bei. Ist die Krankheit in einem Bestand ausgebrochen, bleibt nicht viel mehr übrig, als zu hoffen, dass sie nicht alle Kaninchen dahinrafft. Therapierbar ist die Chinaseuche nicht. Aus diesem Grund ist es wichtig, präventiv gegen die Viruserkrankung vorzugehen.
Diese präventiven Massnahmen können helfen
Hygienemassnahmen können dabei helfen, die Krankheit nicht in den eigenen Bestand einzuschleppen. Neuzugänge in der Kaninchenhaltung sollten vor der Zusammenführung für mindestens zwei Wochen in Quarantäne gehalten werden.
Separate Kleidung für Arbeiten an den Kaninchen und im Stall sind empfehlenswert, genauso wie die Händedesinfektion vor und nach dem Betreten des Geheges. Zur Desinfektion eignen sich ausschliesslich viruzid wirkende Desinfektionsmittel. Der Besuch von anderen Kaninchenhaltungen und von Ausstellungen sollte während eines akuten Seuchenausbruchs vermieden werden. Konnte das Virus trotz Massnahmen in den Bestand gelangen, gilt es überlebende Kaninchen in einer virusfreien Umgebung, zum Beispiel einem Innengehege, unterzubringen und sich schnellstmöglich an einen Tierarzt zu wenden. Als zu überwachende Tierseuche ist die Krankheit meldepflichtig.
Um seine Kaninchen, insbesondere in betroffenen Gegenden, wirksam zu schützen, ist zusätzlich zu den erwähnten Hygienemassnahmen eine Impfung mit dem in der Schweiz erhältlichen Impfstoff Filavac ratsam. Eine Impfung ist wohl im Interesse von allen Kaninchenhaltern, denn sie schützt die Tiere zuverlässig vor einem qualvollen Tod und hilft, eine unkontrollierte Ausbreitung der Chinaseuche zu verhindern.
Zur Person
Sarah Schindhelm ist Redaktorin beim Magazin TierWelt, das wie die BauernZeitung von der Schweizer Agrarmedien AG herausgegeben wird.

