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So lassen sich Bruderhähne und Legehennen vermarkten

«Darf es ein Suppenhuhn sein?» Die Konsumenten, die spontan «Ja» sagen, sind rar. Dennoch gelingt es Roman Clavadetscher in Zusammenarbeit mit Kurt Wick und der Hosberg AG, Bruderhähne und Legehennen zu vermarkten.

Seit dem 1. Januar 2026 ist das Töten männlicher Küken in der Bio-Eierproduktion gemäss Bio-Suisse-Reglement strikt verboten. Wie tickt nun die Wertschöpfungskette bei der Legehennen- und Bruderhahnvermarktung?

Das wollten die Bioproduzenten der Bio-Suisse-Mitgliedorganisation Zürich und Schaffhausen wissen. Milada Quarella Forni von der Strickhof-Fachstelle Biolandbau nahm sich der Sache an und organisierte einen Informationsanlass am Geflügel-Schlachthof der Wick AG in Frauenfeld. Treffpunkt 6.30 Uhr auf dem Betrieb.

Ruhige und geordnete Schlachtung

Schon sehr viel früher, um 2 Uhr, hatte Betriebsleiterin Barbara Rüeger vom Bio-Haldenhof in Wil (ZH) Tagwacht. Mit einem zehnköpfigen Helferteam begann sie, ihre 2000 Legehennen in Transportkisten zu verfrachten. Um 2.30 Uhr wurde mit dem Beladen des Lkw begonnen und um 3.45 Uhr ging es los Richtung Frauenfeld zum Schlachthof.

Haldenhof, Bio

Barbara Rüeger Ort: Wil ZH LN: 30 ha, davon 20 ha Ackerbau Tierhaltung: 10 Mutterkühe mit Kälbern, 2000 Legehennen

Rüegers Legehennen kamen als Erstes in einen abgedunkelten und klimatisierten Vorraum. Nach und nach gelangte Kiste für Kiste, Huhn für Huhn in die Schlachtlinie. Jedes wurde betäubt, getötet, ausgeblutet, gefedert, ausgeweidet und gewaschen.

«Um 7.30 Uhr, als wir vor Ort waren, war das letzte unserer Hühner zu einem Suppenhuhn verarbeitet», sagte Barbara Rüeger. Überrascht war sie, wie ruhig und geordnet der Schlachtprozess vonstatten ging.

Darauf legt Kurt Wick, Mitinhaber und Geschäftsführer des Schlachthofes, grossen Wert: «Den Tieren muss es wohl sein – und den Mitarbeitern auch», sagte er bei der Führung durch den Schlachtbetrieb.

Als Bauernsohn aufgewachsen, lernte er Metzger und begann seine Berufslaufbahn bei der Ernst Sutter AG (ERSAG, seit 2004 Fenaco-Betrieb). 2006 kaufte Kurt Wick den Schlachtbetrieb in Frauenfeld und begann, neben Rindern und Schafen vor allem Muttersauen zu schlachten. Der frühere Mitinhaber der ERSAG Ernst Sutter ist heute Verwaltungsratspräsident der Wick AG.

Eine Nische gefunden

«2021 kam Roman Clavadetscher von der Gallina Bio AG auf mich zu, und fragte, ob wir Geflügel schlachten könnten», erzählte Kurt Wick. Er besichtigte mit Clavadetscher Geflügelschlachthöfe in Süddeutschland und war einverstanden, umzustellen. Am 1. Januar 2024 war es so weit. Die ersten Bruderhähne und Legehennen wurden geschlachtet. Wick beschäftigt 50 bis 70 Mitarbeitende, und schlachtet jährlich rund eine Million Geflügel.

Er besetzt erfolgreich eine Nische, indem er Legehennen, Bruderhähne, aber auch Alt- und Elternhennen, sowohl bio als auch konventionell, schlachtet. Dafür arbeitet er mit der Bell AG, der Micarna AG und der Frifag Märwil AG zusammen. Seine Fleischerzeugnisse wie Suppenhühner oder Bruderhähne verkauft er an den Detailhandel und in Discountern. Er liefert auch Rohmaterial an die fleischverarbeitende Industrie.

Roman Clavadetscher von der Gallina Bio AG obliegt der vorgelagerte Lebendtierbereich. Mit seinem Netzwerk an Bioproduzenten (Eierproduzenten der Hosberg AG) und der Transportflotte stellt er die Lieferkette sicher. Auch die Abrechnung an die Produzenten übernimmt er. Herdengrössen von unter 500 Hühnern verarbeitet die Gallina Bio AG selbst. Dabei übernimmt die Schlachtung das Schlachtmobil der Rundum Grün GmbH.

Die Gallina Bio AG produziert unter dem Label «Henne & Hahn». Sie verkauft Frischfleisch und verarbeitete Produkte, rund 30 an der Zahl. Ihre Kunden sind Privatpersonen, Direktvermarkter mit Hofläden, die Gastronomie oder der Biofachhandel, die einen Mehrpreis für Bio-Bruderhähne und -Suppenhühner akzeptieren.

Suppenhuhn im Detailhandel

Im Detailhandel sieht es anders aus. «Für ein Poulet bezahlt der Kunde im Aktionspreis 5 bis 7 Franken. Das Schweizer Suppenhuhn hingegen kostet 7 Franken. Das rechnet sich kaum», sagt Kurt Wick.

Er wünscht sich die 2000er-Jahre zurück, als auch der Geflügelfleischimport an die Inlandleistung geknüpft war. Heute mit den Zollkontingenten und den vergünstigten Zolltarifen haben Schweizer Suppenhühner und Bruderhahnfleisch einen schweren Stand.

So lassen sich Bruderhähne und Legehennen vermarkten
Nach der Schlachthofbesichtigung steht Barbara Rüeger im leeren Hühnerstall und ist bereit, auszumisten, den Stall zu waschen und zu desinfizieren.

Bio-Eierproduzenten finanzieren mit

«Wertschöpfung und Mehrwert gibt es auf allen Stufen», sagt Roman Clavadetscher. Dazu gehöre, dass alle Stufen vorfinanzieren. So bezahlt Barbara Rüeger auf ihren Junghennen, die sie von der Hosberg AG bezieht, eine Bruderhahn-Abgabe, die sie dann aber durch den höheren Eierpreis zurückerhält.

Die Brüder ihrer Legehennen-Küken platziert die Gallina Bio AG bei einem Aufzuchtbetrieb. «Es funktioniert, weil der Absatz von Bioeiern sehr gut läuft», hielt Clavadetscher fest und sagt abschliessend: «Die Marktstrukturen in der Bio-Eier- und Bruderhahn-Integratorenkette sind stabil und verlässlich.»

Barbara und Beat Rüeger machen sich nach der Schlachthofbesichtigung auf den Heimweg. Die Arbeit wartet. Der Hühnerstall muss gereinigt und desinfiziert werden. Er steht drei Wochen leer, bevor wiederum für anderthalb Jahre Junghennen eingestallt werden.

Neben Brotgetreide, Hafer und Roggen baut Barbara Rüeger auch Gerste, Soja, Triticale, Mais und Eiweisserbsen an. Sie lässt damit durch ihre Futtermühle Hühnerfutter herstellen. «Wir arbeiten seit 25 Jahren mit der Hosberg AG zusammen», sagt sie. Es funktioniere gut und sei eine «gfreuti Sach».

Enge Zusammenarbeit

Wie die Eierproduktion sind auch Bruderhähne eine Vertragsaufzucht. Dreh- und Angelpunkt ist Roman Clavadetscher, der vor über zehn Jahren begann, Bruderhähne professionell zu vermarkten. Die Integratorenkette ist gut getaktet und organisiert – und institutionell verankert. Clavadetscher, Geschäftsführer der Gallina Bio AG, organisiert den Lebendtierbereich. In seiner Firma ist Kurt Wick vom Frauenfelder Schlachtbetrieb Mitglied der Verwaltung – ebenso wie Jonas Reinhard von der Hosberg AG. Roman Clavadetscher seinerseits ist im Verwaltungsrat der Hosberg AG.