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«Tristnen»: Wenn unter dem Dach zu wenig Platz fürs Heu war

Tristen erleben dank Landschaftsqualitätsbeiträgen einen kleinen Aufschwung. Die Futterqualität hängt von der handwerklichen Präzision beim Aufbau ab.

Sie gehörten einst überall in der Schweiz zum Landschaftsbild: Tristen, in der Mundart «Trischtä» – das Wort steht für «Aufrichten». Für ahnungslos Vorbeigehende waren – und sind – sie einfach «Heuhaufen im Freien». Heutzutage sind sie abgelöst worden von den in Polyethylen-Folie gehüllten Siloballen, die nun die Winterfutter-Aufbewahrung draussen im Feld übernommen haben. Jedoch: So eine traditionelle Triste, nach allen Regeln der Kunst aufgebaut, ist mehr als nur ein Heuhaufen; sie ist ein Meisterstück, das Wind und Wetter trotzt.

Auf alten Postkarten sind Tristen noch überall zu sehen: Hier zwischen Goldau und Lauerz SZ. (Bild: Privat)

Direktzahlungen sorgten für Aufschwung

Als Zeugen traditioneller Bewirtschaftung werden Tristen gegenwärtig wieder vermehrt gewürdigt. In etlichen Kantonen können für fachlich einwandfrei erstellte Tristen Landschaftsqualitätsbeiträge (LQB) im Rahmen der Direktzahlungen geltend gemacht werden. Es gibt dafür einen einmaligen Beitrag von ein paar hundert Franken pro Triste: Meist können maximal drei Tristen pro Betrieb und Jahr angemeldet werden. Auf Flächen, die unter Naturschutz stehen, ist die Tristen-Erstellung mit der zuständigen Fachstelle für Naturschutz des Kantons abzusprechen.

Natürlich ist das Stapeln des Heus zu einer Triste aufwendig und mit viel Arbeit verbunden. Und darum werden solche meist nur mehr auf abgelegenen Heuplätzen, zum Beispiel in Wildheu-Revieren, erstellt. Dort ist das Heu der Bergwiesen, weil nur einmal im Sommer gemäht, auch besonders rohfaserreich und strukturiert, obgleich es eiweiss- und energieärmer ist als jenes von intensiv bewirtschafteten «fetten» Wiesen. Wildheu ist somit gut für die Aufbewahrung in Tristen geeignet.

Zwei Arbeitstage bei drei Personen

Vor etlichen Jahrzehnten wurden Tristen meist eher aus der Not heraus erstellt, weil in den alten «Gäden» im Heulager unter dem Dach Raum fehlte, um all das für den Winter erforderliche Futter zu lagern. Auch mit Schnittgut aus den Streueriedern wurden Tristen gemacht.

Zur Erstellung einer normal grossen Triste, die nach dem Setzvorgang 2,5 bis 3 m hoch ist (sie wird sich in den Monaten nach Fertigstellung um etwa einen Meter setzen), brauchen drei Personen um die zwei Arbeitstage. Das Heu dafür sollte gut getrocknet bereitliegen. Es ist erforderlich, erst eine Trist-Latte von gut vier Metern zur Stabilisierung des Heudepots zu stellen und diese in den Boden zu rammen. Ideal ist es, wenn das Heu dann im Sockelbereich keinen direkten Bodenkontakt hat. Falls vorhanden, werden Steinplatten verlegt. Darauf kommt eine etwa 20 cm dicke Schicht aus Tann- oder Erlenästen.

Dann kann der Aufbau der Triste beginnen: Vorteilhaft ist, wenn zwei oder drei Leute zu Werk gehen. Eine Person begibt sich auf das Tristenbett zum Büscheln und Stampfen, die anderen beiden gehen im Kreis um die Triste herum und werfen dem Erbauer Büschel um Büschel des Heus zu.

Wie so ein Freiluft-Heulager idealerweise erstellt wird, ist zu sehen im LQ-Projekt-Merkblatt «Tristen erstellen», das in Zusammenarbeit mit Edy Epp (ARE/Uri) erstellt wurde. (Bild: Grafik zVg)

Eine recht vergnügliche Sache

Auf diese Weise wurde seit jeher vorgegangen. Es wurde «Arfel um Arfel um den Tristbaum gelegt» – wie es in den Aufzeichnungen der Volkskundlerin Anni Waldmeier-Brockmann aus den 1930er-Jahren heisst. Und es scheint, dass vor 150 Jahren – gemäss dem Berner Schriftsteller Johann Jakob Romang – das «Tristnen» eine recht vergnügliche Sache war.

In seiner Erzählung von anno 1877 waren drei junge Leute damit beschäftigt. «Die Heuerin langte das Heu hinauf, die beiden Jungen ordneten es mit kundigen Händen und trampelten es unter munteren Scherzen um den Tristbaum herum fest», steht in seinem Buch. Die Heulagen sollten dabei tendenziell immer etwas nach aussen gewölbt verfestigt werden, um zu gewährleisten, dass bei allfälligem Starkregen eindringendes Wasser nach aussen abfliesst. Bei Sonneneinstrahlung trocknet die Aussenschicht der Triste dann schnell wieder vollständig.

Bis etwa Ende der 1960er-Jahre wurden noch vielerorts Tristen im Freien angelegt: als zusätzliches Heudepot. (Bild: Privat)

Nach oben verjüngt sich der Tristenkegel – und aussen wird das überschüssige Heu mit dem Holzrechen abgestreift und die Triste in eine konische Form gebracht. Zum Abdichten der Spitze setzt man einen «Wäslig», also Rasenziegel, auf, mit dem Gras nach unten, oder es wird aus Tannästen ein Dächli gemacht.

Wenn das Futter dann im Winter geholt wird, wird die Tristen-Spitze entfernt und das Heu mit dem Schrotmesser herausgeschrotet. Die Qualität des Heus aus Tristen hängt stark von der handwerklichen Präzision beim Aufbau ab, ist in der Regel im Kern jeweils überraschend gut und wohlduftend. Denn es entsteht in diesem Heulager im Freien bei der Gärung ein stabiles Mikroklima – und das Heu verschimmelt nicht.

Während die äusserste Schicht, etwa 5 cm dick, durch Regen und Witterung hart und abgenutzt, nur noch als Einstreu verwendet werden kann, präsentiert sich das Heu im Inneren des Stocks über den gesamten Winter hinweg trocken, staubfrei und hygienisch einwandfrei. Futter aus solchen Tristen wird von den Tieren im Stall gern gefressen.

Tristenmachen als Event im Schwyzerbiet

Es gab in den letzten Jahren sogar Bestrebungen, das alte Handwerk des Tristenmachens nach alter Vätersitte von Hand zum «Event» zu machen – und Besucher erleben zu lassen, wie so ein Heu- oder Streue-Kegel entsteht.

So zum Beispiel hatte es sich der «Tristen-Club Sumpf» in Sattel SZ zur Aufgabe gemacht, im Spätsommer oder Herbst seine Mitglieder zusammenzurufen, um das «Tristnen» mit Heu und Streu einem interessierten Publikum zu demonstrieren, mit der Absicht, «ein praktisch verschwundenes Brauchtum wiederzubeleben», wie es in den Vereins-Intentionen heisst.

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