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Ein Teich, der noch nie voll war: Slow Water in Zeiten der Dürre

Auf dem Dietisberg soll ein neuer Teich Wasser für den Gemüseanbau liefern – doch er war diesen Sommer noch nie voll. Ein Beispiel für Chancen und Grenzen von Slow Water.

Milch, Fleisch, möglichst viel Selbstversorgung – und ein neuer Teich, der eigentlich Wasser für den Gemüseanbau liefern soll, aber bisher selbst zu wenig davon bekommt. Auf dem Dietisberg BL, wo der gleichnamige Verein Landwirtschaft mit einer soziotherapeutischen Institution für rund 85 Männer verbindet, zeigt sich exemplarisch, wie anspruchsvoll die Umstellung auf Trockenheit in der Praxis ist.

Anschaulich wurde das an einer Veranstaltung des Projekts Slow Water zum Start seiner zweiten Projekthälfte, die am 22. September 2026 auf dem Dietisberg stattfand. Vor Landwirten und Fachleuten aus der Region standen dort Stv. Betriebsleiterin Esther Achermann, Projektleiterin Sereina Grieder, ihre Stellvertreterin Priscilla Hirsbrunner sowie Andreas Bubendorf, Stv. Leiter des Ebenrain-Zentrums, Rede und Antwort.

Mehr Gemüse, doch das Wasser fehlt

Eigentlich möchte der Betrieb, der auch ein umfangreiches Gastronomie-Angebot vor Ort alimentiert und der sich bei Fleisch und Milch bereits weitgehend selbst versorgen kann, mehr Gemüse anbauen – doch das knappe Wasser auf dem Berg setzt Grenzen. Die trockenen Sommer der letzten Jahre machen sich längst auch im Futterbau bemerkbar: Der dritte Schnitt fällt inzwischen phasenweise ganz aus. Dazu kommen weitere Ziele, die nicht direkt der Ertragssteigerung dienen: die Förderung der Biodiversität und die Aufwertung des Landschaftsbilds.

Diese Gemengelage aus Wasserknappheit, Ertragsdruck und ökologischem Anspruch ist der Hintergrund, vor dem der Betrieb im Rahmen des kantonalen Trockenheitsprojekts «Slow Water» einen Retentionsteich und Versickerungsgräben angelegt hat.

Voll war der Teich noch nie

Im Juni begann der Aushub. Der Teich liegt auf einer Fläche, auf der es schon immer zu Vernässung kam – ein bewusst gewählter Standort. Er kommt ohne Kunststofffolie aus, weil der tonige Untergrund von selbst abdichtet. Trotzdem: Voll war der Teich in diesem Sommer noch nie.

Ursprünglich hätte er eigentlich weiter oben entstehen sollen, dort, wo der Betrieb heute noch Gemüse anbaut. Doch dort ist der Boden weniger tonhaltig – ein Teich hätte dort eine Folie gebraucht. Am Ende habe vor allem der Wasserbedarf für den künftigen Gemüseanbau über Standort und Grösse entschieden, sagte Slow-Water-Projektleiterin Sereina Grieder an der Veranstaltung.

Wie lange das gespeicherte Wasser reichen wird, konnte Esther Achermann noch nicht beziffern – das hänge davon ab, wie gross die Fläche ausfällt, auf der dereinst Gemüse angebaut wird. Und auch das ist noch offen: Die Abnahme des Teichs steht noch aus, ebenso die Klärung des Gewässerraums. Ob auf dem Dietisberg also schon nächstes Jahr Gemüse direkt beim Teich wächst, ist ungewiss.

Strebt nach mehr Selbstversorgung: Esther Achermann, Stv. Betriebsleiterin. (Bild: Peter Walthard)

Eine weitere offene Frage kam aus dem Publikum: Was passiert unterhalb des Teichs? Der bei Ausflüglern beliebte Wasserfall am Fuss des Berges liegt immer noch trocken, der Diegterbach trocknete diesen Sommer in seinem Unterlauf vollständig aus.

Gräbt der neue Teich einem ohnehin schon verletzlichen Gewässer zusätzlich Wasser ab? Klarheit geben sollen Messungen der Universität Basel. Sollte sich im Bach unterhalb des Dietisbergs ein deutlich reduzierter Wasserfluss zeigen, werde man reagieren müssen, so Achermann – wie genau, liess sie offen.

Hecken mit Kalkül

Oberhalb des Teichs liegen die neu angelegten Versickerungsgräben: 40 cm tief, 40 cm breit, mit GPS gezogen und vom Betrieb selbst ausgehoben. Früher lief das Wasser hier einfach den Hang hinunter, über die Strasse, in den Bach.

Um klassische Keylines handelte es sich bei den Gräben nicht, betonte Esther Achermann an der Veranstaltung – das Ziel war nicht, Wasser gezielt weiterzuleiten, sondern es dort zu halten, wo es anfällt. Ob ein Überlauf nötig wird, wird sich erst mit der Zeit zeigen; im Ernstfall liesse sich nach heutigem Stand notfalls von Hand mit der Schaufel eingreifen.

Bepflanzt wurden die Gräben mit drei Futterhecken und einer Biodiversitätshecke – eine Unterscheidung, die auf dem Betrieb bewusst getroffen wurde. Für Biodiversitätshecken gilt eine vorgeschriebene Artenliste, zudem dürfen Tiere nicht bis ganz an die Hecke heranweiden. Bei Futterhecken entfallen diese Auflagen. Gepflanzt wurden Hasel, Linde, Ahorn und Holunder: «alles Arten, die Rinder fressen können», wie Achermann sagte. Erhofft wird zusätzlich ein Windschutz-Effekt, denn auf dem Dietisberg zieht es oft. Die im Winter gesetzten Hecken hätten im diesjährigen Hitzesommer allerdings sichtbar gelitten, so Achermann.

Auf der gegenüberliegenden Talseite hat der Betrieb zudem Säume oberhalb und unterhalb der Zufahrtsstrasse angelegt – dort mache das Sinn, weil sie durchgehend verwurzelt seien, ergänzte Priscilla Hirsbrunner an der Veranstaltung. Bei der Baubewilligung, die zusammen mit jener für den Teich eingereicht wurde, war eine Auflage: Es durfte kein Material zu- oder weggeführt werden.

«Doch, das beisst sich»

Neben Teich und Hecken setzt der Betrieb auch auf bodenschonende Bodenbearbeitung. Dabei will der Betrieb ohne Herbizide und ohne Pflug auskommen – ein Ziel, das sich der Betrieb gesetzt hat, obwohl er nicht biozertifiziert ist. Auf die Publikumsfrage, ob sich Herbizidverzicht und Pflugverzicht nicht gegenseitig ausschliessen, kam die Antwort ungewohnt direkt: «Doch, das beisst sich», sagte Hirsbrunner. Auch Achermann bestätigte: Ohne Pflug sei die herbizidfreie Bewirtschaftung tatsächlich anspruchsvoll. Leichter falle der Humusaufbau – über Gründüngung, Hofdünger und eine Bodenbearbeitung, die nicht zu tief wendet. Bewährt haben sich dafür die Kunstwiesen mit Luzerne, eine weitere Slow-Water-Massnahme – «besonders im diesjährigen dritten Schnitt», so Achermann.

Seit Monaten ausgetrocknet: Wasserfall am Fusse des Berges. (Bild: Peter Walthard)

Weitere Anmeldungen möglich und erwünscht

Möglich wurde das alles im Rahmen von Slow Water, dem kantonalen Trockenheitsprojekt, das mit der Veranstaltung auf dem Dietisberg in die zweite Projekthälfte startete.

Insgesamt 23 Betriebe machen mit, wie Grieder dort erläuterte; realisiert wurden bisher 3 Retentionsteiche und 6 Wasserspeicher, während Keylines, Drainagen und Versickerungsgräben insgesamt noch selten umgesetzt sind.

Neu für die zweite Phase: ein mit dem Bund ausgehandelter Integrationsbonus für bereits teilnehmende Betriebe, mit dem sich die Wirkung bestehender Massnahmen verstärken lässt. Für die zweite Projekthälfte seien weitere Anmeldungen möglich und erwünscht, betonte Sereina Grieder. Die Beiträge müssen allerdings vor Baubeginn zugesichert werden, und bis Ende 2029 muss alles abgerechnet sein.

Wie realistisch die Erwartungen an ein Projekt wie Slow Water sein dürfen, brachte Andreas Bubendorf an der Veranstaltung auf den Punkt: «Mit sämtlichen Slow-Water-Massnahmen würden wir es nicht schaffen, einen Extremsommer wie 2026 zu bewältigen.» Der Betrieb Dietisberg mit seinem noch nie vollen Teich ist dafür ein anschauliches Beispiel: Die Massnahmen greifen – aber eben nicht sofort, und nicht als Allheilmittel gegen mögliche weitere Klimaextreme.

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