Seit 2024 unterstützt das Projekt Slow Water Baselbieter Landwirtschaftsbetriebe dabei, sich auf Trockenheit und Starkregenereignisse einzustellen – unter anderem mit Wasserspeichern, Keylines und mehrjährigen Kunstwiesen. Nach der ersten Projekthälfte zieht Projektleiterin Sereina Grieder eine Zwischenbilanz. Sie zeigt: Das Interesse wächst, aber die Umsetzung hat ihre eigenen Tücken.
23 Baselbieter Betriebe haben die Vereinbarung bisher unterschrieben – zum Vergleich: Im Kanton Luzern sind es 63. Ende des Jahres ist die erste Hälfte des Projekts abgeschlossen. Am 22. September 2026 folgt auf dem Betrieb Dietisberg ein weiterer Info-Anlass mit Überblick über den Projektstand und Besichtigung von Slow-Water-Massnahmen.
Es gebe noch Ressourcen für einige weitere Betriebe und die Umsetzung weiterer Massnahmen, sagt Grieder, mahnt aber zur Eile: Planung und allfällige Baubewilligungen brauchen Zeit, und bis Ende 2029 müssen alle Projekte abgeschlossen sein. Die wissenschaftliche Begleitung durch das Departement Umweltwissenschaften der Universität Basel läuft danach noch zwei Jahre weiter.
Der diesjährige Hitzesommer dürfte für zusätzliche Anmeldungen sorgen: Zwei, drei Landwirte hätten sich bereits gemeldet, interessiert am Bau eines Wasserspeichers, so Grieder.
Wie sich die Massnahme im Hitzesommer bewährt haben
Eine abschliessende Bilanz zur Bewährung im aussergewöhnlich trockenen Sommer ist laut Sereina Grieder noch verfrüht – viele Projekte sind erst kürzlich fertiggestellt worden oder befinden sich noch in der Umsetzung, manche Wasserspeicher konnten bisher gar nicht befüllt werden.
«Es war ein extremes Jahr, da kann auch ein Wasserspeicher irgendwann leer sein. Aber wir richten das Projekt nicht auf ein Extremjahr aus», sagt Grieder. Positiv hätten sich Kunstwiesen mit Luzerne ausgewirkt, die mit der Trockenheit besser zurechtkämen – oft das Einzige, was auf den Wiesen überhaupt noch wuchs.
Wie gut eine Massnahme wirkt, hängt häufig von verschiedenen Faktoren ab, worüber das Projekt Erkenntnisse liefern soll.
Frust unter den Landwirten angesichts des Hitzesommers in Kombination mit Slow-Water-Massnahmen habe die Projektleitung nicht mitbekommen: «Die Stimmung ist immer noch positiv. Bauern sind realistisch und wissen, dass nicht gleich alle Probleme weg sind, wenn man eine Massnahme umsetzt.»
Ein Laufstall als Beispiel
Wie ein solches Projekt in der Praxis aussehen kann, zeigt der Betrieb der Generationengemeinschaft der Familie Andy & Marc Miesch in Wittinsburg. Bisher hielten sie 14 Milchkühe im Anbindestall mitten im Dorf. Die Zukunft steht in der Rinderhaltung im neuen zeitgerechten Laufstall. Ein wenig ausserhalb des Dorfs wurde der neue Laufstall realisiert, umgeben von 8 ha arrondierter Fläche für Umtrieb und Mähweide – sein übriges Land bleibt Fruchtfolgefläche. Der Umstieg erfolgt stufenweise: 45 Rinder im ersten Jahr, bei gleichzeitig weiterlaufender Milchproduktion, 45 weitere im Jahr danach. Inzwischen sind bereits die ersten Tiere in den neuen Stall notgedrungen eingezogen. Dies ist aus aktueller Wetter- und Futterlage die logische Handlung.
Der Laufstall ist der Hanglage angepasst und als Treppenlaufstall gebaut. Unter dem Tiefstrohbereich befindet sich die Remise, unterteilt in einen Bereich für Futter und einen für Maschinen, getrennt durch eine Brandschutzmauer. Auf dem 1250 m² grossen Dach ist eine Solaranlage installiert, die von Elektra Baselland betrieben wird. Durch das Projekt Slow Water wird die Sammlung vom Dachwasser unterstützt. Das gesammelte Wasser wird in einem Speicher zwischen Remise und Gülleloch gespeichert: rund 61 Meter lang, 1,75 Meter breit und 4,35 Meter tief. Das ergibt ein nutzbares Volumen von rund 460 m³, wie Grieder angibt. Ziel ist, den Betrieb künftig weniger abhängig vom Trinkwassernetz zu machen: Das gespeicherte Wasser soll sowohl den Gemüsebau als auch den Stallbetrieb versorgen.

Eine Funktion des Tanks ist die Bewässerung des Gitterrosts über dem Gülleloch, um Ammoniak-Emissionen zu senken – eine mögliche Variante zur Reduktion der Emissionen. Bei der Bewilligung für Slow Water-Massnahmen habe es bisher keine grösseren Probleme gegeben, sagt Grieder – speziell, wenn sich der Speicher wie bei Mieschs direkt in ein Stallgebäude integrieren lasse.
Keylines als Knacknuss
Als Herausforderung hat sich das Anlegen von Keylines erwiesen – Gräben, die Wasser nicht nur versickern lassen, sondern gezielt in trockene Gebiete weiterleiten. Das braucht eine detaillierte Planung.
Wer ein Keyline-Design umsetzen wolle, sollte einen Experten beiziehen: Mit blossem Auge zu arbeiten funktioniere nicht, auch beim Ausstecken mit GPS gebe es Überraschungen. Unsorgfältig ausgeführte Keylines könnten im schlimmsten Fall Erosion begünstigen, entsprechend brauche es beispielsweise genau eingeplante Überläufe.
«Wir legen Wert auf eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Betrieben. Sie können gut einschätzen, wo bei starken Niederschlägen vermehrt Oberflächenabfluss auf ihren Flächen auftritt», sagt Grieder. Der Kanton Luzern sei bei den Erfahrungen zu Keylines weiter.
Erschwert wird die Umsetzung zudem durch die starke Parzellierung vieler Betriebe in der Region: Wo nach 20 Metern schon die nächste Parzelle beginnt, lassen sich Keylines kaum ziehen. Auch auf Pachtland brauche es Rücksprache mit den Verpächtern, bevor gegraben wird. Immerhin: Solche Massnahmen liessen sich bei Bedarf rasch rückgängig machen; grössere Vorhaben wie Teiche oder Speicher sind baubewilligungspflichtig.
Wie ein Projekt entsteht – und was es kostet
Manche Betriebe bringen bereits eigene Vorstellungen zu Grösse und Wasserbedarf mit. Slow Water unterstützt dann bei allfälligen Planungs- und Bewilligungsfragen. Ist die Finanzierung zugesichert, läuft die Baubewilligung über den Betrieb selbst. Drei Viertel der Beiträge stammen vom Bund, den Rest tragen die beiden Kantone. Die Restkosten bei baulichen Massnahmen gehen zu Lasten der Betriebe.
Konkret: Für mehrjährige Kunstwiesen oder solche mit Luzerne gibt es 420 Franken pro Jahr, bei baulichen Massnahmen übernimmt Slow Water 60 Prozent der Investitionskosten – mit Obergrenze: Ein Teich wird höchstens mit 100 Franken pro Kubikmeter unterstützt. Bei mehrjährigen Kunstwiesen sind drei Hauptnutzungsjahre Pflicht. So lange muss die Massnahme also durchgezogen werden.
An den Info-Veranstaltungen stösst das Projekt laut Grieder auf hohe Akzeptanz. Kritik habe es bisher kaum gegeben.
Eine strukturell trockene Region
Das Baselbiet zählt laut Sereina Grieder ohnehin zu den trockeneren Regionen der Schweiz – die Zahlen würden das bestätigen. Bei der Bewässerung ist die Region eingeschränkt: Einen grossen See gibt es nicht, nur den Rhein, an dem allerdings kein Landwirtschaftsland liegt.
Eine Handvoll Betriebe bezieht Wasser aus kleineren Flüssen wie Frenke oder Birs – doch bei Trockenheit wie in diesem Sommer wird auch das untersagt. Im oberen Kantonsteil kämpfen zudem viele Gemeinden mit der Trinkwasserversorgung, was für Betriebe eine zusätzliche Unsicherheit bedeutet: Ob der Bezug aus dem Trinkwassernetz für landwirtschaftliche Zwecke wie eine Bewässerung künftig noch problemlos möglich ist, bleibt offen.

