Die Landwirtschaft im Berner Oberland ist vielfältig: Neben artenreichen Wiesen und Alpweiden prägen in diesem Berggebiet auch Ackerflächen die Landschaft. Mit dem Kulturlandschaftspreis würdigen die Regionalkonferenz Oberland-Ost und die regionalen Tourismusorganisationen den Einsatz der Landwirtinnen und Landwirte für eine gepflegte, vielfältige und ökologisch wertvolle Kulturlandschaft.
Ausgezeichnet wurden dieses Jahr eine nur zu Fuss erreichbare Alp in Hofstetten BE und ein steiles, besonders artenreiches Gebiet in Brienzwiler BE. Ein Spezialpreis ging an einen innovativen Bergbauernbetrieb mit wiederbelebtem Ackerbau. Für die Preisübergabe besuchten die Teilnehmenden die Wiesen und Ackerflächen in Brünigen BE.
«Unser Wettbewerb zeigt immer wieder, wie vielfältig und einzigartig die Kulturlandschaften unserer Region sind», lässt sich Peter Aeschimann, Präsident der Regionalkonferenz Oberland-Ost, anlässlich der Preisverleihung in Brünigen in einer Mitteilung zitieren.

artenreiche Flora und Fauna. (Bild: Privat)
Eine enge Zusammenarbeit
Claudia Schatzmann, Fachbereichsleiterin Landschaft der Regionalkonferenz Oberland-Ost, stellte die Besonderheiten der ausgezeichneten Flächen vor und zeigte die Herausforderungen, aber auch Chancen für die Berglandwirtschaft auf, beispielsweise durch Ackerbau und Spezialkulturen.
Wie eng die Attraktivität der Region auch für den Tourismus mit der Arbeit der Landwirtinnen und Landwirte verbunden sei, unterstrich Dominic Freitag, Geschäftsführer der Regionalkonferenz: «Eine attraktive Kulturlandschaft ist das Ergebnis harter landwirtschaftlicher Arbeit – gestern, heute und morgen. Der Kulturlandschaftspreis beleuchtet dieses unverzichtbare Engagement und verdeutlicht, wie sehr auch der Tourismus von einer gepflegten Landschaft profitiert», hält sie in der Mitteilung fest.
Die Bewirtschaftung im Berggebiet sei auf steilen, abgelegenen Flächen anspruchsvoll und mit viel Handarbeit verbunden. Regelmässiges Mähen, Beweiden und die sorgfältige Pflege der Flächen seien entscheidend, damit die Artenvielfalt und wertvollen Lebensräume erhalten bleiben. Sonst verbuschen oder verwalden schliesslich.
Gleichzeitig zeige sich, dass auch traditionelle und neu belebte Ackerbauformen einen wichtigen Beitrag zur Vielfalt der Berglandwirtschaft leisten können. Die ausgezeichneten Bewirtschafterinnen und Bewirtschafter hätten ein Preisgeld von 2500 Franken, eine kunstvoll beschnitzte Sense sowie eine Hinweistafel erhalten, heisst es weiter in der Mitteilung.
An der Südflanke des Wilerhorns
In der Kategorie «landwirtschaftliche Nutzflächen» wurde die an der Südflanke des Wilerhorns gelegene Fläche Schwendi ausgezeichnet. Auf rund 1100 bis 1200 Metern Höhe bewirtschaftet die Familie von Hans Schild gut vier Hektaren Wiesen und Weiden, hauptsächlich in steilem Gelände. Rund 2,5 ha würden als Weide für Mutterkühe genutzt, auf weiteren 1,5 ha werde Heu geerntet.
Ein grosser Teil der fast vollständig von Wald umgebenen Fläche sei ökologisch besonders wertvoll. Sie gehört zum Inventar der Trockenwiesen und -weiden und ist durch einen Naturschutzvertrag geschützt. Entsprechend vielfältig sei die Tier- und Pflanzenwelt: Neben Orchideen würden sich auch zahlreiche Schmetterlinge und weitere Insekten wie der geschützte Libellen-Schmetterlingshaft finden, heisst es in der Mitteilung. Einige Obstbäume und Baumgruppen sowie zwei Hütten würden die Landschaft zusätzlich bereichern.

Alp Gummen-Chäseren wurde ausgezeichnet
In der Kategorie «Sömmerungsgebiete» wurde die Alp Gummen-Chäseren ausgezeichnet, die von Andreas und Stefan Blatter bewirtschaftet wird. Zwischen dem Brienzer Rothorn und dem Wilerhorn erstrecken sich auf ca. 1470 bis 2000 m 35 Hektaren Alpweiden, verteilt auf die zwei Stafel Heehi und Chäseren. Letzterer verfüge über eine Sennerei und zeitweise Verpflegungsmöglichkeit, sei aber nur zu Fuss erreichbar. Lediglich eine Transportbahn helfe bei der Versorgung der Hütte.
Ein Drittel der Fläche weise eine besonders hohe Artenvielfalt auf: Es gebe einen Trockenstandort, ein Hochmoor sowie das kantonale Naturschutzgebiet «Höhe». Der Erhalt der wertvollen Flächen verlange viel Einsatz: Unter anderem müssten Flächen entbuscht, Steine geräumt und problematische Pflanzen wie Blacken und Farn bekämpft werden. Verschiedene Wanderwege würden durch das Gebiet führen.
Wer den Aufstieg auf sich nehme, werde mit einem imposanten Panoramablick belohnt, der vom Oberhasli über die Wetterhorngruppe bis zum Bödeli reiche.

sinnvoll ergänzen kann. (Bild: zVg)
Tradition zeitgemäss entwickelt
Einen Spezialpreis erhielten Michael und Esther Flück für ihren vielseitigen Betrieb auf dem Mannenboden BE und in Brünigen BE. Er verbinde Mutterkuhhaltung und Bergackerbau mit Agrotourismus und Direktvermarktung, steht in der Mitteilung.
Die auf 850 bis 950 m liegenden rund 12,5 Hektar Landwirtschaftsflächen würden nebst den gut 8 Hektaren Dauerwiese auch rund 3,12 Hektare Biodiversitätsförderfläche, die zum grossen Teil hohe ökologische Qualität aufweisen und einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten würden, umfassen.
Dazu würden Schmetterlinge wie der Schachbrettfalter, der Braune Waldvogel oder der C-Falter gehören. Eine Besonderheit sei der Ackerbau in der Bergregion, die ansonsten stark von Grünland geprägt sei. Angebaut würden Dinkel, Winterweizen, Lein und Kartoffeln. Zusammen mit den Wiesen, Steinhaufen und Trockenmauern würde ein solch abwechslungsreiches Landschaftsmosaik entstehen.
Der Bergackerbau knüpfe an eine lange Tradition an, die im Zuge der Spezialisierung auf die Viehwirtschaft vielerorts in den Hintergrund geraten sei. Dabei würden solche Kulturen die Berglandwirtschaft sinnvoll ergänzen können. Mit der Direktvermarktung im Hoflädeli zeige die Familie Flück, wie sich diese Tradition zeitgemäss weiterentwickeln lässt.
Vielfalt erhalten und weiterentwickeln
Die drei hier ausgezeichneten Gebiete würden exemplarisch aufzeigen, wie unterschiedlich und wertvoll die Kulturlandschaften im Oberland seien. Ob artenreiche Wiesen, gepflegte Alpweiden oder traditioneller Bergackerbau: Entscheidend sei eine standortangepasste Bewirtschaftung.
Sie erhalte die biologische Vielfalt, präge das Landschaftsbild und trage dazu bei, dass das landwirtschaftliche Erbe der Region auch in Zukunft lebendig bleibe.

