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Pflanzenschutz in Steillagen: Kameras sparen bis zu 90 Prozent Herbizide

In rasantem Tempo werden neue Anwendungen, wie Drohnen und kameragesteuerte Spritzsysteme, für das Anbringen von Herbiziden entwickelt. Sie eröffnen neue Möglichkeiten, bringen aber auch Anforderungen mit sich.

Die Schweiz war das erste europäische Land, das den Einsatz von Drohnen für Pflanzenschutzbehandlungen offiziell zugelassen hat. Heute ist die Arbeitsentlastung aus der Luft nicht mehr neu. Agrardrohnen werden vor allem im Weinbau, aber auch immer häufiger im Ackerbau angewendet. Im Futterbau bieten sie ebenfalls interessante Einsatzmöglichkeiten.

Der Pflanzenschutzmitteleinsatz mit einer Drohne gilt zurzeit immer als Flächenbehandlung. Im Futterbau kann diese Technik insbesondere für Flächenbehandlungen mit selektivem PSM auf Landwirtschaftlichen Nutzflächen in steilem Gelände interessant sein. Auf der Sömmerungsfläche sind ohne Sonderbewilligung grundsätzlich nur Einzelstockbehandlungen erlaubt.

Plus- und Minuspunkte von Drohnen

«Ein wesentlicher Vorteil der Drohne besteht darin, dass der Boden nicht befahren werden muss. Dadurch werden Bodenverdichtungen vermieden und Unfallrisiken bei Arbeiten in Steillagen reduziert», weiss Jonathan Heyer vom Kantonalen Pflanzenschutzdienst Freiburg. Neben Pflanzenschutzmitteln können Agrardrohnen auch andere Betriebsmittel ausbringen, etwa Schneckenkörner in jungen Kunstwiesen.

Die Arbeit mit Drohnen berührt mehrere gesetzliche Bereiche: die Landwirtschaft, den Gewässerschutz und die Luftfahrt. «Von allen drei Bereichen bleiben die gesetzlichen Auflagen selbstverständlich gleichermassen geltend, wenn die Drohne fliegt», mahnt Rebekka Gerber, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Futterbau am landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum Grangeneuve.

Zu den Auflagen gehören etwa die einzuhaltenden Abstände zu Gewässern, Wäldern oder Wegen. In gewissen Gebieten nahe von Flughäfen oder Naturschutzgebieten müssen zudem Bewilligungen eingeholt werden. Da die Technologie noch neu ist, sind gewisse Auflagen erst in Ausarbeitung.

Dank dem Drohneneinsatz können Bodenverdichtung verhindert und Unfallrisiken minimiert werden.(Bild: BauZ, Esther Thalmann)

Gleichzeitig stellt die Anwendung in steilen Lagen einige Anforderungen an den Drohnenpiloten, da sich Windverhältnisse und Abdriftrisiken je nach Topografie anders verhalten und schwieriger vorherzusagen sind.

Rumex-Spritzbalken und ARA-System im Vergleich

Nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden entwickeln sich neue Technologien stark weiter. Für die Bekämpfung von Blacken in steilen Lagen stellt der bewegliche Rumex-Spritzbalken mit offenem Kamerasystem eine interessante Alternative zum weniger geländegängigen ARA-System dar. «Dank des offenen Kamerakonzepts können Arbeitsgeschwindigkeiten von rund 12 km/h erreicht werden», erklärt Jonathan Heyer.

Beim ARA-Spot-Sprayer befinden sich die Kameras unter einer geschlossenen Haube. Dadurch werden konstante Lichtverhältnisse geschaffen, was die Pflanzenerkennung verbessert. Um keinen Staub unter der Haube aufzuwirbeln, der das Kamerabild verschlechtert, fährt man mit diesem System 7 km/h.

Sowohl das Vorgehen mit dem Rumex-Spritzbalken als auch mit dem ARA-System gilt als Einzelstockbehandlung. Dies bietet den Vorteil, dass eine grössere Auswahl an Herbiziden eingesetzt werden kann als bei einer Flächenbehandlung. «Gleichzeitig lassen sich bis zu 90 Prozent Herbizide einsparen, während Klee und wertvolle Futterkräuter geschont werden», gibt die Fachfrau zu bedenken.

Hochauflösende Kameras erkennen dabei unerwünschte Pflanzen im Bestand. Eine Software entscheidet in Echtzeit, ob es sich um eine Zielpflanze handelt und ob eine Behandlung ausgelöst werden soll.

Technologien mit Potenzial

Der Pflanzenschutz muss sich laufend weiterentwickeln, um den Anforderungen von Umwelt, Gesellschaft und Landwirtschaft gerecht zu werden. In den vergangenen Jahrzehnten wurden diesbezüglich grosse Fortschritte erzielt. Beim Einsatz von Drohnen, künstlicher Intelligenz und kameragesteuerten Applikationssystemen stehen wir jedoch erst am Anfang.

Diese Technologien bieten ein grosses Potenzial, um den Pflanzenschutz noch präziser, ressourcenschonender und sicherer zu gestalten, insbesondere unter den anspruchsvollen Bedingungen des Berggebiets. Wie diese modernen PSM-Applikationssysteme in der Praxis zur Anwendung kommen, wird Ende August im freiburgerischen Greyerzerland vorgeführt und erklärt.

Demonstration Applikationstechniken Pflanzenschutz im steilen Grünland

Am 26.08.26 von 19:00-21:00 Uhr findet die Flurbegehung «Demo von PMS-Applikationstechniken im Grünland» statt. Hier werden der Einsatz von Agrardrohnen und des Rumex-Spritzbalkens vorgeführt.

Fachpersonen vor Ort beantworten Fragen rund ums Thema Flächenbehandlungen (selektiv/total) mit neuen Applikationstechniken im Grünland.
Treffpunkt: Abländschenstrasse 54a, 1656 Jaun (FR).
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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