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Biobetrieb Tobias Burren: Fruchtfolge und moderne Techniken für nachhaltigen Ackerbau

Tobias Burren aus Niederbottigen BE wagt den Blick nach vorn: Auf seinem viehlosen Biobetrieb probiert er mutig neue Techniken wie Drohnensaat und KI-gesteuerte Hackgeräte aus. In seiner weiten Fruchtfolge ist noch viel Platz zum Ausprobieren.

Kurz & bündig

- Weite Fruchtfolge mit vielen Leguminosen liefert Stickstoff, verbessert die Bodenstruktur und ersetzt im viehlosen Bio-System teilweise tierischen Dünger. - Moderne Technik wie Drohnensaat und KI-gesteuerte Hackgeräte helfen, arbeitsintensive Kulturen effizienter und präziser zu bewirtschaften. - Herausforderungen bleiben bestehen: Krähen verursachen grosse Schäden im Mais, und neue Kulturen wie Speisesoja bringen Unsicherheiten beim Absatz mit sich.

Einen viehlosen Biobetrieb zu führen, ist nicht einfach. «Ich muss an so einiges mehr denken als früher», sagt Tobias Burren, der auf rund 40 ha Ackerbau und Saatgutproduktion betreibt. Er führt eine weite Fruchtfolge mit vielen Zwischenkulturen. Im ersten und zweiten Jahr wachsen Luzerne oder Rotklee. Diese Leguminosen binden Stickstoff und legen die Basis für die Folgejahre. Danach folgt Winterweizen, bevor mit Ackerbohnen erneut eine Leguminosenkultur den Boden anreichert. Nach einer weiteren Gründüngung werden im fünften Jahr Zuckerrüben angebaut. Körnermais folgt im sechsten Jahr, danach Soja und schliesslich Dinkel. Mit dieser weiten Fruchtfolge verfolgt Burren vier Hauptziele:

  1. Nährstoffkreislauf schliessen – Stickstoff durch Leguminosen (Luzerne, Klee, Ackerbohnen, Soja) binden und den Boden für Folgekulturen anreichern.
  2. Boden gesund halten und Humus aufbauen – durch tiefwurzelnde Kulturen wie Luzerne die Bodenstruktur verbessern und die Wasserhaltekapazität steigern.
  3. Wirtschaftliche Marktnischen erschliessen – Nebenprodukte wie Strukturballen und Bio-Saatgut vermarkten, um zusätzliche Einnahmequellen zu schaffen.
  4. Unkraut und Schädlinge natürlich regulieren – durch Fruchtfolge und mechanische Methoden (Striegeln, Hacken) Problemunkräuter unterdrücken.

Doch so eine weite Fruchtfolge hat ihre Tücken. Tobias Burren setzt auf innovative Techniken, lässt sich Spielraum zum Ausprobieren und hat deshalb schon so einiges gelernt.

Biobetrieb Tobias Burren: Fruchtfolge und moderne Techniken für nachhaltigen Ackerbau

Bodenbearbeitung: So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Der Grundsatz auf dem Betrieb lautet, den Boden möglichst wenig zu stören. Nach Luzerne oder Rotklee erfolgt der Umbruch im Herbst meist mit Schälfräse oder Flachgrubber. Der Pflug kommt nur dann zum Einsatz, wenn der Unkrautdruck zu hoch ist oder Pflanzenbestände ungenügend abgestorben sind.

Gerade im Biolandbau ist diese Abwägung zentral: Einerseits soll die Bodenstruktur geschont werden, andererseits braucht es klare Eingriffe, wenn das System aus dem Gleichgewicht gerät.

Gründüngung: Ölrettich als Allrounder

Nach dem Winterweizen kommt meist eine Gründüngung aus Ölrettich oder Hafer zum Einsatz. Diese Kulturen unterdrücken Unkraut, schützen den Boden vor Erosion und verbessern die Struktur im Untergrund.

Die Auswahl ist dabei nicht zufällig: Durch den Wechsel der Pflanzenfamilien soll auch der sogenannten «Leguminosen-Müdigkeit» vorgebeugt werden, die zu Ertragseinbussen führen kann. Die Gründüngung ist damit nicht nur eine ökologische, sondern auch eine pflanzenbauliche Steuerungsgrösse.

Untersaat: Drohne sät aus der Luft

Besonders nach Ackerbohnen besteht auf dem Betrieb die Gefahr der Spätverunkrautung. Um dem entgegenzuwirken, setzt Tobias Burren auf eine Untersaat, die während des dritten Striegelgangs per Drohne ausgebracht wird.

Wenn die Bedingungen stimmen, entwickelt sich daraus eine Zwischenbegrünung, die bis in den Herbst stehen bleibt. Der grosse Vorteil liegt in der Befahrbarkeit: Viele Flächen wären im Frühsommer mit Maschinen kaum zugänglich.

Biobetrieb Tobias Burren: Fruchtfolge und moderne Techniken für nachhaltigen Ackerbau

«Ohne Drohne wäre das in dieser Form nicht machbar»

Tobias Burren, Niederbottigen BE

Nach ersten Versuchen habe sich die Methode inzwischen im Betrieb etabliert.

Neben solchen innovativen Anbauverfahren hält auch die moderne Mechanisierung zunehmend Einzug in den Zuckerrübenanbau und eröffnet neue Möglichkeiten für eine präzisere und effizientere Bewirtschaftung.

Zuckerrüben: Mechanisierung als Gamechanger

Zuckerrüben gehören zu den anspruchsvollsten Kulturen im Betrieb. In der Saison 2026 wurde deshalb ein direkter Vergleich angelegt: Auf 1,6 Hektaren wurden Rüben gesät, auf 1,2 Hektaren gepflanzt.

Der Unterschied bei Vegetationsbeginn zeigte sich deutlich. Die Saatvariante erwies sich als wirtschaftlicher, brachte jedoch höhere Risiken bei ungünstigen Bedingungen. Die Pflanzung war zwar stabiler, erforderte aber erheblich mehr Arbeitsaufwand.

Das KI-gesteuerte Hackgerät erkennt die Unkräuter autonom und hackt gezielt auch in den Reihen.
Das KI-gesteuerte Hackgerät erkennt die Unkräuter autonom und hackt gezielt auch in den Reihen.

Während der Pflanzung waren zeitweise bis zu acht Personen gleichzeitig im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Für Burren ist klar: Der entscheidende Fortschritt muss künftig über die Mechanisierung kommen.

Ein zentraler Entwicklungsschritt bei Zuckerrübenanbau ist der Einsatz eines KI-gestützten In-Row-Hackgeräts von Ullmanna. Dieses ermöglicht ab dem 2- bis 4-Blatt-Stadium eine präzise mechanische Unkrautregulierung zwischen den Pflanzenreihen.Der potenzielle Vorteil ist erheblich: Bis zu 80 Prozent der Arbeitszeit könnten dadurch eingespart werden. Ergänzend kommen später Fingerhacke und Striegel zum Einsatz, um den Unkrautdruck weiter zu reduzieren.

Mais: Der Kampf gegen die Krähen

Mais ist grundsätzlich eine gut geeignete Hackkultur, im stadtnahen Raum jedoch zunehmend problematisch. In den letzten drei Jahren kam es wiederholt zu massiven Schäden durch Krähen, welche die Saat aus dem Boden pickten. In diesem Jahr musste auf rund 5,6 Hektaren nachgesät werden. Der Betrieb hat verschiedene Methoden ausprobiert, darunter akustische Vergrämung mit Kanonen und häufige Wechsel der Abschreckungssysteme. Doch die Tiere gewöhnen sich rasch an neue Reize.

Eine mögliche Lösung könnte eine tiefere Saatablage sein. Ob dies ausreicht, bleibt offen. Mittelfristig stellt sich jedoch die Frage, ob Mais unter diesen Bedingungen überhaupt noch sinnvoll ist.

Soja: Die neue Kultur mit Potenzial

Seit Kurzem baut der Betrieb Speisesoja an. Als Leguminose passt die Kultur gut ins System, da sie ebenfalls zur Stickstoffbindung beiträgt, wenn auch in geringerem Ausmass als andere Arten.

Soja gilt als eher extensive Kultur und fügt sich gut in die Fruchtfolge ein. Die grösste Unsicherheit liegt derzeit jedoch im Absatz: Da der Betrieb noch relativ neu im Bio-Segment ist, bestehen noch keine langfristig gesicherten Abnehmerstrukturen.

Was sich bewährt und was sich ändern wird

Die Kombination aus moderner Technik und weiter Fruchtfolge hat sich bewährt. Drohnensaat und KI-gestützte Systeme ermöglichen eine effiziente Bewirtschaftung intensiver Kulturen. Leguminosen liefern Stickstoff, stabilisieren den Boden und ersetzen im viehlosen System teilweise tierischen Dünger.

Der starke Krähenbefall macht den Maisanbau zunehmend unsicher, und bei Zwischenkulturen sowie der Krankheitsregulierung sind noch Fragen offen. Nach Zuckerrüben und vor Mais fehlt weiterhin eine geeignete Zwischenkultur, da Getreide wegen der Vermehrung der Glasflügelzikade ausscheidet. Zudem prüft Tobias Burren eine Erweiterung der Fruchtfolge mit Saatkartoffeln.

Für die Zukunft gilt es, das System weiter auszubalancieren. Zwischen Winter- und Sommerkulturen, Bodenruhe und gezielter Bearbeitung sowie ökologischer und wirtschaftlicher Stabilität.

Betriebsspiegel der Familie Burren

Tobias Burren, Niederbottigen BE
Bewirtschaftung: biologisch
LN: 40 ha
Kulturen: Luzerne (rein), Rotklee (Saatgutproduktion), Winterweizen, Ackerbohnen, Zuckerrüben, Körnermais, Speisesoja, Dinkel
Tierbestand: keine
Weitere Betriebszweige: Metallbau im Nebenerwerb und Schadensexperte für landwirtschaftliche Kulturen
Arbeitskräfte: Teilzeitarbeitskraft