Durchatmen und sich freuen: Das dürfen die LandwirtInnen, wenn sie auf die Ernte 2025 zurückblicken. Nach dem extrem schwierigen Jahr 2024 war die aktuelle Ernte erfreulich und übertraf die Erwartungen leicht.
Doch wie entstehen überhaupt Ernteprognosen? Die Branchenorganisation Swisspatat organisiert und koordiniert um den 20. August herum jeweils eine Ertragserhebung. Dabei werden schweizweit rund 1000 Kartoffelmuster von unterschiedlichen Feldern ausgewertet (jeweils 2 × 2,5 Laufmeter einer Furche). Die Auswertung erfolgt dezentral in sieben Regionen, ausgeführt von Akteuren aus der Branche. An allen sieben Standorten sind jeweils Vertreter von Produktion, Handel, Industrie und Behörden/Forschung dabei. Die Daten fliessen bei Swisspatat zusammen, es folgt eine Auswertung und eine Hochrechnung pro Hauptsorte.
Das ist für die ProduzentInnen wichtig: «Die Ergebnisse der Ertragserhebung bei den Speisekartoffeln haben auch eine Auswirkung auf die Preise», sagt Swisspatat-Geschäftsführer Christian Bucher. Bei den Speisekartoffeln werden die Preise, ausgehend von einem mittleren Preisband, aufgrund von Angebot und Nachfrage berechnet. Die Angaben zum Angebot stammen aus der Ertragserhebung.
Drei Proberodungen auf 40 Parzellen bei den Zuckerrüben
Bei den Zuckerrüben sind es 40 Parzellen, die im Abstand von 30 Tagen dreimal beprobt werden, erklärt Raphael Wild von Schweizer Zucker. Anhand dieser Proberodungen und der Zahlen aus der Vergangenheit erstellt dann die Schweizer Zucker AG ein Mengengerüst. Das legt die Grundlage für die Kampagnenplanung. 2025 hat die Schweizer Zucker AG zudem mit einem Spin-off (Ableger) der ETH versucht, eine Ernteprognose anhand von Satellitenbildern zu erstellen.
Für die ProduzentInnen bedeutet dies, dass sie sich die ungefähre Ernte und das daraus resultierende Rübengeld vorstellen können. Nach jeder Proberodung gibt es eine Mitteilung an die ProduzentInnen samt Erläuterungen, wie der Zuckergehalt und Empfehlungen zu Ernte oder Schädlingsbekämpfung sind.
Drei Schätzungen bei Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen
Die Ernteprognosen für Getreide, Ölsaaten und Eiweisspflanzen erstellt Agristat SBV im Auftrag von Swiss Granum. Swiss-Granum-Direktor Stephan Scheuner erklärt, dass die Abschätzungen der Erntemengen auf der Rechnung «Fläche × durchschnittlicher Ertrag = geschätzte Erntemenge» beruhten.
Swiss Granum lässt jährlich drei Schätzungen erstellen. Die erste erfolgt Ende Februar. Sie beinhaltet eine Prognose der Flächen und eine Schätzung des Ertragspotenzials mit durchschnittlichen Erträgen. Dafür nutzt Agristat fünf Parameter und Informationsquellen:
- Verkäufe von feldbesichtigtem und anerkanntem Saatgetreide (Swisssem).
- Saatgutimporte gemäss Aussenhandelsstatistik.
- Mitberücksichtigt werden die vom Schweizerischen Getreideproduzentenverband vorgenommenen Zuteilungen von Ölsaatenkontingenten; die klimatischen Bedingungen zum Saatzeitpunkt; weitere Informationen zu den Saatgutverkäufen im Handel; Saatgutrestposten aus dem Vorjahr.
- Seit 2020 werden die Daten der Bio-Landwirtschaft mit einbezogen, da die Bedeutung der Bio-Produktion in den letzten Jahren zugenommen hat.
- Die provisorischen Flächendaten des Vorjahres (ohne Bio-Flächen) werden jeweils im Januar durch das Bundesamt für Statistik publiziert und liefern eine gute Ausgangsbasis für die Schätzung.
Bei der zweiten Schätzung Ende Mai kommen zusätzlich die Saatgutverkäufe von Sommergetreide sowie die definitive Flächenstatistik des Vorjahres des Bundesamtes für Statistik zur Anwendung.
Bei der dritten Schätzung (Mitte/Ende August) erfolgt nur noch eine Schätzung der Flächen und der Ernte von Körnermais. Bei den Schätzungen werden die durchschnittlichen ÖLN- und Bio-Erträge der Vorjahre (Mehrjahresdurchschnitt) verwendet. Extremjahre wie 2024 werden im Regelfall ausgeschlossen.
Scheuner sagt, dass die Ernteprognosen eine Dienstleistung für die Marktpartner seien. Für diese sind die Prognosen die Grundlage für ihre individuellen Tätigkeiten und sie dienen als Basis für die Diskussionen in der Branche.
Für die Lager sind die Marktakteure zuständig
Stephan Scheuner von Swiss Granum betont genau wie Christian Bucher von Swisspatat, dass die Lagerung der Ernte in der Verantwortung der Marktakteure liege. Christian Bucher sagt: «Die normale Lagerkapazität ist nicht auf Grossernten ausgelegt, welche deutlich über die vereinbarten Mengen hinausgehen.» Er erklärt, dass die Branchenakteure pragmatische Lösungen fänden, etwa mit Zelthallen oder damit, dass normale Lagerhallen zu Kartoffellagern umgenutzt würden.
Scheuner erläutert, dass die Sammelstellen mit ihren Lagerkapazitäten durch verschiedene Faktoren herausgefordert sind. «Neben den verschiedenen Ackerkulturen und Qualitäten hat vielfach auch das Wetter einen Einfluss auf die Mengen oder Qualitäten der Ernte.»
Beim Zucker (nicht bei den Rüben) ist die Lagerung etwas einfacher, sagt Raphael Wild: «In der Regel reichen die Lager aus. In extremen Fällen könnte Zucker auch bei Dritten ausgelagert werden.»
Erste Schätzungen: 2025 war ein gutes Landwirtschaftsjahr
Der Produktionswert (Wert der produzierten Waren und Dienstleistungen) des Pflanzenbaus steigt im Jahr 2025 gegenüber 2024 um 8,3 % auf 4,4 Milliarden Franken an – so schätzt das Bundesamt für Statistik (BfS) in seiner Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung von November 2025 die Lage ein. Das Wetter hat den LandwirtInnen in die Karten gespielt. Zwar gab es Hitzewellen im Juni und August. Diese wurden von einem eher kühlen und niederschlagsreichen Juli unterbrochen, was insgesamt günstige Bedingungen für die Feldarbeit von der Saat bis zur Ernte schaffte. Ausreichende Regenfälle förderten das Wachstum des Graslandes in höheren Lagen. Euphorie ist aber nicht angebracht: Die starke Zunahme beim Produktionswert Pflanzenbau 2025 ist auf die schlechten Ernten des Vorjahres zurückzuführen. Der Getreideproduktion 2025 steigt im Vergleich zur dürftigen Ernte des Jahres 2024 um 47,4 % an. Gemäss ersten Schätzungen erreicht der durchschnittliche Ertrag pro Hektare damit erneut das Niveau von 2017 bis 2020. Die Getreidefläche, die mehrere Jahre in Folge geschrumpft ist, nimmt gegenüber dem Vorjahr ebenfalls zu. Auch für die meisten anderen Kulturen herrschten günstige Wetterbedingungen: Insbesondere steigt der Produktionswert von Handelsgewächsen wie Zuckerrüben und Raps (+11,8 %) sowie von Kartoffeln (+10,5 %), Gemüse (+6,8 %) und Futterpflanzen (+5,9 %).

