Kurz & bündig
- Die Fruchtfolge ist konsequent auf die Futterversorgung der 80 Milchkühe ausgerichtet und nutzt das milde Klima der Magadino-Ebene für zwei Hauptkulturen pro Jahr.
- Nebst dem Heu bilden Italienisches Raigras, Luzerne und Mais die Grundlage der Futterproduktion. Zwischen den Hauptkulturen sorgt eine Gründüngung für einen möglichst ganzjährig bedeckten Boden.
- Statt das Erdmandelgras direkt zu bekämpfen, setzt der Betrieb auf konkurrenzstarke Kulturen, enge Reihenabstände und eine angepasste Fruchtfolge.
Wer ans Tessin denkt, denkt an Ferien, Palmen und den Lago Maggiore, kaum aber an intensive Fruchtfolgen. Dabei bietet das milde Klima ideale Voraussetzungen für den Ackerbau. In der Magadino-Ebene nutzt die Masseria Ramello (ehem. Gutshof Ramello) diesen Standortvorteil konsequent: Auf vielen Flächen wachsen jedes Jahr zwei Hauptkulturen.
Mit rund 90 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche, 80 Milchkühen und 120 Zuchtsauen zählt der Betrieb zu den grösseren Biobetrieben im Tessin. Der Pflanzenbau ist konsequent auf die Milchproduktion ausgerichtet. Italienisches Raigras, Luzerne, Silomais und Heu bilden die Grundlage der Fütterung, während Kraftfutter im Biolandbau nur eine untergeordnete Rolle spielt. Entsprechend wichtig ist eine hohe Grundfutterleistung von der eigenen Fläche.
Zwei Hauptkulturen auf derselben Fläche
Die Fruchtfolge beginnt mit Mais, gefolgt von Winterweizen. Nach der Getreideernte Mitte Juni wird eine Gründüngung angesät, bevor Ende August Italienisches Raigras folgt. Nach dessen Nutzung über den Winter und Frühling steht Mitte Mai erneut Mais auf der Fläche. Danach folgen je nach Jahr Futtergerste oder Braugerste sowie Soja oder Kartoffeln, bevor die Fruchtfolge wieder von vorne beginnt. Luzerne wird separat während drei Jahren in Reinkultur angebaut und die Fläche anschliessend in die Hauptfruchtfolge überführt.
Das Besondere an diesem System ist die lange Vegetationsperiode der Magadino-Ebene. Während in vielen Regionen nach der Getreideernte lediglich eine Zwischenkultur möglich ist, nutzt der Betrieb die verbleibende Vegetationszeit häufig für eine zweite Hauptkultur. So kann beispielsweise nach einer Gersten-Erbsen-Mischung Ende Juni nochmals Silomais angebaut werden. Selbst eine frühe Maissorte reift unter diesen Bedingungen zuverlässig aus.
Gleichzeitig bleibt der Betriebsleiter flexibel. Kartoffelkontingente oder die Wahl der Maissorten beeinflussen die Schlagplanung jedes Jahr. «Fix ist eigentlich nur, dass Mais jedes zweite Jahr auf dem Feld steht», so Adrian Feitknecht. Alles andere werde den jeweiligen Bedingungen angepasst.
Raigras statt Brache
Eine zentrale Rolle im Futterbausystem spielt das Italienische Raigras. Gesät wird es jeweils Ende August, nachdem die Gründüngung terminiert wurde. Der Betriebsleiter setzt bewusst auf Reinkultur. Andere Mischpartner, wie Rotklee, würden sich in der kurzen Nutzungsdauer nicht genügend entwickeln und würden durch die Düngung mit Biogasgärresten zusätzlich konkurrenziert. Das Raigras hingegen nutzt die milden Winter der Magadino-Ebene optimal aus und liefert bereits früh hohe Erträge.
Je nach Witterung erfolgt im Herbst ein Reinigungsschnitt, häufig gleichzeitig mit der Maissilage. Beide Futtermittel werden schichtweise im Fahrsilo eingelagert. In besonders extremen Jahren ist sogar noch Anfang Dezember eine Nutzung möglich. Im Frühjahr folgen zwei weitere Schnitte, bevor der Bestand möglichst flach mit einem Präzisionsgrubber umgebrochen und anschliessend Mais gesät wird.

Magadino-Ebene – Landwirtschaft im milden Klima
Die Magadino-Ebene (Piano di Magadino) ist das wichtigste Landwirtschaftsgebiet des Tessins. Bis ins 19. Jahrhundert war sie ein ausgedehntes Sumpfgebiet, das regelmässig vom Ticino überschwemmt wurde. Die zahlreichen stehenden Gewässer boten ideale Brutstätten für Malaria übertragende Stechmücken und machten die Ebene zu einem gesundheitlich belasteten Lebensraum. Erst die Trockenlegung und Flusskorrekturen Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts verwandelten das Gebiet in fruchtbares Kulturland.
Heute prägt das vom Mittelmeerraum beeinflusste Klima die Landwirtschaft der Magadino-Ebene. Milde Winter und warme Sommer sorgen für eine Vegetationsperiode von über 280 Tagen. Sie ist damit rund 30 Tage länger als im Schweizer Mittelland und schafft ideale Bedingungen für den Gemüsebau und andere wärmeliebende Kulturen. Fruchtbare Schwemmböden des Ticino sowie ein dichtes Bewässerungs- und Entwässerungsnetz bieten zusätzlich beste Voraussetzungen für eine intensive landwirtschaftliche Nutzung.
Quelle: Meteo Schweiz
Gründüngung verbindet die Hauptkulturen
Zwischen Getreide und Raigras steht auf dem Betrieb praktisch immer eine Gründüngung. Bis vor wenigen Jahren wurden die Mischungen selbst zusammengestellt, heute kommen Standardmischungen wie Steffen Terrafit sec oder UFA Express mit Sorghum, Guizotia, Buchweizen und Phacelia zum Einsatz. Entscheidend ist für den Betriebsleiter, dass sich die Bestände mit möglichst geringer Bodenbearbeitung etablieren lassen.
Die Gründüngung schützt den Boden während der Sommermonate vor Austrocknung, bindet Nährstoffe und vermindert die Erosionsgefahr. Gleichzeitig schafft sie günstige Bedingungen für die Saat des Italienischen Raigrases. Ohne diese Zwischenbegrünung sei eine erfolgreiche Etablierung kaum möglich. «Direkt nach der Getreideernte ist es meist zu heiss oder in regenreichen Jahren zu nass für das Raigras», erklärt Adrian Feitknecht. Bei Futterknappheit wird die Gründüngung siliert und verfüttert, auch wenn ihr Futterwert begrenzt ist.
Möglichst wenig Boden bewegen
Die Bodenbearbeitung beschränkt sich auf das Nötigste. Nach der Ernte erfolgt eine flache Stoppelbearbeitung mit einem Präzisionsgrubber, anschliessend wird mit der Kurzscheibenegge gesät. Auch das Raigras wird ohne intensive Bodenbearbeitung etabliert. Der Pflug kommt erst nach dem zweiten Raigrasschnitt zum Einsatz und wird möglichst flach geführt.
Diese Strategie passt zu den Standortbedingungen. Obwohl die Magadino-Ebene eine ehemalige Schwemmlandschaft ist, bestehen viele Böden aus einem hohen Sandanteil. Teilweise liegt dieser bei bis zu 70 Prozent. Intensive Bodenbearbeitung würde die ohnehin leichten Böden zusätzlich austrocknen.
Erdmandelgras bestimmt die Fruchtfolge
Die grösste pflanzenbauliche Herausforderung ist das Erdmandelgras. Fast der gesamte Betrieb ist heute davon betroffen. Der Betriebsleiter vermutet, dass es vor Jahren mit Bodenbearbeitungsmaschinen eingeschleppt wurde. Zahlreiche Bekämpfungsversuche brachten jedoch keinen ausreichenden Erfolg. Deshalb verfolgt der Betrieb heute eine andere Strategie: «Die Kulturen müssen dem Erdmandelgras einfach davonwachsen», fasst Adrian Feitknecht zusammen.

Entscheidend dafür sind konkurrenzstarke Kulturen und ein möglichst ganzjährig bedeckter Boden. Jede unbewachsene Phase verschafft dem Erdmandelgras einen Vorteil. Auch deshalb wird Mais zunehmend mit einem Reihenabstand von 50 Zentimetern angebaut. Die Reihen schliessen schneller, der Boden wird früher beschattet und der Hackaufwand sinkt. Nach einmaligem Striegeln und zwei Hackdurchgängen sollte der Bestand sauber sein. Zusätzliche Überfahrten seien wirtschaftlich kaum mehr sinnvoll.
Flexibilität trotz klarer Fruchtfolge
Obwohl Mais den festen Bestandteil der Fruchtfolge bildet, bleibt der Betriebsleiter bei den übrigen Kulturen flexibel. Nach dem zweiten Mais folgen meist Winterweizen oder Gerste, teilweise auch Soja. Welche Kultur letztlich angebaut wird, hängt unter anderem von der Reifegruppe der Maissorte, den Vermarktungsmöglichkeiten und den betrieblichen Anforderungen ab.
Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Kartoffeln. Ihre Anbaufläche wird von den Abnehmern vorgegeben und verändert sich von Jahr zu Jahr. Während 2025 noch rund acht Hektaren Kartoffeln angebaut wurden, waren es 2026 lediglich drei Hektaren. Da diese Vorgaben meist erst im Herbst bekannt werden, bleibt nur wenig Zeit, die Schlagplanung anzupassen. Angebaut werden überwiegend Frühkartoffeln. Nach der Ernte sorgen eine Zwischenbegrünung oder Luzerne dafür, dass der Boden möglichst rasch wieder bedeckt ist.
Auch Soja fügt sich gut in dieses System ein. Der Betriebsleiter baut sie bevorzugt als zweite Hauptkultur an. Nach der Gerstenernte kann sie noch im selben Jahr gesät und meist im Oktober geerntet werden. Im Jahr 2026 erfolgte die Saat am 22. Juni. Bereits einen Monat später hatten die Bestände die Reihen beinahe geschlossen.
Futterproduktion steht im Mittelpunkt
Die intensive Fruchtfolge verfolgt in erster Linie ein Ziel: möglichst viel hochwertiges Grundfutter auf der eigenen Fläche zu produzieren. Auf rund 15 Hektaren werden nacheinander Italienisches Raigras und Mais angebaut. Ergänzt wird dieses System durch rund zehn Hektaren Luzerne. Zusammen bildet diese Futterbasis die Grundlage für die Versorgung der 80 Milchkühe. Für die eigentliche Milchproduktion werden jährlich rund sieben Hektaren Silomais benötigt. Überschüssiger Mais wird als Siloballen verkauft oder als Körnermais geerntet.

Die Gerste dient je nach Jahr unterschiedlichen Zwecken. Ein Teil wird als Braugerste in der betriebseigenen Mälzerei verarbeitet, in anderen Jahren wird eine Mischung aus Futtergerste und Eiweisserbsen angebaut. Verwendet wird die zweizeilige Sorte Monroe, die sich unter den Bedingungen der Magadino-Ebene bewährt hat. Gleichzeitig bleibt der Betrieb offen für neue Kulturen. Im Jahr 2026 wurden beispielsweise auf 1,5 Hektaren Lupinen angebaut.
Der Schlüssel liegt im System
Die Fruchtfolge auf dem Betrieb zeigt, wie sich das milde Klima der Magadino-Ebene gezielt nutzen lässt. Zwei Hauptkulturen pro Jahr, möglichst ganzjährig begrünte Böden und eine konsequent auf die Futterproduktion ausgerichtete Bewirtschaftung ermöglichen eine hohe Flächenleistung. Gleichzeitig dienen Gründüngungen und konkurrenzstarke Kulturen dazu, den Boden zu schützen und den Druck durch das Erdmandelgras zu begrenzen.
Nicht einzelne Massnahmen machen den Erfolg aus, sondern ihr Zusammenspiel. Fruchtfolge, Bodenbearbeitung und Futterbau greifen ineinander und werden laufend an die Standortbedingungen angepasst. Gerade in der zunehmend trockenen Magadino-Ebene ist diese Flexibilität der Schlüssel zu einer produktiven und resilienten Bewirtschaftung.

Betriebsspiegel
der Masseria Ramello
Adrian und Olaya Feitknecht, Cadenazzo TI
LN: 90 ha Bio
Kulturen: Silo- und Körnermais, Winterweizen, Ital. Raigras (rein), Futter- und Braugerste, Soja, Eiweisserbsen, Luzerne (rein), Kartoffeln
Tierbestand: 80 Milchkühe, 120 Zuchtsauen
Weitere Betriebszweige: Eigene Molkerei mit Direktvermarktung an Migros und Coop, Mälzerei sowie Agrotourismus mit Gästezimmern und Hochzeiten.
Arbeitskräfte: Adrian und Olaya Feitknecht, vier Vollzeitangestellte, Lehrnender
www.diegruene.ch/masseriaramello

