Um die geeignete Winterweizensorte zu wählen, muss zuerst überlegt werden, welches Anbausystem für den Betrieb passend ist. So eignet sich zum Beispiel nicht jede Sorte für einen Herbizidverzicht. Einige Sorten benötigen viel Stickstoff, um ihre Stärken auszuspielen, und eignen sich daher weniger für einen Extenso-Anbau.
Auf Herbizide verzichten
Auf Parzellen ohne Problemunkräuter lässt sich das Beikraut bei Winterweizen gut mechanisch bekämpfen. In der Regel wird dazu der Striegel eingesetzt. Bei einer sehr unkrautarmen Parzelle und einem dicht deckenden Weizenbestand kann die Unkrautbekämpfung auch mal ausfallen, muss dafür aber meist in der Folgekultur nachgeholt werden.
Für den Herbizidverzicht von der Saat bis zur Ernte werden über das Ressourceneffizienzprogramm des Bundes Beiträge von Fr. 250.–/ha vergütet. Wird der Herbizidverzicht mit einer reduzierten Bodenbearbeitung kombiniert, werden dafür sogar insgesamt Fr. 450.–/ha vergütet – diese Bewirtschaftungsweise muss jedoch von der Ernte der Vorkultur bis zur Ernte der Hauptkultur beibehalten werden.
Im Gegensatz zum «einfachen» Herbizidverzicht ist dabei eine chemische Stoppelbehandlung vor der Weizensaat nicht mehr möglich. Die mechanische Unkrautbekämpfung nach einer reduzierten Grundbodenbearbeitung ist sicherlich anspruchsvoller: Einerseits kann der Striegel etablierte Unkräuter wie Disteln, Winden aber auch Löwenzahn kaum bekämpfen, auf der anderen Seite kann er auch leicht verstopfen. Eine Möglichkeit würde hier darin bestehen, in weiten Reihen zu säen und zu hacken.
Welche Sorte wählen?
Während eine Sorte für den Extenso-Anbau vor allem standfest und krankheitstolerant sein muss (z. B. Nara, Montalbano), spielen für den herbizidlosen Anbau noch andere Faktoren eine Rolle:
- Eine schnelle Bodenbedeckung lässt dem Unkraut im Herbst wenig Platz zum Keimen.
- Ein genügend langer Halm verhindert eine spätere Verunkrautung.
- Eher grosse, flachstehende Blätter beschatten den Boden besser.
Zu den Blatteigenschaften finden sich leider bisher keine Angaben in den Sortenlisten. Angaben zur Bodenbedeckung sind nur in der Bio-Sortenliste zu finden.
Molinera zeichnet sich durch eine sehr gute Bodenbedeckung aus und ist daher, trotz eher kurzem Halm, eine interessante Sorte. Eher schwach ist sie jedoch beim Ertrag und der Resistenz gegen Braunrost und Septoria. Montalbano weist einen eher längeren Halm und eine bessere Krankheitsresistenz auf, es liegen jedoch keine Angaben zur Bodenbedeckung vor. Von der Standfestigkeit und der Krankheitsanfälligkeit sehr ähnlich wie Montalbano ist die Sorte Baretta mit einer guten Bodenbedeckung, aber leider einer höheren Anfälligkeit für Auswuchs. Die unter Extenso-Bedingungen wegen der Ertragsstärke sehr beliebte Sorte Nara eignet sich aufgrund der sehr kurzen Halme eher weniger für den Herbizidverzicht.
Die Vermarktung
Neben den agronomischen Eigenschaften spielen natürlich auch die Vermarkungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle. So sollte bei der abnehmenden Mühle nachgefragt werden, ob die entsprechende Sorte auch abgenommen wird. Während IP-Suisse für den herbizidlosen Anbau noch eine zusätzliche Prämie ausbezahlt, gilt für diesen Vermarktungskanal auch die Anforderung, dass das Saatgut ungebeizt sein muss. Die Sortenwahl ist eingeschränkt.

