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Vernetzung auf 3600 Hektaren

Das Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsprojekt Rapperswil-Jona und Eschenbach im Kanton St. Gallen ist eine Erfolgsgeschichte. 176 Betriebe haben im 3600 ha grossen Projektperimeter 625 ha BFF geschaffen. Die Bereitschaft der Bauern, hier mitzumachen, ist gross, denn die Trägerschaft besteht aus Landwirten der Region.

2015, an der ersten Versammlung des Landschaftsqualitätsprojektes Rapperswil-Jona und Eschenbach gingen die Emotionen durch die Decke. Die aufgebrachten Landwirte mussten mehrmals um Ruhe gebeten werden, damit die Referenten überhaupt verstanden wurden. Nun ist es ruhig im Saal, als die Erfolge des Projektes Mitte Januar 2023 in Eschenbach vorgestellt wurden. Zustimmendes Nicken, Applaus für die geleistete Arbeit, Fragen gab es ­keine. Landwirte, Gemeinde, Trägerschaft und Planer sind zufrieden und niemand schien mehr an den fragwürdigen Beginn vor acht Jahren zurück zu denken.

Positive Entwicklung dank engagiertem Vorstand

Was ist seither passiert? Der engagierte Vorstand war und ist ein wichtiges Signal für die Landwirte. Sie wissen, dass sie kompetente Ansprechpartner haben, die ihre Sprache sprechen. Sie können Befürchtungen ohne Hemmungen auf den Tisch legen, und wenn es Probleme gibt, werden zusammen Lösungen erarbeitet.

Vernetzung auf 3600 Hektaren
Die Trägerschaft (v.l.n.r): Peter Lanz, Miriam Mauchle, Peter Blöchlinger, Ro-man Rüegg, Martin Krucker, Andreas Büeler, Geni Widrig und Andreas Kind-limann

Schon im zweiten Projektjahr der achtjährigen Laufzeit wurde das Ziel, dass mindestens zwei Drittel der Landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) integriert sein müssen, erreicht.

Das Projekt in Zahlen

3600ha LN umfasst das Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsprojekt Rapperswil-Jona/Eschenbach. Davon sind 625ha Biodiversitäts­förderflächen (BFF), was 17Prozent der LN entspricht. 176 von 218 direktzahlungsberechtigten Betrieben aus 5Kantonen beteiligen sich am Projekt. 43Prozent der BFF erreichen Qualitätsstufe II, 79Prozent gelten als ökologisch wertvoll.

Das Projektbudget des Kantons St. Gallen konnte jährlich fast komplett an die beteiligten Landwirte ausgezahlt werden. Und auch die Finanzen der Trägerschaft dürfen sich sehen lassen. Aus diesen Gründen hat man beschlossen, das Projekt bis 2025 zu verlängern. Geni Widrig, Landschaftsarchitekt von Suisseplan, begleitet eines der grössten LQ-Projekte des Kantons St. Gallen und findet nur lobende Worte.

«Ich bin stolz auf die Entwicklung und die gute Zusammenarbeit mit Gemeinden und Trägerschaft. Die Landwirte sind motiviert und beteiligen sich aktiv.»

Geni Widrig, Landschaftsarchitekt Suisseplan

Austausch unter Berufskollegen

Die Trägerschaft besteht aus Landwirten der Region, welche sich mit viel Herzblut für das Projekt einsetzen. Andreas Büeler, Präsident des LQ- und Vernetzungsprojektes, erläutert: «Wenn wir unseren Berufskollegen neue Elemente erklären, dann wissen wir, was das auch aus arbeitstechnischer Sicht bedeutet.» Beispielsweise biete eine Hecke Wildtieren zusätzlichen Schutz, gleichzeitig beeinträchtige sie den Maschineneinsatz.

Die Landwirte legten auf ihren Betrieben zusätzliche extensive Flächen an, pflanzten einheimische Feldbäume, Wildrosen und Hochstamm-Obstbäume. Sie bauten Holzlattenzäune und restaurierten Brunnen. Doch nur mit dem Erstellen oder Pflanzen ist die Arbeit nicht beendet, die verschiedenen Elemente benötigen regelmässige Pflege.

Vernetzung auf 3600 Hektaren
Im Herbst 2022 wurden die angelegten Kleinstgewässer kontrolliert und ausgebaggert

So wurden im letzten Herbst die neu angelegten Kleinstgewässer kontrolliert und wo nötig ausgebaggert. Um auch das Siedlungsgebiet aufzuwerten, wurden von den Landwirten Nistkästen für seltene Vogelarten in den Gemeinden verteilt. Dies wurde sehr geschätzt und es entstanden wertvolle Gespräche mit der nichtbäuerlichen Bevölkerung.

Eines der ältesten und grössten Projekte im Kanton

Der Startschuss für das Vernetzungsprojekt Rapperswil-Jona und Eschenbach fiel 2003 und ist mit 20 Jahren das älteste im Kanton. Eine besondere Herausforderung war es für Geni Widrig, die einzelnen Projekte der verschiedenen Gemeinden zu einem grossen Ganzen zu vereinen:

«Plötzlich hatten wir 36-mal mehr Fläche und mussten gemeinsame Nenner suchen.»

Geni Widrig zur Entwicklung des Projektperimeters

Dadurch konnten Ressourcen und Synergien gemeindeübergreifend effizienter genutzt werden.

Vernetzung auf 3600 Hektaren
Das LQ- und Vernetzungsprojekt erstreckt sich vom Zürichsee bis zur Alp Chrüzegg.

Die Arbeit hat sich gelohnt, das Vernetzungsprojekt startet nun in die vierte Vertragsperiode bis 2030. Sobald nun die regionale Landschaftsstrategie (RLS) des Bundes konkret ist, wird das laufende Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsprojekt eventuell zusammengeführt werden.

Nachgefragt bei Geni Widrig

[IMG 5] BauernZeitung: Was ist speziell für dieses Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsprojekt?Geni Widrig: Das Projekt erstreckt sich über alle Zonen, vom Tal über die Bergzonen I bis III bis zum Sömmerungsgebiet, und ist landwirtschaftlich sehr spannend. Die Landwirte im Tal stehen vor ganz anderen Herausforderungen als die Bergbauern. Auch die Vielfalt ist enorm, wir haben intensive Gemüsebauern, Rebflächen, Acker- und Futterbau und Alpen. Wie ist die Zusammenarbeit im Projekt? Sehr gut. Die Trägerschaft ist gut organisiert, informiert und setzt sich stark für die Anliegen ihrer Mitglieder ein. Mich braucht es erfreulich wenig. Es ist auch positiv, wie sich die beiden Gemeinden beteiligen. Nicht nur finanziell, sondern man spürt, dass ihnen wirklich etwas an der Aufwertung der Landschaft liegt. Wo gibt es noch Verbesserungspotenzial? Es wäre wünschenswert, in zusätzlichen 300 Hektaren die Qualitätsstufe II zu erreichen. Dafür ist es wichtig, dass die Ökoelemente am richtigen Standort angelegt, gut unterhalten und gepflegt werden. Lieber etwas weniger, dafür gute Qualität. Am wichtigsten ist, dass der Landwirt Freude hat an dem, was er macht.

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