2015, an der ersten Versammlung des Landschaftsqualitätsprojektes Rapperswil-Jona und Eschenbach gingen die Emotionen durch die Decke. Die aufgebrachten Landwirte mussten mehrmals um Ruhe gebeten werden, damit die Referenten überhaupt verstanden wurden. Nun ist es ruhig im Saal, als die Erfolge des Projektes Mitte Januar 2023 in Eschenbach vorgestellt wurden. Zustimmendes Nicken, Applaus für die geleistete Arbeit, Fragen gab es keine. Landwirte, Gemeinde, Trägerschaft und Planer sind zufrieden und niemand schien mehr an den fragwürdigen Beginn vor acht Jahren zurück zu denken.
Erhalten und Aufwerten: Nach anfänglicher Skepsis waren die Landwirte überzeugt
33 Projekte zur Erhaltung und Aufwertung von naturnahen Kulturlandschaften hat der Fonds Landschaft Schweiz (FLS) in den letzten Jahren in Ob- und Nidwalden unterstützt. Trotz anfänglicher Skepsis sei es gelungen, die Interessen aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen.Positive Entwicklung dank engagiertem Vorstand
Was ist seither passiert? Der engagierte Vorstand war und ist ein wichtiges Signal für die Landwirte. Sie wissen, dass sie kompetente Ansprechpartner haben, die ihre Sprache sprechen. Sie können Befürchtungen ohne Hemmungen auf den Tisch legen, und wenn es Probleme gibt, werden zusammen Lösungen erarbeitet.

Schon im zweiten Projektjahr der achtjährigen Laufzeit wurde das Ziel, dass mindestens zwei Drittel der Landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) integriert sein müssen, erreicht.
Das Projekt in Zahlen
3600ha LN umfasst das Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsprojekt Rapperswil-Jona/Eschenbach. Davon sind 625ha Biodiversitätsförderflächen (BFF), was 17Prozent der LN entspricht. 176 von 218 direktzahlungsberechtigten Betrieben aus 5Kantonen beteiligen sich am Projekt. 43Prozent der BFF erreichen Qualitätsstufe II, 79Prozent gelten als ökologisch wertvoll.
Das Projektbudget des Kantons St. Gallen konnte jährlich fast komplett an die beteiligten Landwirte ausgezahlt werden. Und auch die Finanzen der Trägerschaft dürfen sich sehen lassen. Aus diesen Gründen hat man beschlossen, das Projekt bis 2025 zu verlängern. Geni Widrig, Landschaftsarchitekt von Suisseplan, begleitet eines der grössten LQ-Projekte des Kantons St. Gallen und findet nur lobende Worte.
«Ich bin stolz auf die Entwicklung und die gute Zusammenarbeit mit Gemeinden und Trägerschaft. Die Landwirte sind motiviert und beteiligen sich aktiv.»
Geni Widrig, Landschaftsarchitekt Suisseplan
Austausch unter Berufskollegen
Die Trägerschaft besteht aus Landwirten der Region, welche sich mit viel Herzblut für das Projekt einsetzen. Andreas Büeler, Präsident des LQ- und Vernetzungsprojektes, erläutert: «Wenn wir unseren Berufskollegen neue Elemente erklären, dann wissen wir, was das auch aus arbeitstechnischer Sicht bedeutet.» Beispielsweise biete eine Hecke Wildtieren zusätzlichen Schutz, gleichzeitig beeinträchtige sie den Maschineneinsatz.
Die Landwirte legten auf ihren Betrieben zusätzliche extensive Flächen an, pflanzten einheimische Feldbäume, Wildrosen und Hochstamm-Obstbäume. Sie bauten Holzlattenzäune und restaurierten Brunnen. Doch nur mit dem Erstellen oder Pflanzen ist die Arbeit nicht beendet, die verschiedenen Elemente benötigen regelmässige Pflege.

So wurden im letzten Herbst die neu angelegten Kleinstgewässer kontrolliert und wo nötig ausgebaggert. Um auch das Siedlungsgebiet aufzuwerten, wurden von den Landwirten Nistkästen für seltene Vogelarten in den Gemeinden verteilt. Dies wurde sehr geschätzt und es entstanden wertvolle Gespräche mit der nichtbäuerlichen Bevölkerung.
Eines der ältesten und grössten Projekte im Kanton
Der Startschuss für das Vernetzungsprojekt Rapperswil-Jona und Eschenbach fiel 2003 und ist mit 20 Jahren das älteste im Kanton. Eine besondere Herausforderung war es für Geni Widrig, die einzelnen Projekte der verschiedenen Gemeinden zu einem grossen Ganzen zu vereinen:
«Plötzlich hatten wir 36-mal mehr Fläche und mussten gemeinsame Nenner suchen.»
Geni Widrig zur Entwicklung des Projektperimeters
Dadurch konnten Ressourcen und Synergien gemeindeübergreifend effizienter genutzt werden.

Die Arbeit hat sich gelohnt, das Vernetzungsprojekt startet nun in die vierte Vertragsperiode bis 2030. Sobald nun die regionale Landschaftsstrategie (RLS) des Bundes konkret ist, wird das laufende Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsprojekt eventuell zusammengeführt werden.
Nachgefragt bei Geni Widrig
[IMG 5] BauernZeitung: Was ist speziell für dieses Landschaftsqualitäts- und Vernetzungsprojekt?Geni Widrig: Das Projekt erstreckt sich über alle Zonen, vom Tal über die Bergzonen I bis III bis zum Sömmerungsgebiet, und ist landwirtschaftlich sehr spannend. Die Landwirte im Tal stehen vor ganz anderen Herausforderungen als die Bergbauern. Auch die Vielfalt ist enorm, wir haben intensive Gemüsebauern, Rebflächen, Acker- und Futterbau und Alpen. Wie ist die Zusammenarbeit im Projekt? Sehr gut. Die Trägerschaft ist gut organisiert, informiert und setzt sich stark für die Anliegen ihrer Mitglieder ein. Mich braucht es erfreulich wenig. Es ist auch positiv, wie sich die beiden Gemeinden beteiligen. Nicht nur finanziell, sondern man spürt, dass ihnen wirklich etwas an der Aufwertung der Landschaft liegt. Wo gibt es noch Verbesserungspotenzial? Es wäre wünschenswert, in zusätzlichen 300 Hektaren die Qualitätsstufe II zu erreichen. Dafür ist es wichtig, dass die Ökoelemente am richtigen Standort angelegt, gut unterhalten und gepflegt werden. Lieber etwas weniger, dafür gute Qualität. Am wichtigsten ist, dass der Landwirt Freude hat an dem, was er macht.

