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Thurgauer Obstberatung will Produzenten stärker einbinden

Die Obstbauberatung des BBZ Arenenberg möchte für den Versuchsbetrieb Güttingen eine Begleitgruppe Obst in Leben rufen. Sie soll eine Verbindung zwischen Beratung, Forschung und Praxis sein.

Die Jahresversammlung des Thurgauer Obstverbands (TOV) fand – wahrscheinlich als eine der letzten Veranstaltungen für längere Zeit – am 16. Februar online statt. Just an dem Tag, als der Bundesrat die Aufhebung der meisten Corona-Massnahmen bekannt gab. TOV-Präsident Ralph Gilg betonte zu Beginn der Versammlung, er freue sich sehr auf die physischen Begegnungen, die jetzt wieder möglich sind.

Spätfrost, Regen und Hagel prägten das Obstbaujahr 2021

Ralph Gilg sprach von einem herausforderndem Jahr 2021. Nach einem milden Februar und März gab es im April Spätfröste, die für die Aprikosenproduzenten einen Totalausfall zur Folge hatten. Auch Kirschen, Äpfel und Birnen trugen Frostschäden davon. «Der insgesamt schlechte Frühling war aber nur ein Teil des sehr speziellen Witterungsjahrs», sagte Gilg.

Der nasse Sommer stellte für den Pflanzenschutz eine grosse Herausforderung dar. Der Pilzdruck war enorm hoch und das Spritzen hinterliess wortwörtlich Spuren in den Obstanlagen. Gilg bemerkte, dass man so viele Schorfinfektionen verzeichnete, wie nie zuvor. Weitere Ertragsausfälle mussten die Obstbauern durch Hagelschäden verkraften. Im Thurgau war vor allem die Region Oberthurgau betroffen.

Entsprechend wirkte sich die Witterung auf die Ernte aus. Bei den Äpfeln war sie in der ganzen Ostschweiz leicht unterdurchschnittlich. Gilg konnte der Sache aber auch etwas Gutes abgewinnen: «Durch den Frost und eher kleinere Grössen der Früchte war die gesamtschweizerische Erntemenge marktkonform.»

Thurgauer Obstberatung will Produzenten stärker einbinden
Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbands.

Zwei Rücktritte im Vorstand

Zwei langjährige Vorstandsmitglieder wurden verabschiedet: Iwan Hungerbühler und Edwin Bosshard. Für Hungerbühler rückt Philippe Züllig nach. Der Sitz von Edwin Bosshard, Vertreter der IG Most, ist vakant. Im Vorstand der IG Most sind mit dem Rücktritt von Otto Aerni somit gleich zwei Vorstandsposten pendent. Für den seit Längerem im TOV-Vorstand pendenten Sitz konnte Urs Straub gewonnen werden. Die Zurückgetretenen sollen an der Obstfachtagung 2023 würdig verabschiedet werden. Die Verbandsrechnung schloss mit einem Verlust von 1325 Franken. Für das laufende Jahr ist ein Gewinn von 1030 Franken budgetiert. Unverändert bleiben der Betriebsbeitrag (50 Fr.) sowie der Flächenbeitrag (35 Fr./ha).

Einsatz für Pflanzenschutzmittel fordert die ganze Branche

Als grossen Erfolg wertete Ralph Gilg, dass beide Pflanzenschutz-Initiativen am 13. Juni abgelehnt wurden. Trotzdem bleibt der Obstbau beim Thema Pflanzenschutz gefordert. «Die Auswirkungen der Initiativen und der grünen Welle in Europa werden immer sichtbarer. Rückzüge von Pflanzenschutzmitteln sind auf der Tagesordnung», sagte Gilg.

Er sieht hier die Branche in der Pflicht: «Wir müssen einerseits besser werden, damit weniger Pflanzenschutzmittel in die Gewässer gelangen. Ebenso hart müssen wir daran arbeiten, dass wirksame Pflanzenschutzmittel vom Bund wieder eine Zulassung erhalten.»

Grossversuch mit Dispenser gegen Apfelwickler

Thurgauer Obstberatung will Produzenten stärker einbinden
Solche Grossdispenser gegen den Apfelwickler sollen auf dem Gemeindegebiet von Kümmertshausen aufgehängt werden.

Urs Müller, Leiter Obstbauberatung am BBZ Arenenberg, kündigte an, dass es dieses Jahr einen grösseren Versuch zur Verwirrungstechnik zur Bekämpfung des Apfelwicklers gibt. Auf schätzungsweise der Hälfte des Gemeindegebiets von Kümmertshausen werden Grossdispenser aufgehängt. Die Resultate sollen bereits im Herbst präsentiert werden.

Weit oben auf der Prioritätenliste der Obstbauberatung stehen Versuche zu Fleckenmotten, zusammen mit Biocontrol Andermatt und Agroscope. Dazu habe man beim Bund einen Antrag gestellt für die Zulassung von Quassan, ein Insektizid auf der Basis eines Pflanzenextraktes. Das bisher einzige in der Schweiz zugelassene Mittel gegen Fleckenmotten ist Neemöl. Es verhindert, dass sich Puppen und Larven entwickeln können. Die Baumwanze und die Samuraiwespe sind weitere Schädlinge, gegen deren Bekämpfung Versuche geplant oder bereits aufgegleist sind.

Begleitgruppe Obst soll Praxis besser einbinden

Für den Versuchsbetrieb Güttingen soll neu eine Begleitgruppe Obst ins Leben gerufen werden, parallel zur Begleitgruppe Beeren. Das Ziel ist, nebst der Beratung (Arenenberg) und der Forschung (Agroscope) die Produktion mit ins Boot zu holen. Wünschenswert wäre laut Urs Müller, wenn Produzenten verschiedener Obstsorten, ein Biovertreter und ein Handelsvertreter dabei wären. «Unser Ziel ist, dass die Praxis einen besseren Einblick in unsere Arbeit erhält und ihre Anliegen gezielter einbringen kann», begründete Müller. Denkbar wäre zu einem späteren Zeitpunkt auch der Einbezug von anderen Kantonen in die Begleitgruppe.

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