Als Konservenfabrik wurde die Hilcona 1935 gegründet. Heute umfasst das Sortiment des Lebensmittelherstellers mit Hauptsitz in Schaan FL um die 2000 Produkte im Convenience-Bereich. Die Konserven sind nach wie vor das Hauptgeschäftsfeld: Rund 9,5 Millionen Dosen werden laut Abteilungsleiter Michael Püringer dieses Jahr in Schaan abgefüllt, das sind zwei Millionen mehr als letztes Jahr. Die Zunahme ist aber nicht Corona zu verdanken, sondern der guten Ernte 2020.
Vom Bodensee bis zum Murtensee
500 Bauern produzieren für die Hilcona Erbsen, Bohnen, Pariser Karotten, lange Karotten, Rotkraut und Kartoffeln. «Zum Teil sind die Betriebe schon seit 80 Jahren Lieferanten», berichtet Andreas Messerli. Er leitet den Agrarbereich, ist also verantwortlich für die Zusammenarbeit mit den Bauern. Das Anbaugebiet reiche bei den Erbsen und Bohnen vom Bodensee bis zum Murtensee. Bei den Kartoffeln, den Pariser Karotten oder dem Rotkraut liegt der Schwerpunkt im St. Galler Rheintal und im Fürstentum Liechtenstein.
Die Hilcona hat drei Werkstandorte: in Schaan, Landquart (Graubünden) und Orbe (Waadt). In Schaan wird sämtliches Frischgemüse veredelt. Die Übernahmebedingungen und Preise werden zwischen dem Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) und der Swiss Convenience Food Association (SCFA) jeweils im Herbst ausgehandelt.
Die Hilcona in Zahlen
9,5 Millionen Dosen Konservengemüse werden dieses Jahr bei der Hilcona abgefüllt. In Schaan werden pro Jahr rund
- 2200 t Erbsen,
- 1500 t Bohnen,
- 2000 t Pariser Karotten,
- 800 t lange Karotten und
- 250 t Rotkraut verarbeitet.
Das Sortiment umfasst mittlerweile rund 2000 Produkte im Convenience-Food-Bereich. 1500 Mitarbeiter beschäftigt die Hilcona, die seit drei Jahren zur Bell Food Group gehört.
Von der Saat bis zur Ernte genaustens durchgeplant
Wie die Zusammenarbeit zwischen der Hilcona und den Landwirtinnen funktioniert, erklärt Andreas Messerli am Beispiel der Erbsen. Dabei regelt der für die Branche gültige Anbauvertrag vieles. «Wir definieren, in welchem Zeitraum und welche Sorte der Bauer säen muss, organisieren das Saatgut und bringen es auf den Hof», erläutert er. Mitarbeitende der Hilcona kontrollieren die Felder während der Saison regelmässig und geben Empfehlungen zur Kulturpflege und zur Bewässerung. «Wir beobachten jedes Feld genauestens», betont Messerli.
Auch die Ernte wird penibel geplant. Hierfür sind während sechs Wochen drei Erbsendrescher im Einsatz, zwei gehören der Hilcona, einer einem Lohnunternehmer. «Ganz entscheidend ist der optimale Erntezeitpunkt», gibt der Agrarökonom zu bedenken. «Während einer Hitzeperiode können die Bedingungen am ersten Tag noch fast zu früh, am zweiten Tag optimal und am dritten oder vierten Tag schon zu spät sein.»

Bezahlt werden die Bauern gemäss geltenden Richtpreisen. Dabei spielt die Härte der Erbsen eine Rolle. Diese wird mit dem Tendrometer gemessen. Messerli erklärt: «Erbsenfelder, die früh geerntet werden, bringen wegen des tieferen Gewichts mengenmässig weniger Ertrag und die Erbsen sind weicher. Das gleichen wir dem Produzenten mit einem Zuschlag für weiche Erbsen aus.»
Arbeitsbeginn ist in der Nacht
Die Erbsen werden jeweils am späten Abend geerntet und gedroschen, wenn es kühl ist, denn sie vertragen die Hitze schlecht. Vom Feld geht es mit dem Lastwagen direkt nach Schaan, wo sie abgeladen und erntefrisch verarbeitet werden. Etwa um drei Uhr morgens beginnt der Werkbetrieb. Bis am Mittag sind die Erbsen verarbeitet, abgefüllt in der Dose oder schockgefrostet. Zwischen Ernte und haltbarem Endprodukt vergehen maximal zehn Stunden.
Auf einem Rundgang durch den Betrieb erklärt Abteilungsleiter Michael Püringer, seit 22 Jahren Mitarbeiter bei der Hilcona, die Arbeitsschritte. Vieles ist mechanisch, die meisten Vorgänge elektronisch gesteuert. Auf Handarbeit kann aber nicht ganz verzichtet werden. Etwa 20 Mitarbeitende sind bei der heutigen Verarbeitungslinie im Einsatz. Weil an diesem Morgen ein verhältnismässig kleiner Posten angeliefert wurde, ist ein Grossteil der Arbeiten um elf Uhr bereits abgeschlossen. Spannend ist der Rundgang trotz ruhender Maschinen im Anfangsbereich aber allemal.
Reinigen, kalibrieren, blanchieren
Nach der Anlieferung des Ernteguts werden die Erbsen erst einmal grob gereinigt. Dies erfolgt mittels Reinigungstrommel und später in der Feinreinigung mit Luftstrahl, einem Gebläse, das die Blätter und Feinanteile ausbläst. Anschliessend kommen die Erbsen über eine Entsteinertreppe, wo sie von den mitgelieferten Steinen getrennt werden.
Sind die Erbsen gereinigt, werden sie in Kalibriertrommeln nach Grösse kalibriert. Jede Grösse der Erbsen – von fein über mittelfein und grob – hat einen unterschiedlichen Härtegrad. Dies ist vor allem für den Kochvorgang wichtig: kleinere und weichere Erbsen benötigen eine kürzere Kochzeit (Blanchierzeit) als grössere und härtere Erbsen, sonst sind sie verkocht.
Vor dem Blanchieren werden die Erbsen noch elektronisch auf Fremdkörper überprüft. Die Blanchierzeit richtet sich nach der Härte der Erbsen, die Temperatur liegt bei zirka 90°C. Dafür stehen zwei Durchlaufanlagen zur Verfügung. In der Rohwarenaufbereitung werden pro Stunde um die sechs Tonnen frische Erbsen verarbeitet.
300 Dosen pro Minute
Nach dem Blanchieren laufen die Erbsen über ein Band und werden von Mitarbeitenden nochmals visuell auf Fremdkörper geprüft. Erst nach diesem letzten Check geht es ans Abfüllen in die Dosen (à 500 g, 1 kg oder 3 kg). Die Anlage schafft 280 bis 300 Dosen pro Minute.
Am Fliessband stehen sechs Mitarbeiter und füllen Silberzwiebeln in die Erbsendosen. Dies ist ein Vorgang, der bei diesem exklusiven Artikel immer noch von Hand geschieht. Bei den Erbsen-Karotten-Dosen erfolgt der Vorgang maschinell.
Schliesslich kommt der Aufguss in die Dose. Er besteht aus Wasser und Salz und enthält keine Konservierungsstoffe. Die Dosen werden verschlossen und durch Erhitzen sterilisiert, sprich haltbar gemacht. Nach der Haltbarmachung werden die Dosen in Salez SG zwischengelagert. Dort werden sie chargenweise in Kartons verpackt und eingelagert. Erst wenn ein Kunde eine Bestellung in Auftrag gibt, erfolgt die Etikettierung.
Dose ist und bleibt begehrt
Die Produktionsmengen in Schaan sind beeindruckend, selbst für Markus Amann, Leiter der Kommunikationsabteilung, der den Rundgang ebenfalls begleitet. «Die Dose war das Gründungsprodukt der Scana Konservenfabrik AG von Toni Hilti und ist bis heute eine Erfolgsgeschichte geblieben», sagt er, gerade mit Blick auf den Dosen-Run während Corona-Zeiten.
Zu den Pluspunkten des Dosengemüses zählt er, dass dieses ohne Konservierungsstoffe hergestellt und sehr lange haltbar ist. Die Hilcona ist mittlerweile die einzige Herstellerin von Konservengemüse in der Schweiz. Hier in Schaan wird innerhalb von sechs Wochen produziert, was Herr und Frau Schweizer an Erbsen und Karotten in einem Jahr essen.
Sommerserie Ostschweiz
Für die diesjährige Sommerserie besucht die Regionalredaktion Ostschweiz/Zürich verschiedene Betriebe aus der Region, welche landwirtschaftliche Rohstoffe weiterverarbeiten. Bereits erschienen sind:
- Senfmanufaktur «Senfgenoss» in Flaach ZH (BauernZeitung vom 24. Juli)
- E. Brunner AG in Steinmaur ZH, Hersteller von Birnel und Nischenprodukten
(BauernZeitung vom 31. Juli) - Sabo Oleificio in Horn TG, Verarbeiterin von Ölsaaten (BauernZeitung vom 7. August)
- Hefe Schweiz AG in Stettfurt TG (BauernZeitung vom 15. August)

