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Hitze und Trockenheit im Sortenversuch: Alternaria statt Krautfäule im Fokus

Auch die anfälligen Sorten blieben trotz Bewässerung in diesem Jahr frei von Krautfäule. Die Sortenprüfung von Agroscope brachte das in eine besondere Situation.

Das Kartoffeljahr 2026 dürfte vielen Produzentinnen und Produzenten lange in Erinnerung bleiben. Während die Saison 2024 von häufigen Niederschlägen und hohem Krautfäuledruck geprägt war, zeigte sich die Saison 2026 von einer völlig anderen Seite: Langanhaltende Trockenheit und ungewöhnlich hohe Temperaturen hatten die Schweiz fest im Griff.

Sogar anfällige Sorten ohne Krautfäule

Für die Kartoffel waren die Bedingungen alles andere als ideal. Die Kultur reagiert empfindlich auf Hitze und Wassermangel, weshalb sich bereits im Verlauf des Sommers abzeichnete, dass die Erträge vielerorts tief ausfallen dürften, v.a. wo nicht bewässert werden konnte. Die aussergewöhnliche Witterung stellte jedoch nicht nur die Praxis, sondern auch die Versuche von Agroscope vor besondere Herausforderungen.

Im Krautfäule-Versuch in Zürich-Reckenholz konnte während der gesamten Saison kein Befall festgestellt werden. Selbst die sehr anfällige Sorte Bintje, die ohne Fungizide angebaut und regelmässig bewässert wurde, zeigte keine Symptome von Krautfäule. Die anhaltende Hitze liess dem Erreger (Phytophthora infestans) keine Chance und Infektionen konnten sich nicht etablieren.

Nicht optimal für Erreger und Pflanze

Das Ausbleiben der Krautfäule zeigt eindrücklich, wie aussergewöhnlich die Witterungsbedingungen dieses Jahr waren: Die Temperaturen lagen nicht nur ausserhalb des optimalen Entwicklungsbereichs des Krautfäule-Erregers, sondern gleichzeitig auch deutlich ausserhalb der optimalen Bedingungen für die Kartoffel selbst.

Stark von Alternaria befallenes Kraut der Sorte Otolia, Foto von Ende August. (Bild: Patrice de Werra)

Für die laufende Sortenprüfung von Agroscope ist dies eine besondere Situation. Die Sortenanfälligkeit gegenüber Krautfäule konnte nicht wie gewohnt bewertet werden. Gleichzeitig boten die hohen Temperaturen jedoch die Möglichkeit, ein anderes Krankheitsbild genauer zu untersuchen: die Dürr- und Sprühfleckenkrankheit (Alternaria spp.).

Alternaria optimal gefördert

Anfang Jahr startete bei Agroscope ein Versuch zur Sortenanfälligkeit gegenüber Alternaria. Ziel ist es, die Anfälligkeit bestehender und neuer Kartoffelsorten zu ermitteln. Die Versuchsparzellen wurden ausschliesslich gegen Krautfäule behandelt, was dieses Jahr nicht einmal notwendig gewesen wäre.

Auf Behandlungen gegen Alternaria wurde bewusst verzichtet, damit sich die Krankheit entwickeln konnte. Die hohen Temperaturen und der Trockenstress schwächten die Kartoffelpflanzen und förderten gleichzeitig die Entwicklung von Alternaria optimal.

Markies verlor fast das ganze Kraut

Bereits im Verlauf der Saison wurden im Alternaria-Versuch deutliche Unterschiede zwischen den Sorten erkennbar. Bei der als anfällig bekannten Sorte Markies war das Kraut gegen Ende der Saison praktisch vollständig durch die Alternaria-Erreger zerstört. Rund ein Drittel bis knapp die Hälfte der untersuchten Sorten zeigte dagegen nur einen geringen oder sogar vernachlässigbaren Befall.

Auswertung folgt im Herbst

Die Ergebnisse des mehrjährig geplanten Alternaria-Versuchs werden in Zukunft bei der Planung von Pflanzenschutzstrategien eine wichtige Rolle spielen. Weniger anfällige Sorten bieten die Möglichkeit, Pflanzenschutzmittel gezielter einzusetzen oder deren Einsatz zu reduzieren – ein Ansatz, der auch von der Branche gefordert wird. Gerade im Bioanbau, wo Kupferpräparate gegen Alternaria nur eine begrenzte Wirkung zeigen, sollten solche Sorten bevorzugt werden.

Die Ernteauswertungen sowie die Bestimmung der Knollenkaliber werden im Verlauf des Herbstes fortgesetzt. Sie sollen zeigen, welchen Einfluss der Alternaria-Befall auf den Ertrag hatte.

Bereit für sich wandelndes Klima

Insgesamt war das vollständige Ausbleiben der Krautfäule in diesem Jahr alles andere als eine gute Nachricht. Vielmehr war es bereits ein Hinweis darauf, dass die Erträge nicht zufriedenstellend ausfallen werden, da die Kartoffel unter starkem Hitzestress stand.

Genau hier setzen die neuen Versuche von Agroscope an: Sie sollen dazu beitragen, die Sortenanfälligkeit gegenüber Alternaria besser zu verstehen und so den Kartoffelanbau auf die Herausforderungen des sich wandelnden Klimas vorzubereiten.

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