Biomilch wird seit Jahren immer mehr nachgefragt, denn dessen Produktion wird bei den Konsumenten und Konsumentinnen als besonders tierfreundlich und auch ökologisch assoziiert.
Auf Schweizer Biomilchbetrieben werden jährlich gegen 60 000 Kälber geboren, ein Drittel davon wird für die Remontierung der Milchviehbestände nachgezogen. Von den andern zwei Drittel – das sind rund 40 000 Biokälber – gehen die meisten in die konventionelle Mast mit nicht besonders tierfreundlicher Haltung, inklusive Antibiotika. Ein Viertel aller Antibiotika in der Tierhaltung gehen an Kälber.
Kalb geht zur Amme
Es geht aber auch anders. Das Beispiel von Thomas Pfister im zugerischen Menzingen zeigt ein gut funktionierenden System: Mutter und Kalb werden nach der Geburt 48 Stunden in einer Abkalbebox separat gehalten, anschliessend sind die beiden eine Woche nur noch über Nacht zusammen.
Dann kommen sie gemeinsam mit sechs Ammen- respektive Mutterkühen und doppelt so vielen Kälbern zweimal pro Tag zum Säugen zusammen. Die Kontrolle nimmt täglich 20 Minuten in Anspruch. Sie beinhaltet, zu schauen, ob es den Kälbern gut geht, ob sie genug getrunken haben und die Euter leer sind und wird mit einer Euterbehandlung mit Ringelblumensalbe abgeschlossen. Nach 160 bis 180 Tagen und mit 110 bis 130 kg Schlachtgewicht werden die Kälber geschlachtet. Sie saugen in dieser Zeit zirka 1800 Liter Milch und fressen dazu Heu ad libitum und wenn möglich Weidegras.
Gesunde Kälber
Einen guten Ausmastgrad zu erreichen ist nicht ganz einfach und erfordert ein gutes Auge und Handling. Meistens sind die Kälber von Thomas Pfister im T2 klassifiziert. Allenfalls ist noch zu erwähnen, dass saisonal abgekalbt wird und nach dem Absetzen der Kälber wieder alle Kühe gemolken werden. Die Vorteile des Systems: Die Kälber haben kaum Gesundheitsprobleme wie zum Beispiel Durchfall oder Lungenentzündungen. Ausserdem wirkt es sich eher positiv auf Eutergesundheit der Kühe aus. Säugen bei anderen Kälbern ist kein Thema mehr. Die Zeit wird vorwiegend in die Beobachtung der Kälber und Kühe investiert und nicht ins Tränken der Kälber, inklusive Reinigung, was wiederum eine bessere Gesundheit der Kälber und Kühe zur Folge hat. Die Kälber können verschiedenen Händlern verkauft werden, was die Unabhängigkeit des Betriebs verbessert. Und die Wirtschaftlichkeit? Der Erlös für die «vertränkte» Milch ist umgerechnet etwa gleich hoch wie für Bio-Konsummilch.
Bio Luzern, Bio Zug und die kantonale Bioberatung arbeiten aktiv daran, dass vermehrt Kälber auf dem Geburtsbetrieb abgetränkt werden. Am natürlichsten sind die Systeme der mutter- und ammengebunden Kälberaufzucht und -ast.
Mehr Infos: www.bioaktuell.ch/tierhaltung/rindvieh

