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Erdbeerproduzent Tobias Lüscher: «Bisher ist es ein Superjahr»

Erdbeerproduzent Tobias Lüscher hat sich auf Felder zum Selberpflücken spezialisiert. Das ist ein gefragtes Angebot in der bevölkerungsstarken Lage am Rand von Wettingen. Der Andrang auf seinen Feldern ist derzeit riesig.

«Am vergangenen Wochenende waren von morgens bis abends durchgehend 50 bis 100 Leute im Feld.» Für Erdbeerproduzent Tobias Lüscher kein Albtraum, sondern Hauptsaison, und zwar eine sehr gute. «Bis jetzt ist es ein Superjahr», sagt der Landwirt aus Wettingen, der sich auf das Angebot zum Selberpflücken spezialisiert hat. Von seinen vier Hektaren Erdbeeren verkauft er rund zwei Drittel auf diese Weise, den Rest je zur Hälfte im Hofladen und an den Handel.

Nichts blieb für den Handel

Den Handel hätte er Anfang Woche eigentlich beliefern wollen, aber die Selbstpflücker hatten bis Sonntagabend gründlich abgeräumt. Kein Schaden für Tobias Lüscher, der Handel ist ein Puffer für ihn, rentabler sind die Selbstpflücker. Auch wenn die nicht so professionell und gründlich pflücken wie seine eigenen Leute – die eingesparten Arbeitskosten schenken stärker ein.

Manche werden vom Feld verwiesen

Auf dem Selbstpflück-Feld braucht es maximal drei Arbeitskräfte: Eine bedient die Kasse, eine bis zwei weisen die Besucher(innen) ein und erklären die Regeln. Zum Beispiel, sich auf den Wegen zu halten und sich nicht den Bauch vollzustopfen. Das «Stöcklein-System» funktioniere besser als Sektoren, erzählt Tobias Lüscher: Wer aufhört zu pflücken, steckt an dieser Stelle einen kleinen Stock in den Boden und die nächsten machen dort weiter. «Aber wenn so viele Menschen kommen wie am vergangenen Wochenende, funktioniert das nicht mehr.» Die meiste Kundschaft verhalte sich anständig. Doch etwa einmal pro Jahr muss er zur stärksten Massnahme greifen und jemanden vom Feld verweisen.

Ein Viertel ist Verlust

Einen Viertel des Ertrags kalkuliert der Produzent als Verlust, zum Beispiel durch Schnecken, Fäulnis, Sonnenbrand und achtlose Menschen. Den Verkaufspreis setzt er am oberen Rand der empfohlenen Marktpreise an, manchmal auch darüber.

Erdbeerproduzent Tobias Lüscher: «Bisher ist es ein Superjahr»
Die Erdbeeren mögen den sandigen, gut durchlüfteten Boden in Wettingen zwischen Lägern und Limmat.

Wer die Erdbeeren selber pflückt, bezahlt sieben Franken pro Kilogramm, im Hofladen gibt es jetzt in der Hauptsaison eine 500-Gramm-Schale für sechs Franken 50.

Ideale Lage in Wohngebiet

Die Lage am Stadtrand ist nicht nur für die Direktvermarktung ideal, sondern auch für die Rekrutierung von saisonalen Arbeitskräften während der Erdbeer­ernte. Die rund 20 Personen kommen aus der Region. Dieses Jahr bekam Tobias Lüscher zudem zahlreiche Anfragen von arbeitssuchenden Personen aus der Ukraine.

Die Erdbeersaison auf dem Lüscherhof dauert etwa zehn Wochen. Sie beginnt generell früh, dieses Jahr schon am 9. Mai. Auf zwei Hektaren werden die Beeren unter Vlies verfrüht. Die Pflanzen mögen die sandigen, gut durchlüfteten Böden und die geschützte Lage zwischen Lägern und Limmat. Hagel gibts hier kaum, dafür genügend Wasser zum Bewässern.

Erdbeerproduzent Tobias Lüscher: «Bisher ist es ein Superjahr»
Viele nutzen Lüschers Angebot zum Selberpflücken. Der Sektor im Hintergrund ist noch nicht offen und durch Hagelnetze geschützt, das hilft auch gegen Sonnenbrand.

Tobias Lüscher schützt seine Kulturen in den heiklen Stadien mit Hagelnetzen, vor allem gegen Sonnenbrand und Starkregen, das Netz hält zudem Vögel, Wildtiere und Menschen vom Naschen ab.

Lachsrote Erdbeere geht gar nicht

Hauptsorten auf dem Lüscherhof sind Clery, Symphony und Malwina. Jedes Jahr pflanzt der Betriebsleiter einige Testsorten an, aber von fünf Sorten findet er höchsten eine aussichtsreich. Die Kundschaft will Geschmack, aber auch die Farbe muss stimmen. So fiel eine lachsrote Sorte durch, die zwar aromatisch überzeugte, deren ungewohnte Farbe aber zu sehr irritierte.

Anbau ohne Dämme und extensiv

Beim Anbau verzichtet Tobias Lüscher auf Dämme, das reduziert den Erstellungsaufwand, und zieht die Kulturen zwei- und dreijährig. Die älteren Pflanzen bringen mehr Ertrag bei kleineren Früchten, womit der Vorteil im Selbstpflücksystem überwiegt.

Der Produzent führt seine Erdbeeren generell extensiv, beim Dünger wie beim Fungizid, wo er die Behandlungen auf zwei bis drei halbiert hat. Bei allen Kulturen arbeitet er mit Gründüngungen; «das macht Welten aus». Im Ackerbau ersetzen Direkt- und Streifenfrässaat zunehmend den Pflug, bei den Erdbeeren möchte er mit der Zeit nur noch den Grubber einsetzen.

Gute Ergebnisse mit Hackgerät

Vor einem Jahr hat er ein Sternhackgerät gekauft und rühmt: «Wir haben deutlich weniger Bodenverdichtung, das Wasser läuft besser ab. In diesem Jahr mussten wir bei sehr nassem Wetter setzen, trotzdem sind sonst vernässte Stellen trocken.» Man sehe sehr viel Wurmkot. Die Boden-lebewesen mögen es offenbar, wenn der Boden über mehrere Jahre nicht tief bearbeitet wird.

2001 mit der Milchwirtschaft aufgehört

Bis 2001 lebten auf dem Lüscherhof 30 Milchkühe. Danach spezialisierte sich die Familie ganz auf Erdbeeren, die Grossvater Lüscher schon vor 50 Jahren eingeführt hatte.

Lüscherhof in Wettingen AG

Betriebsleiter: Tobias und Larissa Lüscher mit drei Kindern Spezialkulturen: 4 ha Erdbeeren, 50 a Kürbisse, 25 a Blumen zum Selberpflücken, einige Kirschen- und Zwetschgenhochstammbäume, 70 a Christbäume Ackerbau: Raps, Getreide und Mais auf 25 ha Tiere: 1200 Legehennen in mobilen Ställen, 10 Pferdepensionsplätze für Selbstversorger Weiteres: Direktverkauf an Selbstbedienungsautomaten, bedienter Hofladen während der Erdbeersaison​ ​Arbeitskräfte: Tobias und Vater Ueli Vollzeit, ihre beiden Partnerinnen Teilzeit, 1 Vollzeit-Mitarbeiter, rund 20 saisonale Arbeitskräfte

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