Die Suche nach der resilienten Weide der Zukunft

Weidende Kühe prägen die Schweizer Landschaft prägen. Das soll auch in Zukunft möglich sein. Mit modernen Forschungsmethoden und technischem Fortschritt wird an der Weide der Zukunft geforscht.

Weidende Kühe sind ein fester Bestandteil des Schweizer Landschaftsbildes. Studien belegen, dass Konsumenten sie mit Eigenschaften wie einem höheren Tierwohl, einer umweltfreundlichen Landwirtschaft, aber auch gesunden Nahrungsmitteln assoziieren.

Die Suche nach der resilienten Weide der Zukunft
Die Trockenheit 2023 machte auch den Weiden am Waldhof zu schaffen.

Die Zahlungsbereitschaft für solche Produkte ist hoch, besonders dann, wenn die preisliche Einstiegshürde tief liegt. Ein Musterbeispiel eines solchen Produkts ist Milch. Mit einem Ladenpreis um die 2 Franken können auch Haushalte mit kleinem Budget von solchen positiven Attributen profitieren.

Kuh und Landwirt profitieren

Auch die Kühe und letztlich der Landwirt ziehen mehrere Vorteile aus einer solchen auf der Weide produzierten Milch. Landwirte gewinnen doppelt durch einen höheren Produzentenpreis sowie durch einen Imagegewinn, und die Kühe zeichnen sich durch eine höhere Fitness sowie Gesundheit aus.

Die Suche nach der resilienten Weide der Zukunft
Schätzen des Aufwuchses - ein Schlüsselelement in der Weideplanung. An einer praxistauglichen Methode mit Hilfe einer Drohne wird geforscht.

Kühe gehören auf die Weide

«Kühe sind selbstreproduzierende, mobile Bioreaktoren – ausgestattet mit einer automatischen Futterzufuhr- sowie Düngerverteileinrichtung. Es liegt also nichts näher, als sie auf die Weide zu platzieren.» Mit diesen Worten begrüsste Peter Thomet, emeritierter Professor für Futterbau von der Hochschule für Agrar-, Forst und Lebensmittelwissenschaften (HAFL), die angereiste Menschenmenge zur AGFF-Tagung «25 Jahre Weideforschung».

Tiefe Systemkosten

Die AGFF, die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus, lud am 25. August zur Fachtagung ein, um sich mit der Weide der Zukunft auseinanderzusetzen. Diese biete den Landwirten viele Vorteile. Man spare zum Beispiel deutlich an Maschinenkosten, weil die Tiere das Futter selbstständig auf der Weide zu sich nehmen und auch dort den grössten Teil des angefallenen Düngers wieder ausbringen.

Umstellung auf Weide lohnt sich

«Früher hatte ich schwarze Kühe mit roten Zahlen, jetzt habe ich rote, und die Zahlen sind schwarz», fasste Hansjürg Fuhrimann, Betriebsleiter des Waldhofs in Langenthal, die Auswirkung von 25 Jahre Weidehaltung auf seinem Betrieb schmunzelnd zusammen. Habe man früher 2,5 Tonnen Kraftfutter pro Kuh und Jahr eingesetzt, liege man nun bei 300 Kilogramm. Und obwohl die Milchleistung von durchschnittlich 9500 kg auf 7100 kg gesunken sei, sei die Effizienz der Weide gestiegen.

Forschung für die Weide

Auf den Weiden, auf welchen die Kühe des Betriebs grasten, gab es dann auch einiges zu sehen. Neben virtuellen Zäunen, der Aufwuchsschätzung mithilfe einer Drohne und hitzetoleranten Kühen wurde auch die Zucht bei den Weidegräsern anhand eines Projekts mit Englischem Raigras vorgestellt. In einer Zusammenarbeit von Forschung und Saatgutverkäufern sucht man das weidefähige Englische Raigras der Zukunft. Mit langjährig angelegten Versuchen werden unterschiedliche Sorten in Reinsaat und in Mischungen auf ihre Praxistauglichkeit getestet.

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Demonstration eines virtuellen Zauns. Noch ein paar Schritte und das Gerät gibt einen elektrischen Impuls ab. In der Schweiz sind solche Geräte bis jetzt noch nicht erlaubt.

Einsatz von DNA basierten Methoden

Mithilfe moderner Messmethoden erfassen die Forscher zahlreiche agronomische Merkmale wie zum Beispiel die Futterqualität. Via DNA-basierten Methoden wird dann das Potenzial der Sorten bestimmt. Nimmt die DNA einer Sorte im Verlauf des Versuchs zu, heisst das, dass die Sorte mit den Bedingungen besser zurechtkommt.

Eine äusserst langwierige, aber dennoch dringend notwendige Arbeit. Diese ist jedoch unentbehrlich, damit die Kühe des Waldhofs auch in Zukunft ihr Gras auf der Weide fressen können.

Die Suche nach der resilienten Weide der Zukunft
Ablauf der Züchtung beim englischen Raigrass. Verschiedene Sorten werden auf ihre Weidetauglichkeit getestet.
Die Suche nach der resilienten Weide der Zukunft
Der angelegte Sortenversuch aus der Vogelperspektive.

Sämtliche Poster von der AGFF-Tagung finden Sie hier.

Betriebsspiegel: Waldhof

Der Betrieb wird von Hansjürg Fuhrimann zusammen mit seiner Frau Verena und einem Lehrling nach den IP-Suisse-Richtlinien bewirtschaftet. Der vom Kanton Bern gepachtete Betrieb weist folgende Kenngrössen aus: LN: 33 ha, davon sind 12 ha Dauerweiden, 3 ha KW, 2 ha ökologische Ausgleichsflächen. Auf 16 ha werden folgende Ackerkulturen angebaut – Winterweizen, Wintergerste, Raps, Sonnenblumen und Kartoffeln Betriebsstrategie: Low-Input- Vollweidesystem mit Kurzrasenweide, die Milch wird unter dem Label IP-Wiesenmilch vermarktet Weidestrategie: Im Frühling müssen die Tiere möglichst früh raus. Ziel ist, dass die Weiden Ende April (höchster Wachstumspegel) möglichst gut abgefressen sind Kraftfutter: Pro Kuh/Jahr werden maximal 300 kg Kraftfutter eingesetzt Zuchtstrategie: 36 SF-Kühe, genetisch hornlos, Beta-Kasein A2A2 Leistung/Qualität: 36 Kühe mit einer Jahresmilchleistung von 7 100 kg mit 4,5 % Fett und 3,3 % Eiweiss