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Die Maisernte 2022 startet ungewöhnlich früh

Aufgrund der Hitze und Trockenheit kommt es mancherorts zur Notreife. Dem optimalen Erntezeitpunkt gilt ein besonderes Augenmerk. Stimmen die Bedingungen und man hatte im Vorjahr keine Probleme mit Nacherwärmung der Silage, kann auf Siliermittel verzichtet werden, sagt Bruno Nabulon vom LZSG.

Die anhaltende Trockenheit in Verbindung mit den hohen Temperaturen setzt dem Mais zu. Im Ausland, aber auch in Teilen der Schweiz kommt es zur Notreife. So wurde im Bundesland Bayern letzte Woche mit der Ernte von Silomais begonnen – so früh wie noch nie. Bei uns ist der Mais dieses Jahr rund zwei bis drei Wochen früher reif als letztes Jahr. Das stellt Bruno Nabulon fest. Er ist Futterbauberater am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen in Flawil.

Bodeneigenschaften sind gut sichtbar

Bruno Nabulon findet, dass der Mais in der Ost- und Zentralschweiz im Grossen und Ganzen gut dastehe. «Natürlich gibt es Gebiete, wo er am Limit lief – besonders in sehr trockenen Regionen.» Dieses Jahr sei die Bodenbeschaffenheit sehr gut sichtbar. So sind beispielsweise Kiesbänke in einer Parzelle gut erkennbar. Insgesamt rechnet Nabulon mit guten Erträgen fürs Jahr 2022, wobei es grosse Unterschiede je nach Region gibt. In trockenen Jahren wie diesem ist es wichtig, dass man die frühreifen Sorten rechtzeitig siliert.

«Wenn es weiterhin so trocken und warm bleibt, ist zu erwarten, dass es mit der Abreife plötzlich schnell geht.»

Bruno Nabulon, Futterbauberater LZSG

Nicht zu früh oder zu spät

Frühreife Maissorten sind bereits jetzt nahe am Erntezeitpunkt, die spätreifen Sorten in der Milchreife. Der optimale Erntezeitpunkt für Silomais ist im Stadium «Teigreife». Dann haben die wichtigsten Inhaltsstoffe, vor allem die Stärke, ihr Maximum erreicht. Der Kolben sollte einen Trockensubstanzgehalt (TS) von 50 bis 60 Prozent haben, die Restpflanze 30 bis 35 Prozent TS. In diesem Stadium herrschen gute Bedingungen für die Milchsäuregärung. Die Silage lässt sich gut verdichten, es entsteht kein Gärsaft. Weitere Vorteile sind ein hoher Energieertrag, eine gute Verdaulichkeit sowie ein hoher TS-Verzehr.

Bei zu früher Ernte (Milchreife) ist ein tieferer Ertrag zu erwarten. Es entstehen Konservierungsverluste aufgrund von Gärsaft. Bei einer zu späten Ernte (Vollreife) steigt der TS-Gehalt in der Restpflanze. Die harten Stängel lassen sich weniger gut verdichten, wodurch das Risiko für Fehl- und Nachgärungen steigt. Entsprechend sinken die Verdaulichkeit und damit auch der Futterverzehr.

Bruno Nabulon hält fest: «Grundsätzlich ist der Mais ein gut silierbares Futter. Der Mais erträgt recht viel.» Nebst dem Reifezeitpunkt gelte es, auch darauf zu achten, dass der Häcksler gut gewartet und die Messer geschliffen sind. Die Schweizerische Vereinigung für Silowirtschaft (SVS) empfiehlt folgende Häcksellängen:

  • Im optimalen Stadium: 6–8 mm
  • Bei Häckslern mit Reibboden: 7–10 mm
  • Bei unreifem Mais: 8–10 mm ohne Reibboden
  • Bei überreifem Mais: 5–6 mm mit Reibboden

Korrekte Verdichtung der Silage

Damit nach dem Silieren der Prozess der Milchsäuregärung eintritt, muss die Silage gut verdichtet werden, ansonsten steigt die Gefahr für Nachgärungen. Maissilage sollte eine Dichte von über 220 kg TS pro m3 aufweisen. Gemäss SVS ist ungenügende Walzarbeit im Flachsilo der häufigste Fehler in der Erntekette. «Die korrekte Verdichtung des Siliergutes – Walzen im Flachsilo, Verteilen des Einfüllkegels im Hochsilo – darf trotz Zeitdruck nicht vernachlässigt werden», warnt die SVS.

Nebst der Verdichtung spielt die Entnahmemenge, beziehungsweise der tägliche Vorschub eine entscheidende Rolle, damit es zu keinen Nachgärungen kommt. Im Hochsilo sollten während der Winterfütterung täglich mindestens 7 cm entnommen werden, während der Sommerfütterung mindestens 15 cm. Im Flachsilo sollte der Vorschub während der Winterfütterung 1 m pro Woche betragen und während der Sommerfütterung 1,5 m pro Woche.

Im Normalfall ohne Siliermittel

Im Normalfall braucht der Mais zur Förderung der Milchsäuregärung keine Siliermittel. Für Futterbauberater Bruno Nabulon gibt es einen simplen Grundsatz.

«Wenn die Erntebedingungen gut sind, braucht es beim Mais keine Siliermittel.»

Bruno Nabulon, Futterbauberater LZSG

Er empfiehlt den Einsatz von Siliermitteln vor allem dann, wenn man im Vorjahr Probleme mit Nacherwärmungen hatte. Beim vorbeugenden Einsatz zur Förderung des Gärverlaufs rät Nabulon zu biologischen Mitteln. Chemische Mittel würden sich bei Notmassnahmen eignen, sind aber meist auch etwas teurer.

Wichtiger als die Zusammensetzung oder die Art des Siliermittels sei die Frage nach dem Ziel des Siliermitteleinsatzes, hält Nabulon fest: «Wer Nacherwärmungen verhindern will, muss ein Mittel einsetzen, das eine gute aerobe Stabilität bringt. Wenn das Ziel ist, den Silo früh zu öffnen, braucht man ein Siliermittel, welches eine rasche Gärung verspricht.»

Biologisch oder chemisch?

Soll der Gärverlauf gefördert werden, können biologische oder chemische Produkte eingesetzt werden. Chemische Produkte hemmen die schädlichen Mikroorganismen und fördern die natürlichen Milchsäurebakterien durch pH-Absenkung. Ihr Nachteil ist, dass sie ätzend und korrosiv sind. Zudem sind sie teurer als biologische Mittel. Zu den biologische Produkten zählen u. a. Milchsäurebakterien-Impfzusätze, Enzyme und Zucker. Sie fördern die Milchsäuregärung durch Bakterienzusätze. Voraussetzung ist, dass genügend Nährsubstrat vorhanden ist. Zur Vorbeugung von Nacherwärmungen in der Silage können chemische Produkte, Kombiprodukte oder heterofermentative Milchsäurebakterien eingesetzt werden. Letztere verbessern zwar die Hauptgärung, in vielen Fällen sind die Silagen jedoch noch anfälliger auf Nachgärungen. Zentral ist, dass das Produkt in der empfohlenen Menge eingesetzt und homogen in der Silage verteilt wird. 

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