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Der letzte Herbst mit Flufenacet: So gelingt die Herbstbehandlung im Getreide künftig

Mit dem Wegfall des Wirkstoffes Flufenacet verliert der Getreidebau einen wichtigen Baustein gegen Ackerfuchsschwanz und Windhalm. Die Zukunft der Herbstbehandlung hängt jedoch nicht nur von neuen Wirkstoffen ab, sondern von konsequentem Resistenzmanagement und optimierter Kulturführung.

Kurz & bündig

  • Flufenacet fällt ab 2027 weg und muss durch andere Bekämpfungsstrategien ersetzt werden.
  • Ein Wechsel der Wirkstoffe und ein gut vorbereitetes Saatbett helfen, Resistenzen zu vermeiden.
  • Bei starkem Ackerfuchsschwanz-Befall sind mehrere Massnahmen und teilweise zusätzliche Herbizidbehandlungen nötig.

Der Spritzbalken senkt sich diesen Herbst ein letztes Mal mit Flufenacet über den Winterweizen. Was auf den ersten Blick wie eine ganz normale Herbstbehandlung aussieht, markiert für viele Ackerbaubetriebe das Ende einer langjährigen Standardstrategie. Denn in diesem Herbst kann Flufenacet letztmals eingesetzt werden. Die Aufbrauchfrist für diesen Wirkstoff ist auf 1.1.2027 festgelegt. Das bedeutet, ab der kommenden Saison verschwindet einer der wichtigsten Wirkstoffe gegen Ackerfuchsschwanz aus dem Werkzeugkasten der Getreideproduzenten. Für viele Landwirte stellt sich deshalb dieselbe Frage: Wie geht es ohne Flufenacet weiter? Wer eine einfache Antwort erwartet, wird allerdings enttäuscht.

«Die Herbstbehandlung ist ein Resistenzbrecher. Sofern unterschiedliche Wirkmechanismen gezielt genutzt werden», sagt Markus Hochstrasser von der Fachstelle Pflanzenschutz des Strickhofs gleich zu Beginn des Gesprächs. Damit lenkt der Berater den Blick weg vom einzelnen Wirkstoff und hin zur eigentlichen Herausforderung. Denn die Herbstbehandlung war schon immer weit mehr als eine reine Unkrautbekämpfung.

Während im Frühjahr hauptsächlich Wirkstoffe aus den Resistenzgruppen (RG) 1 oder 2 eingesetzt werden, stehen im Herbst andere Wirkmechanismen zur Verfügung, z. B. die RG 5. Genau diese Abwechslung schützt langfristig vor Resistenzen. «Darum empfehlen wir die Herbstbehandlung schon seit Jahren», erklärt Hochstrasser. Wer ausschliesslich im Frühjahr behandelt, setzt immer wieder dieselben Wirkstoffgruppen ein. Mit entsprechend steigendem Selektionsdruck.

Karte von Agroscope, welche die Ausbreitung und die Resistenzen verschiedener Herbizidgruppen (RG oder HRAC) gegen Ackerfuchsschwanz (Alopecurus myosuroides) aufzeigt. Für das Jahr 2026/2027 plant Agroscope, die Karte zu aktualisieren. (Bild: Agroscope / Marie Fesselt und Frederik Tschuy)

Dass Flufenacet nun wegfällt, hinterlässt dennoch eine Lücke. Über Jahre war der Wirkstoff die tragende Säule vieler Herbstprogramme. Im Vorauflauf wie auch im frühen Nachauflauf erzielte er eine ausgezeichnete Wirkung gegen Windhalm, aber vor allem gegen Ackerfuchsschwanz. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, welcher Wirkstoff Flufenacet ersetzt. Die entscheidende Frage lautet: Auf welcher Parzelle braucht es überhaupt eine andere Strategie?

«Man muss drei Situationen unterscheiden», sagt Markus Hochstrasser. Genau das werde in der aktuellen Diskussion häufig vergessen.

Nicht jede Parzelle ist gleich betroffen

Auf vielen Flächen mit schwachem bis mittlerem Ungrasdruck und keinen Resistenzen dürften die verbleibenden Herbstherbizide, z. B. Tarak, Trinity oder Boxer, auch künftig ausreichen – vorausgesetzt, die Behandlung erfolgt unter guten Bedingungen. Anders präsentiert sich die Situation dort, wo Ackerfuchsschwanz in grosser Zahl auftritt oder bereits Resistenzen vorhanden sind. Wie gross der Unterschied sein kann, zeigt ein Beispiel aus der Beratung.

«In einzelnen Feldern im Kanton Zürich oder in vielen Teilen des Kantons Schaffhausen zählen wir zum Teil über 1000 Ackerfuchsschwanz-Pflanzen pro Quadratmeter», erzählt Hochstrasser. Eine Zahl, die deutlich macht, weshalb selbst sehr hohe Wirkungsgrade bei Herbiziden irgendwann an ihre Grenzen kommen.

«Bei einem sehr guten Wirkungsgrad von 98 Prozent bleiben immer noch rund 20 Ackerfuchsschwanz-Pflanzen pro Quadratmeter übrig. Das reicht, dass das Problem bestehen bleibt.»

Der Wegfall einzelner Wirkstoffe macht eine gezielte Nutzung der verbleibenden Wirkmechanismen umso wichtiger. (Bild: Gil Rudaz)

Bei starkem Befall könnte es künftig nötig werden, durch die etwas tieferen Wirkungsgrade der verbleibenden Herbizide zwei Herbstbehandlungen durchzuführen. Eine im Vorauflauf und eine zweite im Herbst im Nachauflauf. Wenn dann immer noch viele Ackerfuchsschwanz-Pflanzen überleben, wird sogar eine dritte Behandlung im Frühjahr nötig. Zusätzliche Anwendungen seien nur dort notwendig, wo starker Ackerfuchsschwanz-Befall und Resistenzen zusammenkämen. Gerade deshalb wäre es laut Hochstrasser falsch, aus dem Wegfall von Flufenacet abzuleiten, dass künftig die ganze Schweiz mehrere zusätzliche Herbizidbehandlungen braucht. «Bei starkem Befall muss einfach alles stimmen. Nicht nur der Wirkstoff.» 

Die Herbstbehandlung beginnt eigentlich schon vor der Saat

Mit dem Wegfall von Flufenacet gewinnt die Anbautechnik nochmals an Bedeutung. Hochstrasser spricht deshalb bewusst nicht nur über Herbizide.

Markus Hochstrasser ist Berater für Pflanzenschutz am Strickhof. (Bild: Strickhof)

«Es muss nicht nur der Wirkstoff stimmen – auch Saattermin, Saatbett, Bodenbedingungen und Bodenbearbeitung müssen passen.»

Markus Hochstrasser, Fachstelle Pflanzenschutz, Strickhof

Gerade die Vorauflaufbehandlung verlangt ein sorgfältig vorbereitetes Saatbett. Der Boden sollte feinkrümelig sein, gleichzeitig aber genügend stabil bleiben. Grobe Schollen erschweren dagegen eine gleichmässige Verteilung des Herbizids.

«Ich höre oft, ein grobscholliges Saatbett sei gut, weil der Boden weniger verschlämme», erzählt Hochstrasser. «Für eine Herbizidbehandlung ist das aber ungünstig.»

Der Grund ist einfach: Dringt das Herbizid nicht bis ins Innere der Schollen vor, bleiben dort Bereiche unbehandelt. Brechen die Schollen später auseinander, keimen dort Ackerfuchsschwanz oder Windhalm ungehindert auf.

Ebenso wichtig ist die Saattiefe. Das Getreide sollte mindestens 3 bis 4 Zentimeter tief abgelegt werden. So kann der Wirkstoff in den obersten Bodenzentimetern wirken, ohne das Getreidekorn zu schädigen. Eine Rückverfestigung des Saatbetts sowie ausreichend Bodenfeuchtigkeit verbessern die Wirkung zusätzlich.
Und auf eine Massnahme, nämlich den Einsatz des Pfluges, wird aus arbeitstechnischen Gründen oder wegen der einzuhaltenden Abschwemmauflagen, neben entwässerten Strassen, oft verzichtet. Dabei hemmt der Pflugeinsatz die Ausbreitung des Ackerfuchsschwanzes.

Praxistipp: Massnahmen zur erfolgreichen Ackerfuchsschwanz-Bekämpfung

  • Feinkrümeliges, rückverfestigtes Saatbett
  • Möglichst keine groben Schollen
  • Saattiefe von 3 bis 4 Zentimetern
  • Leicht feuchter Oberboden
  • Sorgfältige Vorbereitung vor der Saat
  • Falsches Saatbett
  • Getreide später säen.
  • Einzelne Ackerfuchsschwanz-Pflanzen ausreissen oder vor der Versamung abmähen.
  • Flufenacet-Alternativen: Chlorotoluron, Aclonifen, Prosulfocarb oder Pendimethalin. 

Mit diesen Voraussetzungen endet die Wirkung der Herbstbehandlung nicht beim Herbizid. Sie beginnt bereits mit der Bodenbearbeitung.

Ackerfuchsschwanz ist nicht gleich Windhalm

Wer über Herbstbehandlungen spricht, landet schnell bei Ackerfuchsschwanz und Windhalm. Markus Hochstrasser sieht darin eine verkürzte Betrachtung, denn die Bedeutung von Herbstbehandlungen geht darüber hinaus. «Windhalm ist nicht Ackerfuchsschwanz», sagt er.

Der Unterschied liegt in der Biologie der beiden Ungräser. Windhalm keimt ausschliesslich im Herbst. Ein Wechsel auf Sommergetreide, das erst im Frühjahr gesät wird, kann seinen Lebenszyklus deshalb wirksam unterbrechen. Beim Ackerfuchsschwanz funktioniert diese Strategie nicht. «Der keimt munter auch im Frühjahr.»

Sommerungen allein reichen deshalb nicht aus, um den Ungrasdruck nachhaltig zu senken. Besonders auf schweren Böden bleibt Ackerfuchsschwanz eine der grössten Herausforderungen im Getreidebau. Hochstrasser nennt unter anderem das Fricktal, den Raum Grenchen, Teile des Kantons Schaffhausen und einzelne Regionen im Kanton Zürich, in denen der Ackerfuchsschwanzdruck besonders hoch ist.

Wo häufiger behandelt werden muss, steigt langfristig auch das Risiko von Resistenzen.

Falsches Saatbett als effektive Massnahme gegen Ackerfuchsschwanz

Gerade weil Flufenacet wegfällt, rücken anbautechnische Massnahmen noch stärker in den Vordergrund. Sie ersetzen Herbizide zwar nicht, können deren Wirkung aber entscheidend verbessern. Besonders wichtig ist dabei das sogenannte falsche Saatbett.

Das Prinzip ist einfach: Das Saatbett wird vollständig vorbereitet, anschliessend wartet man bewusst die erste Keimwelle der Ungräser ab und beseitigt diese mit einer flachen Bodenbearbeitung. Erst danach wird das Getreide gesät. Das falsche Saatbett könne sehr viel bringen, sagt Hochstrasser.

Auch der Saattermin spielt eine wichtige Rolle. Sehr früh gesäte Bestände bieten Ackerfuchsschwanz und Windhalm ideale Bedingungen, gemeinsam mit dem Getreide aufzulaufen. Ein späterer Saattermin kann diesen Effekt, jedenfalls bei Winterweizen, deutlich abschwächen.

Gleichzeitig weist Hochstrasser darauf hin, dass Anbautechnik allein das Problem nicht löst: «Bei starkem Befall muss einfach alles zusammenpassen.»

Dazu gehören Saatbett, Saattermin, Wirkstoffwahl, Einsatzzeitpunkt und die richtige Anwendung ebenso wie die Einschätzung des tatsächlichen Ungrasdrucks.

Mechanische Bekämpfung hat ihre Grenzen

Mit dem Wegfall von Flufenacet taucht immer wieder die Frage auf, ob sich Ackerfuchsschwanz künftig vermehrt mechanisch bekämpfen lässt. Nach den Erfahrungen von Hochstrasser ist das zumindest auf stark belasteten Flächen kaum realistisch.

«Mit Eggen oder Hacken allein wird man dem Ackerfuchsschwanz nicht Herr», so Hochstrasser.

Gerade auch Biobetriebe stossen hier an Grenzen. Hochstrasser berichtet von einem Betrieb auf schweren Böden mit massivem Ackerfuchsschwanz-Befall. Dort habe man sich entschieden, auf den am stärksten belasteten Flächen ganz auf Getreide zu verzichten und stattdessen Wiesen beziehungsweise Weiden anzulegen.

Das Beispiel zeigt deutlich: Wo der Ungrasdruck sehr hoch ist, gibt es keine einzelne Massnahme, welche das Problem löst.

Schwerer Boden, Pflugverzicht und enge Fruchtfolgen mit einem hohen Anteil an Wintergetreide fördern den Ackerfuchsschwanz. Raps in der Fruchtfolge wäre eine passende Kultur, weil im Herbst mit Propyzamid, z. B. Kerb Flo (RG 3), ein Herbizid im Herbst eingesetzt werden kann, das erfolgreich gegen resistenten Ackerfuchsschwanz wirkt, und im Frühjahr lässt der Raps kein Licht auf den Boden, sodass kein Ackerfuchsschwanz mehr keimt.

Das Feld nicht zur Samenbank machen

Mindestens ebenso wichtig ist es, neue Befallsherde möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Ackerfuchsschwanz wird leicht über Erntemaschinen verschleppt oder durch Boden zugeführt. Einzelne Pflanzen sollten deshalb möglichst entfernt werden, bevor sie Samen bilden. «Bei Anfangsbefall muss verhindert werden, dass der Ackerfuchsschwanz versamt», mahnt Markus Hochstrasser.

Versamender Ackerfuchsschwanz: Jede Pflanze kann mehrere tausend Samen produzieren und so den Unkrautdruck für die Folgejahre deutlich erhöhen. (Bild: Simona Pavan - stock.adobe.com)

Wo der Befall noch gering ist, genügt oft schon das Ausreissen einzelner Pflanzen oder das Mähen kleiner Flächen in Zuckerrüben zum Beispiel. Wer diese Pflanzen stehen lässt, schafft sich dagegen häufig ein Problem in den kommenden Jahren.

Neue Wirkstoffe brauchen Zeit

Natürlich stellt sich die Frage, wie die Lücke nach Flufenacet künftig geschlossen werden soll. Ganz ohne Alternativen stehen die Betriebe nicht da. Wirkstoffe wie Chlorotoluron, Aclonifen, Pendimethalin oder Prosulfocarb gewinnen an Bedeutung. Teilweise werden bereits heute Mischungen mehrerer Wirkstoffe eingesetzt.

Neue Wirkstoffe mit anderen Wirkmechanismen befinden sich zwar in Entwicklung. Bis sie in der Schweiz verfügbar sind, dürften jedoch noch einige Jahre vergehen. Bis dahin bleibt den Betrieben nichts anderes übrig, als die vorhandenen Möglichkeiten möglichst konsequent auszuschöpfen.

Der letzte Herbst mit Flufenacet ist der Beginn einer neuen Strategie

Der Abschied von Flufenacet markiert zweifellos das Ende einer langen Ära in der Herbstbehandlung des Getreides. Gleichzeitig wäre es zu einfach, die Diskussion auf einen einzelnen Wirkstoff zu reduzieren. Der eigentliche Wandel findet auf den Feldern statt.

Der Wegfall von Flufenacet bedeutet deshalb nicht das Ende der Herbstbehandlung – sondern ihren Bedeutungsgewinn. Entscheidend wird künftig nicht ein einzelner Wirkstoff sein, sondern die Kombination aus Wirkstoffwechsel, Anbautechnik und konsequenter Verhinderung der Samenbildung. Es wird aufwendiger, aber wer diese Stellschrauben nutzt, kann auch ohne Flufenacet erfolgreiche Ungrasstrategien entwickeln.

Ackerfuchsschwanz-Resistenzen – was steckt dahinter?

Eine Herbizidresistenz bedeutet, dass ein Wirkstoff eine Pflanze nicht mehr ausreichend bekämpfen kann. Der Wirkstoff wird dabei nicht «schwächer», aber die Pflanze kann die Wirkungsweise des Herbizides aufheben.

In jedem Ackerfuchsschwanz-Bestand gibt es von Natur aus Unterschiede zwischen den Pflanzen. Während die meisten empfindlich auf einen Wirkstoff reagieren, können einzelne Pflanzen aufgrund ihrer Gene weniger empfindlich sein oder die Pflanzen mutieren. Wird über mehrere Jahre derselbe Wirkmechanismus (Resistenzgruppe) eingesetzt, kommt es zur Selektion: weniger empfindliche Pflanzen überleben, bilden Samen und geben ihre Eigenschaften an die nächste Generation weiter.

Agroscope untersucht unter anderem die Resistenzsituation beim Ackerfuchsschwanz in der Schweiz. Die Ergebnisse zeigen, dass Resistenzen regional unterschiedlich auftreten. Häufungen finden sich vor allem in Gebieten mit schweren Böden, intensivem Ackerbau und langjährigem Einsatz gleicher Wirkstoffgruppen. Die Verbreitung ist deshalb nicht überall gleich, sondern hängt von der bisherigen Bewirtschaftung und dem Selektionsdruck ab.

Besonders relevant sind Resistenzen gegenüber:

HRAC 1 – ACCase-Hemmer
Beispiel: Pinoxaden (Axial) oder Fluazifop-butyl (Flusilade Max)
→ Hemmt ein wichtiges Enzym für die Fettsäurebildung und stoppt dadurch das Wachstum der Gräser.

HRAC 2 – ALS-Hemmer
Beispiele: Mesosulfuron + Iodosulfuron (Atlantis-Produkte)
→ Verhindert die Bildung wichtiger Aminosäuren, die für das Pflanzenwachstum benötigt werden.

Besonders problematisch sind Mehrfachresistenzen, wenn Ackerfuchsschwanz gegenüber beiden Wirkstoffgruppen unempfindlich ist. Dann stehen wichtige Blattwirkstoffe für die Bekämpfung nicht mehr zur Verfügung.

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