Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln soll sinken, doch die Einschätzungen zur Umsetzbarkeit einer Landwirtschaft ohne chemische Mittel gehen auseinander. Agroscope hat daher die präventiven Massnahmen und die nichtchemischen Bekämpfungsmöglichkeiten im Acker- und Freilandgemüsebau in einer Publikation zusammengestellt und deren Umsetzbarkeit aus Sicht Forschung bewertet.
Unkräuter können grundsätzlich mechanisch bekämpft werden, allerdings mit höherem Aufwand und stärkerer Abhängigkeit von Standort und Wetter. In Kulturen wie Weizen oder Mais reichen vorbeugende Massnahmen oft aus, sodass der Einsatz von Insektiziden und Fungiziden weitgehend vermieden werden kann. Viel schwieriger ist dies bei Raps, Kartoffeln, Zuckerrüben und Gemüse. Ansätze für alternative Methoden sind vorhanden, sie wirken jedoch oft weniger zuverlässig und sind mit Mehrkosten verbunden. Besonders im Gemüsebau sind die hohen Qualitätsanforderungen damit schwer zu erfüllen.
Angepasste Qualitätsstandards sowie ein Ausgleich erhöhter Produktionsrisiken und -kosten könnten die Umsetzung alternativer Massnahmen fördern. Dafür braucht es alle Akteure der Wertschöpfungskette. Gleichzeitig treibt Agroscope die Forschung voran.

Kommentar von Matija Nuic, Direktor VSGP: Jetzt wird die Debatte ungemütlich
Der Übersichtsartikel von Agroscope zum alternativen Pflanzenschutz sollte auch die Letzten aufhorchen lassen. Agroscope zeigt auf, dass es Alternativen gibt, aber nur in beschränktem Rahmen.
Die Suche danach ist aufwendig, teuer und von Misserfolgen begleitet. Etwas, was wir eigentlich schon lange wissen.
Und dennoch ist es in der überhitzten Debatte einer der wichtigsten Beiträge, diese Realität nüchtern aufzuzeigen. Im Gemüsebau ist die Forschung so weit an ihre Grenzen gelangt, dass sie die Branche auffordert, die Qualitätsnormen anzupassen. Als Vertreter dieser Branche hat Agroscope meine volle Hochachtung für diese deutlichen Worte.
Der Spielraum bei den Qualitätsnormen ist vonseiten Branche gegeben. Er endet dort, wo das Lebensmittelrecht und die Toleranz der KonsumentInnen Grenzen setzt. Die Pflanzenschutzdebatte der Spezialisten wird somit zu einer gesellschaftlichen Debatte. Agroscope nennt es «einen gewissen Schädlingsbesatz tolerieren». Im Klartext: Wir diskutieren nicht mehr, ob wir Blattläuse am Salat akzeptieren, sondern wie viele. Zyniker könnten anmerken, dass dann zumindest das viele Wasser zum Abwaschen rückstandsfrei ist.

