«Ich verliere ja nichts dabei, wenn ich das ausprobiere», sagt Andreas Wyss und erklärt, wie er darauf gekommen ist, auszutesten, ob die Kartoffelkäfer auf seinem Biobetrieb mit Minze fernzuhalten sind. «Grundsätzlich will ich gegen die Natur mit Natur vorgehen», sagt er. Ein zusätzlicher Grund für den Versuch sei auch die schlechte Verfügbarkeit von Novodor gewesen, dem bisher üblichen Mittel gegen den Kartoffelkäfer im Biolandbau, das jetzt aber vorläufig nicht mehr erhältlich ist (siehe Kasten unten). Auch Fragen von der Bevölkerung, wenn er mit der Spritze herumfährt, seien ihm unangenehm. Er habe dann gegoogelt und sei so darauf gekommen, dass der Kartoffelkäfer angeblich Minze meidet und sich gesagt, das könne man doch probieren.
Familie Wyss hat in Marbach LU einen Biobetrieb mit Schottischen Hochlandrindern, Agrotourismus sowie eine Fläche von ungefähr einer halben Hektare Kartoffeln. Diese verkaufen sie direkt ab Hof, wie auch das Fleisch der Hochlandrinder.
Sorten mit intensivem Aroma ausgewählt
Nun pflanzte Andreas Wyss dieses Jahr als Versuch auf drei Vierteln der Kartoffelanbaufläche Minzenstauden im Abstand von acht Metern in die Kartoffelreihen. Um die hundert Stauden zu setzen, hätten sie zu zweit etwa eine Stunde gebraucht. «Die Minzen kaufen wir als Setzlinge, mittlerweile sind sie etwa 40 cm hoch», sagt er.
Auf dem verbleibenden Viertel der Kartoffelfläche werde er einen Aufguss aus Minzeblättern spritzen. Um diesen auszubringen, hat er sogar eine eigene Spritze mit einem 100-Liter-Tank konstruiert, die er auf den Quad montieren kann. «Ich wählte Minzsorten mit einem intensiven Aroma», erklärt der Tüftler. Zu finden zwischen den Kartoffelstauden sind nun die Pfefferminze, die Gletscherminze, die Englische Minze sowie eine Sorte, die Grossmutterminze genannt wird.
Minze für Kunden und Kartoffeln
In Gartenratgebern auf dem Internet findet man den einen oder anderen Tipp, mit Minze gegen den Kartoffelkäfer vorzugehen. Doch ist auch erwiesen, dass es wirkt? «Die Minze müsste die Käfer verwirren, sodass sie die Lockstoffe der Kartoffel nicht riechen, das ist jedoch kaum erforscht», sagt Tobias Gelencsér, Kartoffel-Experte beim FiBL. Er ist skeptisch, dass die Minze Wirkung zeigt, findet es aber gut, dass es ausprobiert wird. Die umweltschonendste Art gegen den Kartoffelkäfer vorzugehen, sei mit dem Mittel Novodor. Es wirke sehr spezifisch, da es nur töte, wer die Blätter fresse, also nur die Kartoffelkäfer-Larven.
Ob sich die Minze auf dem Schottenhof bewährt, wird sich zeigen. «Ich kenne keine anderen Betriebe, die das machen. Das ist rein auf meinem Mist gewachsen. Ich bin ein Optimist», sagt Andreas Wyss. Im Hofladen werden sich die Kundinnen und Kunden sicher über die Erweiterung des Sortiments mit Minzentee freuen.
Wie geht es weiter mit Novodor?
Das im Bio zugelassene Mittel Novodor ist dieses Jahr in der Schweiz nicht verfügbar. Dies habe damit zu tun, dass in der EU die Zulassung abgelaufen sei, so Bernhard Stucki von der der Leu+Gygax AG. Grund dafür seien kompliziertere Zulassungsmodalitäten in Europa, die sich für die Firmen zum Teil nicht lohnen würden.
In der Schweiz ist Novodor noch zugelassen. Die Chance sei laut Stucki relativ gross, dass es nächstes Jahr hier wieder verfügbar sei.

