Es war kein einfacher Weg. Jahrelang hat Simmentaler Original versucht, mit bescheidenen Mitteln eine Premiummarke für die älteste Schweizer Zweinutzungsrasse zu etablieren. 2024 erhielt der Verein noch 175 400 Franken Bundesbeitrag – und schrieb trotzdem einen Verlust. Als der Bund 2025 den Hahn zudrehte, strich der Vorstand kurzerhand den Betriebsaufwand auf ein Drittel zusammen und schaffte so ein positives Ergebnis. Respekt verdient das allemal. Doch wer eine Marke voranbringen will, kann sich nicht gleichzeitig aushungern. Nicht in einem Markt, der sich gegen die Schweizer Rindviehhaltung zu drehen scheint.
An der 7. Vereinsversammlung vom 5. Mai 2026 in der Chemihütte in Aeschiried BE stimmten die Mitglieder deshalb einem strategischen Kurswechsel zu: Der Verein übergibt seine operativen, administrativen und kommunikativen Aufgaben an IP-Suisse und Mutterkuh Schweiz. Zwei Organisationen, die die Reichweite haben, die Simmentaler Original allein nie aufbauen konnte.
IP-Suisse und Mutterkuh Schweiz übernehmen das Steuer
Die Aufgabenteilung ist klar. IP-Suisse übernimmt künftig alles ausserhalb der Mutterkuhhaltung, Mutterkuh Schweiz jene Aufgaben, die direkt mit der Produktion in der Mutterkuhhaltung zusammenhängen. Damit ändert sich auch, wer Mitglied wo ist: Betriebe mit Mutterkuhhaltung werden künftig Mitglied bei Mutterkuh Schweiz, alle übrigen – Milchbetriebe, Mastbetriebe ohne Mutterkuhhaltung – bei IP-Suisse.
Entscheidend für die Produzenten: Eine Mitgliedschaft bei Simmentaler Original ist nicht mehr Voraussetzung für die Lieferberechtigung unter dem Gütesiegel. Die Lizenzgebühren werden proportional aufgeteilt, IP-Suisse und Mutterkuh Schweiz erhalten je 15 Prozent der Markenrechte.
Was das konkret für die Milchproduzenten bedeutet, wollte René Ryser, Geschäftsleiter der Molkerei Gstaad, sofort wissen: Müssen künftig alle die Bedingungen für Wiesenmilch erfüllen? Andreas Stalder, Präsident von IP-Suisse, nickte. Die Milch müsse nach Wiesenmilchstandard produziert werden. Die formelle Genehmigung durch den IP-Suisse-Vorstand steht noch aus. Der Vorstand wird am 7. Mai darüber befinden. «Eine Formsache», wie Stalder ergänzte. Personell besiegelt wurde die Partnerschaft mit der Wahl von Tamara Roos in den Vorstand, Verantwortliche für Tierhaltung bei IP-Suisse und erste Frau in diesem Gremium.

«Die Balance fehlt» – zu viel Milch, zu wenig Fleisch
Den Kontext für diesen Entscheid, einen neuen Weg zu beschreiten, lieferte Präsident Josef Dähler mit einer einfachen, aber wirkungsvollen Folie: eine Waage, auf der die Milchseite klar überwiegt. «Die Balance fehlt», sagte er. Die Milchproduktion 2025 wuchs um 2,8 Prozent, der Inlandanteil beim Fleisch der Rindergattung sank im gleichen Zeitraum von 84,4 auf 80,1 Prozent. Fast 80 Prozent der Rindfleischproduktion stammen aus dem Milchviehkanal. Dass die Branche trotzdem vor allem auf Milch setze, ergebe schlicht keinen Sinn. Durch den Einkaufstourismus gehen der Schweiz mehrere Milliarden Franken verloren. Die Lösung sieht Dähler hier aber nicht im Klagen, sondern im Handeln.
Bach: Der Milchmarkt verzeiht keine drei Prozent zu viel
Simon Bach, zuständig für die Vermarktung, legte nach. Der frisch gewählte SVP-Grossrat des Kantons Bern und angehende Betriebsleiter eines Milchwirtschaftsbetriebs im Berner Oberland weiss, wovon er spricht: In einem volatilen Markt reichen 3 Prozent Mengenabweichung, um eine ganze Branche in Schieflage zu bringen. Der Milchmarkt brauche Korrekturen, ist er sicher.
Von der Milch zurück zum Fleisch: Das Rindfleischangebot stieg 2025 um 6,2 Prozent, der Inlandanteil sank auf 77,4 Prozent. Allein 43 000 Tonnen Kühe in Hälften wurden importiert – mehrheitlich Simmentaler, die die Schweiz früher selbst exportiert hatte.
Trotzdem stimmt die Richtung beim Bankvieh. 2025 wurden 3598 Tiere unter dem Gütesiegel geschlachtet, davon allein 1589 aus dem Kanal Milchvieh/Grosshandel. Vier Produkte sind bei Coop gelistet, der mögliche Frontumsatz liegt bei 4 Millionen Franken. Bei den Schlachtkühen ist die Luft noch dünn. Die Tiere sind da, sie müssen nur konsequenter in den richtigen Kanal geführt werden.
Herdebuch unter Druck – aber die Rasse hat Potenzial
Dass der Simmentaler seinen Platz hat, davon ist Josef Dähler überzeugt. Die Rasse sei eine Weltmarke. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte: Der Herdebuchanteil bei Swissherdbook sank auf 9,4 Prozent, nach 10,1 Prozent noch 2019. Ein Lichtblick ist Mutterkuh Schweiz, wo der Simmentaleranteil von 8,1 auf 9,2 Prozent gestiegen ist. Die Rasse taugt für beide Produktionssysteme, wenn die Marktbedingungen stimmen.
Genau dafür soll die neue Partnerschaft nun sorgen. Für 2026 budgetiert Simmentaler Original Gesamterträge von 180 000 Franken – mehr als das Doppelte des Vorjahres. Mit IP-Suisse und Mutterkuh Schweiz als operative Träger soll das keine Wunschzahl bleiben. Die Balance, nämlich die ausgeglichene Waage, die Dähler auf seiner letzten Folie zeigte, muss jetzt erarbeitet werden. IP-Suisse und Mutterkuh Schweiz sind gefordert.

