Das Jahr war für die Schweizer Hagel schon vor dem 28. August schwierig. Dann kam der Hagelzug. «Innerhalb von zwei Stunden war das Jahr plötzlich katastrophal», sagte Gaylor Monnerat, Country Manager Switzerland, an der Medienkonferenz vom Mittwoch in Zürich.
Rund 1500 Schadenmeldungen gingen nach dem Unwetter ein, einzelne Kulturen wurden vollständig zerstört. Insgesamt erwartet der Agrarversicherer für 2026 rund 5800 Schadenmeldungen und eine Schadensumme von 59,2 Millionen Franken (Stand 21. September). 48 Prozent davon entfallen auf Hagel, 45 Prozent auf Trockenheit, der Rest auf übrige Elementarschäden.
Mais ohne Kolben
Laut Meteo Schweiz waren die Monate April bis August so trocken und heiss wie nie seit Messbeginn im Jahr 1901. Erste Schadenmeldungen gingen bereits im Juni ein, vor allem bei Winterweizen und Raps. Die Befürchtungen bestätigten sich allerdings nicht, die Erträge der Winterkulturen lagen im Durchschnitt der letzten Jahre.
Hart getroffen wurden hingegen die Sommerkulturen Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Sonnenblumen. «Mais ohne Kolben ist ein Verlust. Da nützt es nichts, wenn die Pflanzen gross sind», so Gaylor Monnerat. Zu schaffen machte nicht nur der fehlende Niederschlag, sondern auch die Hitze. Am 30. Juli, dem heissesten Tag des Jahres, wurden vielerorts über 34 Grad gemessen.
Baselland unter den Spitzenreitern
Die grösste gemeldete Schadenfläche im Ackerbau verzeichnet die Waadt mit rund 7800 Hektaren. Das liegt auch daran, dass sich in der Westschweiz nach mehreren trockenen Jahren mehr Betriebe gegen Trockenheit versichert haben. Gemessen an der versicherten Fläche liegen Neuenburg, Jura und Baselland vorne: Dort wurde für fast drei Viertel der versicherten Fläche ein Schaden gemeldet. Im Kanton Bern waren es 46 Prozent.
Zehn Jahre ohne Schaden
Am deutlichsten zeigt sich die Lage bei den parametrischen Produkten «Gras Klima» und «Acker Regen». Sie beruhen nicht auf Schätzungen im Feld, sondern allein auf meteorologischen Daten. Weil der Versicherungsschutz bis Ende Herbst läuft, liegen erst provisorische Zahlen vor.
Klar ist aber schon jetzt: Pro Franken Prämie zahlt die Schweizer Hagel rund zehn Franken Schaden aus. «Wir müssten zehn Jahre ohne Schaden haben, um durchzukommen», sagte Direktor Adrian Aebi. Eine Anpassung der Prämien schliesst das Unternehmen nicht aus.
Heute sind 16,8 Prozent der offenen Ackerfläche der Schweiz gegen Trockenheit versichert. Auch im Ausland war die SH-Group stark gefordert. In Frankreich führten Hitze und Trockenheit zu grossen Ernteverlusten. In früheren Jahren habe dort der Herbst jeweils noch etwas gerettet, dieses Jahr nicht, sagte Aebi. Im französischen Jura sei alles braun, entschädigt werden müssten auch ausgefallene Herbstschnitte. In Italien verursachten Hitze und schwere Hagelzüge grosse Schäden. Die Gruppe rechnet für 2026 mit dem schlechtesten Ergebnis seit 2021 und deckt den Verlust über ihre Reserven.
«50 % Selbstversorgung niemals erreichen»
Aebi warnte, der Hitzesommer 2003 könnte zum Normalfall werden. Dann müsse man sich fragen, wie überhaupt noch Landwirtschaft betrieben werden könne. «So werden wir die in der AP30+ geforderten 50 Prozent Selbstversorgung niemals erreichen können.» Was zu tun sei, wisse man seit Jahrzehnten. Nötig seien Taten statt neuer Gremien, Studien und Konzepte.
Tarife nach Bewirtschaftung?
Mit dem Förderangebot «HagelAdapt» unterstützt die Schweizer Hagel Massnahmen, welche die Klimaresilienz erhöhen: wassersparende Bewässerung, Weiterbildungen in regenerativer Landwirtschaft und neu zwei Projekte, einen Kultur- und Sortenversuch im Zürcher Oberland und ein Beratungsprojekt der HAFL zu Strohmulch in Fruchtfolgen mit Kartoffeln.
Im Hintergrund prüft das Unternehmen, «HagelAdapt» näher an die Versicherungsprodukte zu bringen, etwa über managementabhängige Tarife. «Über Standortwahl und Management hat man Einfluss auf das Risiko», sagte Bettina Koster, Leiterin Nachhaltigkeit bei der Schweizer Hagel.

Lumpy Skin neu Teil der Rindviehversicherung
Die Schweizer Hagel hat 2026 ihre Rindviehversicherung vollständig überarbeitet. Das Produkt wurde vereinfacht und deckt neu auch Tierseuchen wie die Blauzungenkrankheit und die Lumpy Skin Disease ab. Nicht versichert ist hingegen das Shamonda-Virus, das diesen Sommer aufgetreten ist: Als neu auftretende Krankheit ist es in der Schweiz noch nicht als regulierte Tierseuche eingestuft.

