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Neue Präsidentin für AOP-IGP Schweiz - Der Herkunftsschutz gerät international unter Druck

Die Freiburger Ständerätin Isabelle Chassot übernimmt das Präsidium der Vereinigung Schweizer AOP-IGP. Das ist die Dachorganisation der Schweizer Herkunftsbezeichnungen. Sie vertritt die Interessen von über 40 Schweizer AOP- und IGP-Produkten, fördert deren Bekanntheit und setzt sich für den rechtlichen Schutz im In- und Ausland ein.

Die Schweizerische Vereinigung AOP-IGP (Appellation d’Origine Protégée und Indication Géographique Protégée) blickt auf ein solides Jahr zurück. Trotz US-Zöllen und schwieriger Exportbedingungen stieg die Produktion der geschützten Spezialitäten leicht an. Gleichzeitig wächst der internationale Druck auf den Herkunftsschutz. An der Generalversammlung in Bern übergab Benedikt Würth nach sechs Jahren das Präsidium an Ständerätin Isabelle Chassot. Sie kündigte an, sich mit Nachdruck für die Schweizer Herkunftsbezeichnungen einzusetzen.

Die Schweizer AOP- und IGP-Spezialitäten behaupteten sich 2025 in einem anspruchsvollen Marktumfeld. Die Gesamtproduktion erreichte 66 520 Tonnen und lag damit 0,9 Prozent über dem Vorjahr. Besonders die exportorientierten Käsesorten legten um 1,3 Prozent zu, während Fleischspezialitäten leichte Einbussen verzeichneten. Der starke Franken und die zusätzlichen US-Zölle belasteten den Export allerdings spürbar.

An der Generalversammlung der Schweizerischen Vereinigung AOP-IGP stand neben den Jahreszahlen vor allem die Zukunft des Herkunftsschutzes im Zentrum. Präsident Benedikt Würth zog eine positive Bilanz seiner sechsjährigen Amtszeit. «Ich habe mich immer sehr gerne für die Ziele und Werte unserer Vereinigung eingesetzt», sagte der St. Galler Ständerat. Auch künftig wolle er sich politisch für den Schutz der Herkunftsbezeichnungen engagieren.

Würth tritt nach sechs Jahren zurück

Benedikt Würth hatte sich zum Rücktritt entschlossen, nachdem er das Präsidium der Züger Frischkäse AG übernommen hatte. Er wolle klare Verhältnisse schaffen und mögliche Interessenkonflikte vermeiden. Eine Findungskommission unter Leitung von Vizepräsident Olivier Isler suchte deshalb nach einer Nachfolge.

Die Wahl fiel auf die Freiburger Ständerätin Isabelle Chassot. Die Juristin war von 2013 bis 2021 Direktorin des Bundesamtes für Kultur und gehört im Ständerat, wie Würth auch, der Aussenpolitischen Kommission sowie der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur an.

Chassot nahm die Wahl mit sichtbarer Freude an. «AOP und IGP sind weit mehr als Labels. Sie stehen für Identität, Know-how und Wertschöpfung in den Regionen», erklärte sie. Sie wolle die verschiedenen Terroirs der Schweiz besser kennenlernen und sei auf die Unterstützung von Vorstand und Geschäftsstelle angewiesen. «Es sind grosse Fussstapfen, in die ich trete, aber ich werde mich mit Überzeugung für diese Aufgabe einsetzen.»

USA setzen Schutzsystem unter Druck

Ein zentrales Thema der Versammlung waren die internationalen Verhandlungen zum Schutz geografischer Angaben. Die Schweiz setzt sich dafür ein, dass AOP- und IGP-Bezeichnungen in Freihandelsabkommen verbindlich geschützt werden. Dies gelang beispielsweise im Mercosur-Abkommen, wo 110 Schweizer Bezeichnungen auf einer Schutzliste stehen, darunter Gruyère und Sbrinz.

Weniger einfach gestaltet sich die Situation in Asien. Bei den laufenden Verhandlungen mit Vietnam sei der Druck aus den USA gross, erklärte das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum. Die Vereinigten Staaten versuchten, traditionelle Bezeichnungen als Gattungsnamen zu behandeln und damit den Schutz zu schwächen. Ähnliche Herausforderungen zeichneten sich bei künftigen Verhandlungen mit Thailand, Malaysia, Mexiko oder Kanada ab.

Die Schweiz dürfe sich in dieser Frage nicht isolieren, hiess es an der Versammlung. Deshalb werde die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie «Origin», die sich für geografische Herkunftsangaben einsetzt, und der Weltorganisation für geistiges Eigentum weiter ausgebaut.

Isabelle Chassot verwies auf bestehende Lücken im internationalen Schutzsystem. «Der Fall von neuseeländischem Käse, der als Gruyère in Thailand verkauft wird, zeigt, dass wir weiterhin wachsam bleiben müssen», sagte sie. Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft müsse verstehen, dass der Schutz geografischer Herkunftsangaben keine Randfrage sei.

Bekanntheit nimmt weiter zu

Die Vereinigung zählt heute 25 AOP- und 16 IGP-Produkte. Der Bekanntheitsgrad der AOP-Labels stieg 2025 auf 69 Prozent, jener der IGP-Produkte auf 45 Prozent. Besonders erfreulich entwickelte sich die Deutschschweiz, wo sich der Abstand zur Romandie weiter verkleinerte.

Die Kampagne «Der Ruf des Geschmacks» erwies sich als Erfolg. Erstmals seit fünf Jahren wurde Fernsehwerbung als Werbekanal genutzt. Insgesamt wurden über 32 Millionen Kontakte erzielt. Die Zustimmung zur Kampagne lag in der Deutschschweiz bei 72 Prozent und in der Romandie sogar bei 80 Prozent. 135 Restaurants beteiligten sich an den Schweizer Spezialitätenwochen. Der Werbewert erreichte 1,55 Millionen Franken bei einem Mitteleinsatz der Branchen von 439 000 Franken.

Ab 2026 sollen zusätzlich Radiospots ausgestrahlt werden. Gleichzeitig setzt die Vereinigung bewusst auf Authentizität. Videos mit «echten Menschen» sollen den zunehmenden Einfluss künstlich erzeugter Inhalte ausgleichen. Gemeinsam mit Schweiz Tourismus wird zudem der «Culinary Grand Tour Suisse» lanciert. «Wir wollen die kulturellen und touristischen Werte unserer Spezialitäten noch stärker hervorheben», erklärte Geschäftsführer Alain Farine.

Neue Präsidentin für AOP-IGP Schweiz - Der Herkunftsschutz gerät international unter Druck
Die Gruppe um den Winzer Philibert Frick (ganz rechts) demonstriert mit ihrem alten VW-Bus nicht gegen etwas, sondern für den Schweizer Wein.

Mehr Mittel für die Verteidigung des Herkunftsschutzes

Der Voranschlag 2026 sieht Ausgaben von insgesamt 2,929 Millionen Franken vor. Die Mittel für die Interessenvertretung werden erhöht. Für die internationale Organisation «Origin» werden neu 75 000 Franken bereitgestellt. Damit reagiert die Vereinigung auf den zunehmenden Druck aus den USA.

Sorgen bereitet allerdings die angekündigte Kürzung der Bundesmittel. Das Bundesamt für Landwirtschaft wird die Unterstützung ab 2027 um rund 171 000 Franken reduzieren. Entsprechend wird die Vereinigung ihre Finanzierung und ihre Aktivitäten neu überprüfen müssen.

Mit dem Wechsel an der Spitze und den zunehmenden handelspolitischen Spannungen steht die Schweizer Vereinigung AOP-IGP vor wichtigen Aufgaben. Für Isabelle Chassot ist die Richtung klar: «Die Herkunftsbezeichnungen sind Teil unserer Kultur und unserer Wertschöpfung. Dafür müssen wir uns aktiv einsetzen.»

Demonstration für Schweizer Wein am Rande der GV

Zufällig haben sich, am Rande des Anlasses, vor dem Tagungsgebäude Menschen versammelt, die sich für den Schweizer Wein einsetzen. Die Gruppe um den Winzer Philibert Frick macht, mit der Unterstützung von über 1000 Winzern, eine Kampagne in Bern, um Importeuren und Politik zu begegnen. Sie fordern eine Reduktion der Wein-Billigimporte und eine bessere Unterstützung für die einheimischen Winzer.