In Zukunft werden Wetterextreme zunehmen, die für die Landwirtschaft durchaus problematische Folgen haben können. Pierluigi Calanca, Experte für Agrarmeteorologie an der Agroscope, erklärte an der nationalen Ackerbautagung in Grangenauve FR wie diese aussehen können:
«Es sind längere Wärmeperioden zu erwarten, die die Wachstumsphasen der Kulturen verkürzen.» Bei Weizen bedeute dies weniger Zeit beim Ährenschieben und der Abreife, was sich negativ auf den Ertrag und den Proteingehalt auswirke. Im Kartoffelanbau sei ein schnelleres Auflaufen der Knollen im Frühjahr zu erwarten, worauf zukünftig mit früheren Pflanzterminen reagiert werden müsse.
Die chemische Bekämpfung wird schwieriger
Weiter nennt Pierluigi Calanca als Folge des Temperaturanstieges: Hitzestress, Wassermangel sowie Erosion durch extreme Niederschläge. Zudem nehmen wärmeliebende Unkräuter zu, deren Bekämpfung bei aktuell eingeschränkter Herbizidauswahl zur Herausforderung wird – neue Unkrautbekämpfungsstrategien werden deshalb nötig sein.
Pilzkrankheiten und Schädlinge werden zunehmen – das gilt für bereits vorhandene und neue. «Im Kartoffelbau werden wir vermehrt mit der Dürrfleckenkrankheit (Alternaria) zu kämpfen haben. Auch der Kartoffelkäfer und Drahtwurm ist auf dem Vormarsch», prognostiziert Karsten Buhr von der Europlant Pflanzenzucht GmbH. Österreich hätte bereits Probleme mit der Stolbur-Welkekrankheit und der bisher unbekannte Kartoffelfloh oder die Kartoffelmotte breiten sich von Südeuropa aus. Zurück ist auch der Kartoffelkrebs.
«Wir müssen uns bewusst sein, dass solche Erreger an der Tür stehen und anklopfen», warnt Buhr. Die chemische Bekämpfung mit Fungiziden und Insektiziden wird hinsichtlich zunehmender Pflanzenschutzmittel-Verbote schwieriger.
Ist Pflanzenzucht die Lösung?
Die Pflanzenzüchtung muss an das veränderte Klima angepasst werden, sagt Christoph Carlen von Agroscope. Das sei im Grunde kein Problem und würde auch nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, wenn man sich nur auf die Resistenz gegenüber Umweltextremen fokussiert. Wenn aber noch andere Merkmale wie Qualität, Standfestigkeit und Geschmack berücksichtigt werden müssen, reden wir von einem Zeitraum von neun bis zehn Jahren mit den üblichen Züchtungsmethoden bis eine Sorte marktfähig ist, sagt Karsten Buhr von der Europlant Pflanzenzucht GmbH.
Deutlich weniger Zeit benötige das Genome Editing mit Crispr/Cas9. Es macht gezielte punktuelle Mutationen möglich, wie sie auch in der Natur entstehen können und stellt eine grosse Chance im Hinblick auf sich ändernde Klimabedingungen dar. In der Schweiz und in der EU dürfen gentechnisch veränderte Organismen (GVO) allerdings nicht eingesetzt werden. Dies, weil die Gesellschaft nach klassisch gezüchteten Sorten fordert. GVO passt hier aus der Sicht des Konsumenten nicht dazu, so Christoph Stalder von der Jowa AG.
No-Till gegen den Klimawandel
Ein intensiv bearbeiteter Boden benötigt mehr Wasser. «Ein unbearbeiteter Boden nutzt in ausgeprägten Trockenperioden die Wasserressourcen sparsamer dank höherem Speichervermögen sowie einer kontinuierlichen Wassernachlieferung», erklärt Reto Minder, Landwirt und Präsident von Swiss No-Till, der Schweizerischen Gesellschaft für bodenschonende Landwirtschaft. Um die Ressourcen rücksichtsvoll zu nutzen, empfiehlt er die konservierende Landwirtschaft. Sie beruht auf drei Prinzipien: Bodenruhe durch minimale Bodenbearbeitung – dies fördert Mykorrhiza-Pilze, die Bodennährstoffe besser erschliessen –, die permanente Bodenbedeckung mit Ernterückständen und Lebendmulch – sie schützt den Boden vor Sonneneinstrahlung, vermindert die Verdunstung von Bodenwasser, absorbiert Niederschlagswasser und lässt es langsamer versickern –, sowie diverse Fruchtfolgen mit Gründüngung und Untersaaten. Über die Jahre könnten die Kulturen so eine erhöhte Resilienz gegenüber Wetterextremen aufbauen. Ein stabiler Ertrag sei zu erwarten.
Es sind zudem Anpassungen beim Anbau notwendig. Dies schliesst eine optimierte Fruchtfolge mit Leguminosen und Mischkulturen sowie eine gezielte Bewässerung beispielsweise mit Bodensonden ein. Alternative Kulturen könnten zudem ein Teil der Lösung sein: Beispielsweise weisen Sorghum, Amaranth, Linsen, Rispenhirse, Buchweizen, Hanf und Soja eine gute Toleranz gegenüber Trockenheit vor.
Die 7. nationale Ackerbautagung wurde von der Plattform Ackerbau Schweiz (PAG-CH) organisiert. Die Federführung hatte die Agridea. Alle Präsentationen und Informationen finden Sie hier.

