Vergangene Woche hat der Bundesrat der Landwirtschaft rund sechs Millionen Franken mehr zugesprochen (wir berichteten). 2,5 Millionen Franken sollen in die Arbeit des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) fliessen, 500 000 Franken in das beschlossene Kompetenzzentrum Boden. Mit drei Millionen Franken wird die Umsetzung der Motion Hausammann finanziert. Diese forderte 2018, die Schweizer Pflanzenzüchtung zu stärken und das Budget dementsprechend zu erhöhen. BLW-Vizedirektorin Gabriele Schachermayr hat der BauernZeitung dazu Red und Antwort gestanden.
Frau Schachermayr, Markus Hausammann (SVP/TG) forderte Anfang 2018, seine Motion für das Jahr 2019 umzusetzen. Warum konnte es zeitlich nicht realisiert werden?
Gabriele Schachermayr: Die Motion wurde erst am 6. Dezember 2018 von den Eidgenössischen Räten angenommen. Zu diesem Zeitpunkt war der Finanzhaushalt des Bundes für das Jahr 2019 bereits erstellt und verabschiedet. Die Mittel konnten daher erst für das Jahr 2020 beantragt werden.
Nun hat der Bund vergangene Woche einer Erhöhung des Budgets für die Pflanzenzüchtung zugestimmt. Müssen jetzt andere Bereiche kürzertreten?
Die vorgesehenen drei Millionen für die Pflanzenzüchtung werden nicht aus dem Kredit «Direktzahlungen Landwirtschaft» umgelagert, sondern der Plafond, der Beitrag für Pflanzen- und Tierzucht, wird erhöht.
Wie viel Geld wird bisher in die Pflanzenzüchtung investiert und wer profitiert davon?
Von den insgesamt rund zehn Millionen Franken werden heute rund vier Millionen Franken für die öffentlichen Züchtungsprogramme und -arbeiten bei der Agroscope aufgebracht. Sechs Millionen Franken werden von privaten Züchtern für ihre Pflanzenzüchtungsprogramme aufgewendet. Für die Förderung der Pflanzenzüchtung aus der Motion Hausammann sollen private wie auch öffentliche Pflanzenzüchter von den zusätzlichen Mitteln und dem gemeinsamen Kompetenznetzwerk profitieren können.
Wann steht den Pflanzenzüchtern das erhöhte Budget zur Verfügung?
Ab 2020. Dabei ist zu berücksichtigen, dass eine ordnungsgemässe Vergabe der Mittel eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird.
Welche Voraussetzungen müssen Züchter erfüllen, um diese Unterstützung zu erhalten?
Die finanziellen Mittel sollen auf der Grundlage der Strategie Pflanzenzüchtung 2050 und gemäss den Anforderungen des Subventionsgesetzes sowie von Artikel 140 des Landwirtschaftsgesetzes vergeben werden.
Was genau bedeutet das für die Pflanzenzüchter?
Grundsätzlich müssen die Pflanzenzüchter für die Gewährung von Subventionen ein schriftliches Gesuch beim Bundesamt für Landwirtschaft einreichen. Das Bundesamt wird im Frühjahr 2020 konkrete Angaben zur Priorisierung, Gesuchstellung und Förderung von Projekten machen. Die fachliche Grundlage für die Vergabe der Mittel stellt die Strategie Pflanzenzüchtung 2050 dar. Für Akteure im züchterischen Umfeld dient sie als Orientierungshilfe bei der Festlegung eigener Strategien.
In Zahlen
3,55 Milliarden Franken beträgt das Bundesbudget für die Landwirtschaft.
6 Mio Franken mehr hat der Bundesrat genehmigt.
3 Mio Franken davon gehen ab der zweiten Jahreshälfte 2020 in die Pflanzenzüchtung.
10 Mio Franken werden heute bereits für die Pflanzenzüchtung eingesetzt.
Zurück zum Kompetenznetzwerk, das ebenso Bestandteil der Motion ist. Wie weit ist man damit?
Damit der Bund den Aufbau und Betrieb unterstützen kann, muss eine rechtliche Grundlage geschaffen werden. Dazu wird in der Botschaft zur AP 22+ ein entsprechender Artikel vorgeschlagen. Ein Projekt zur Realisierung dieses Kompetenznetzwerkes wurde initialisiert.
In Deutschland werden etwa 200 Millionen Euro pro Jahr in die Pflanzenzüchtung investiert. Warum werden hierzulande so wenig Mittel eingesetzt?
Die Standortverhältnisse und Vermarktungsanforderungen sind in der Schweiz sehr kleinräumig strukturiert. Damit sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für spezifisch darauf ausgerichtete Zuchtprogramme schwierig. Aus diesem Grund hat der Bund bereits vor Jahrzehnten in öffentliche Zuchtprogramme von ausgewählten Kulturarten investiert. Vor dem Hintergrund der nachgelagerten Wertschöpfungsprozesse leisten diese heute einen bedeutenden gesamtgesellschaftlichen Mehrwert.
Interview (schriftl.) Katrin Erfurt

