Als Hanspeter Egli im Februar 2026 als VMMO-Präsident zurücktrat, geschah das sehr abrupt – ohne Erklärung und auch ohne Abschied. An der Delegiertenversammlung vom 10. April in Mörschwil SG, die Eglis 20-jähriges Wirken für den Verband hätte würdigen sollen, blieb der Stuhl des langjährigen Präsidenten leer. Auch Geschäftsführer Markus Berner war abwesend. Er hatte gekündigt. Die Versammlungsleitung unter Vizepräsident Urs Werder verweigerte jede Auskunft zu den Hintergründen. Delegierte forderten Transparenz, erhielten sie aber nicht.
Inzwischen ist etwas Gras darüber gewachsen und Hanspeter Egli spricht erstmals mit der BauernZeitung. Die Antworten des 60-jährigen Milchbauern aus Trachslau SZ zeigen: Der Bruch kam schnell, und er sass tiefer, als nach aussen kommuniziert wurde. Eglis Rücktritt bei den Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO) hatte auch Folgen für die Schweizer Milchproduzenten: An der SMP-Delegiertenversammlung vom 16. April 2026 in Bern wurde er als Vizepräsident verabschiedet. Reto Schaufelberger, sein Nachfolger an der VMMO-Spitze, übernimmt seither auch den SMP-Vorstandssitz.
Hanspeter Egli, nun ist etwas Gras über die Sache gewachsen. Sie haben die VMMO 20 Jahre lang geführt und sind dann abrupt abgetreten, ohne dass je eine Erklärung folgte. Was ist damals wirklich passiert?
Hanspeter Egli: Es gab im Präsidium unterschiedliche Ansichten über die operative Führung des Personals und über die strategische Weiterentwicklung unserer Organisation.
Sie waren nicht an der Delegiertenversammlung und kein Vorstandsmitglied ergriff das Wort, um Ihr 20-jähriges Wirken zu würdigen. Wie haben Sie das aus der Distanz wahrgenommen?
Da die Differenzen im Präsidium angesiedelt waren und mir kurzfristig keine Möglichkeit geboten wurde, meinen Nachfolger auf sein neues Amt vorzubereiten, entschied ich mich eigenständig – und auch für mich überraschend – für den sofortigen Rücktritt. Dass an der Jubiläumsdelegiertenversammlung keine Ehrungen vorgenommen wurden und auch ich nicht verabschiedet wurde, war ein Entscheid der Versammlungsleitung.[REL 1]
Neben Ihnen kündigte auch Geschäftsführer Markus Berner, sechs weitere Vorstandsmitglieder demissionierten. Was bedeutet dieser Aderlass für einen Verband, dessen Mitglieder gerade unter extremem Druck stehen?
Welches Arbeitsverhältnis zu Geschäftsführer Markus Berner besteht, müssen die jetzigen Verantwortlichen beantworten.
Dass sechs weitere Vorstandsmitglieder zurücktraten, zeichnete sich bereits seit der Vorbereitung der Neuwahlen im Mai 2025 ab. Einerseits gab es Rücktritte infolge des Erreichens der Altersgrenze, andererseits durch langjährige Mitarbeit im Vorstand. Die Nachfolger konnten bereits an unseren Mitgliederveranstaltungen, die ab Ende Oktober 2025 stattfanden, vorgestellt werden.
Sie haben die VMMO von Anfang an mitgeprägt. Was war Ihr grösster Erfolg in 20 Jahren – und wo blieb manches auf der Strecke?
Unsere Organisation durfte an dieser DV ihr 20-jähriges Jubiläum feiern. Das ist in dieser Welt ein junges Alter. Meinem Vorgänger und späteren SMP-Präsidenten Hanspeter Kern gelang es, die Mitglieder des Milchverbandes Winterthur und St. Gallen-Appenzell zu vereinen und einen guten Grundstein zu legen.
In meiner Zeit erreichte die VMMO, dass sie national als starke und gut aufgestellte Organisation wahrgenommen wurde. Erstmals konnte ein Sitz im SMP-Ausschuss und anschliessend sogar das Vizepräsidium besetzt werden. Auch der SMP-Sitz im Vorstand der BO Milch konnte erstmals durch einen VMMO-Vertreter besetzt werden.
Schwierig war sicher die Zeit, in der auf freiwilliger Basis der Einzug Lacto Fama gemacht wurde. Obwohl grosses Verständnis für diesen Einzug herrschte, gab es auch grosse Kritik. Dies kostete unseren Verband etliche Mitglieder. Das war wirklich eine sehr anspruchsvolle Zeit.
78 Rappen A-Richtpreis, Butterlager 40 Prozent über Vorjahr, Milchpulverlager über 55 Prozent über Vorjahr, Produktion auf dem höchsten Stand seit 2015 – von Entlastung keine Spur. Was hätte die Branche früher tun müssen, und was muss sie jetzt tun?
Die Schuld für die schwierige Situation auf dem Milchmarkt nur den Produzenten zuzuschieben, greift sicher zu kurz. Wir hatten nicht nur in der Schweiz 2025 sehr gute Futterbedingungen, sondern auch im umliegenden Ausland. Dann kamen in den Märkten Europa und USA Währungseinbrüche dazu, die uns den Export von Milchprodukten erschwerten und auf der Gegenseite die Importe attraktiver machten.
Am Nordrand der Schweiz führte die Blauzungenkrankheit zu einer Verschiebung der Abkalbungen. All das führte zu grossen Verarbeitungsmengen im Industriebereich. Genau hier wurden in der jüngeren Vergangenheit Verarbeitungskapazitäten abgebaut.[REL 2]
Dann müssen wir eingestehen, dass zwar alle Milchmarktorganisationen mehr Milch in die Verarbeitung geliefert haben, aber aufgrund ihres Portfolios nicht alle gleich von der schwierigen Marktsituation betroffen waren.
Die BO Milch hat bereits erstmals Ende 2024 Massnahmen beschlossen, dann auch wieder 2025. Die Mengen haben sich inzwischen auch reduziert.
Wenn die Milchwirtschaft eine Zukunft haben soll, müssen die von der Branche erarbeiteten Lösungen zwingend politische Unterstützung erhalten.
Delegierte wie Sandy Bossert haben laut nach Transparenz gerufen. Wie hätte der Vorstand mit Ihrem Abgang umgehen sollen, damit das Vertrauen der Basis erhalten bleibt?
Wie bereits gesagt, hat die Versammlungsleitung über den Ablauf der Tagung entschieden. Es liegt nicht an mir, diesen Entscheid zu kommentieren.
Was raten Sie Ihrem Nachfolger Reto Schaufelberger – und was wünschen Sie den Milchbauern in der Mitte-Ost?
Reto ist ein junger, gut ausgebildeter Milchbauer. Er braucht von mir keine Ratschläge. Selbstverständlich stehe ich ihm für Fragen jederzeit zur Verfügung. Ich wünsche ihm viel Freude und Genugtuung in diesem interessanten, anspruchsvollen und auch schönen Amt. [REL 3]

