Am 20. Juni treffen sich in Riggisberg BE Milchbauern, Funktionäre und Medienschaffende zur Pressekonferenz des Bernischen Bäuerlichen Komitees (BBK) und des Bäuerlichen Zentrums Schweiz (BZS). Thema: Butter- und Käseimporte. Stimmung: kämpferisch. Programm: bereits gedruckt.

Der durchgestrichene Boris Beuret

Zu gedruckt: Punkt 5 des Programms trug den Namen von Boris Beuret, Präsident der Schweizer Milchproduzenten. In der Vergangenheitsform, weil sein Name inzwischen durchgestrichen ist. Fakt ist: Er hatte gar nie zugesagt, sondern einfach zeitnah dankend abgesagt. Angefragt wurde er offenbar erst, nachdem die Einladungen bereits gedruckt waren. Für einen Neudruck hat es dann nicht mehr gereicht. Also griff man zum Rotstift. Beuret weg.

Das ist eine eigenwillige Reihenfolge. Drucken. Versenden. Fragen. Streichen. Irgendwo zwischen Optimismus und Optimismus.[IMG 1]

Wobei der durchgestrichene Beuret nicht das einzige Rätsel auf dem Programm ist. Punkt 4 fragt: «Wie steht die BOM zu uns Bauern?» Antwort geben soll Heinz Siegenthaler – der allerdings keinen Einsitz in der BOM hat. Peter Hegglin, BOM-Präsident, braucht es da offenbar nicht. Das kann Siegenthaler selbst.

Boris Beuret sieht das gelassen. Er begründet seine Absage inhaltlich: Er habe an dieser Konferenz nichts Neues zu sagen. Was zu sagen war, sei mehrfach kommuniziert worden. Sich zu wiederholen, bringe wenig. Und er sehe sich an dieser Pressekonferenz schlicht nicht am richtigen Platz. Er wurde auf ein Programm gesetzt, das nicht seines war, für eine Botschaft, die nicht seine ist, an einem Anlass, dem er nie zugestimmt hat. Der Rotstift war das Mindeste.

Albert Rösti erfuhr es aus der BauernZeitung

Eine kurze Erinnerung für alle, die Einladungen drucken: Eine Pressekonferenz ist eine gemeinsame Kommunikation. Man lädt Medien ein – keine Referenten. Referenten sind die Veranstaltenden. Oder Referenten sind gefragt worden, haben zugesagt, und stehen dann – und erst dann – auf dem Programm. In dieser Reihenfolge. Fragen. Zusagen. Drucken. Nicht umgekehrt.

Das BBK ist in dieser Disziplin geübt. In der Vergangenheit erfuhren Referentinnen und Referenten mitunter erst via BauernZeitung, dass sie am kommenden Donnerstagabend irgendwo im Emmental über die Niederungen der Bundesverwaltung referieren würden. Bundesrat Albert Rösti, einst SMP-Direktor, soll sich in dieser Rolle ebenfalls wiedergefunden haben – als Leser der BauernZeitung, der dort erfuhr, dass er demnächst einen Vortrag halten würde. Ob man damals für ihn auch zum Rotstift griff, ist nicht überliefert. Immerhin ist er heute Bundesrat. 

Man könnte sagen: Es hat Albert Rösti nicht geschadet. Jedenfalls war er beim BBK gern gesehener Gast und sagte dann in der Eröffnung meist: «Ich kann Ihnen leider keine guten Neuigkeiten verkünden.»

Boris Beuret darf sich damit trösten, dass er in einer langen und illustren Ahnengalerie steht. Willkommen im Club der nachträglich Gestrichenen – wer weiss, vielleicht wartet da auch noch eine Bundesratskarriere. Die Mitte, der auch der aktuelle SMP-Präsident angehört, hätte jedenfalls noch etwas nötig, wenn man an die letzten Bundesratswahlen 2024 denkt.

Eine Antwort steht noch aus

Die BauernZeitung hat bei Heinz Siegenthaler, Präsident des BZS, nachgefragt, warum Boris Beurets Name gestrichen wurde. Eine Antwort steht noch aus.

Auch das Bundesamt für Landwirtschaft taucht auf dem Programm auf – versehen mit dem ehrlichen Zusatz «ev.», was immerhin transparenter ist als ein durchgestrichener Name. Auch dort hat die BauernZeitung nachgefragt, ob jemand kommt. Die Antwort ist kurz, aber klar: «Das BLW wird nicht an dieser Pressekonferenz teilnehmen.»

Die BauernZeitung wird am Anlass durch Redaktor Peter Fankhauser vertreten sein. Er hat sich angemeldet – oder es zumindest versucht. Die auf der Einladung angegebene E-Mail-Adresse funktionierte leider nicht.