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Weniger Milchkühe - Zu wenige Schlachtkühe und Tränkerkälber

Die Milchkuhzahl wird weiter sinken. Leider fehlen als Folge davon Schlachtkühe und Tränkekälber auf dem Markt.

"So wenig Milchkühe gabs noch nie", titelten kürzlich diverse landwirtschaftliche Zeitungen. Laut den Zahlen von Agristat, die auf der Auswertung der Tierverkehrsdatenbank (TVD) beruhen, könnte man dienen Titel monatlich setzen.

Weniger Milchkühe - Zu wenige Schlachtkühe und Tränkerkälber

1866 zählte man 553 00 Kühe, 1876 592 00. Dann ging es aufwärts bis 1962, wo man 950 00 Kühe zählte. Im vergangenen August waren es noch 663 00 Kühe, davon 554 00 Milchkühe. (Grafik Agristat)

Abnahme aufgrund von Zuchtfortschritt

Schon seit 1962 hat die Schweiz weniger Milchkühe. Allerdings gibt es riesige Unterschiede zwischen den Milchkühen von damals und denen von heute bezüglich Gewicht, Grösse und Milchleistung.

Geht der Trend zu weniger Milchkühen weiter? Samuel Krähenbühl, Teamleiter Produktentwicklung bei Swissgenetics, betont zuerst, dass es schwierig sei, darüber eine Prognose zu machen und es von mehreren Faktoren abhänge.

  • Ein Teil der Abnahme des Viehbestandes komme vom stetigen Zuchtfortschritt.
  • Heutige Genetik ermögliche es, effizienter aus dem vorhandenen Futter Milch zu produzieren, als früher.
  • Vermutlich noch wichtiger als der genetische Trend sei aber die Milchmarkt-Lage.

Unterdessen gibt es Braunviehkühe mit 173 000 kg Lebensleistung und bei den Holstein wird demnächst die 200 000-Kilo-Grenze überschritten.

Grenzen der Zucht noch nicht erreicht

Gibt es eine Grenze? Krähenbühl analysiert so: Ob es eine Grenze gebe, sei schwierig zu sagen, man habe sie aber noch nicht erreicht. Samuel Krähenbühl von Swissgenetics zählt die Gründe auf:

Tierwohl: Höhere Leistung hänge mit der tierfreundlichen Haltung in den meisten Schweizer Betrieben zusammen.

Genetischer Fortschritt: Genetischer Fortschritt sei ein wesentlicher Grund dafür, dass die Kühe höhere Lebensleistungen erreichten.

Fitness: In allen Rassen werde eben nicht mehr nur auf Leistung gezüchtet, sondern auch auf Fitnessmerkmale wie gesunde Euter und gute weibliche Fruchtbarkeit.

Einführung der Genomik: Die Einführung der Genomik habe einen Quantensprung bewirkt, weil jetzt Merkmale züchterisch bearbeitet werden könnten, die man früher gar nicht quantifizieren konnte.

Schweizer Züchter betonen, dass unsere Kühe den allergrössten Teil der Milch aus Raufutter produzieren. Verliert man dieses Ziel aus den Augen? "Nein", entgegnet Samuel Krähenbühl, denn:

  1. Der Kraftfuttereinsatz sei in der Schweiz im internationalen Vergleich tief.
  2. Im Sommerhalbjahr, wenn viele Kühe auf der Weide oder sogar auf den Alpen weideten, sei der Anteil des Raufutters sehr hoch.
  3. Ein gezielter Kraftfuttereinsatz mache aber sowohl aus wirtschaftlichen wie auch aus Gründen der Tiergesundheit Sinn.
  4. Grundsätzlich eigneten sich aber unsere Rassen sehr für Raufutter-Rationen.

Milchviehzucht verträgt sich gut mit dem Grünen Teppich

Bremst der Grüne Teppich, das neue Branchen-Nachhaltigkeitsprogramm für Milch, die Leistungssteigerung? "Vielleicht ein wenig, aber sicher nicht komplett", macht Krähenbühl eine Analyse. "Durch den genetischen Fortschritt wird nämlich auch die Futterverwertung und die Fitness der Kühe besser" schliesst Krähenbühl. Auch der Direktor der Schweizer Milchproduzenten, Stefan Hagenbuch, betont: "Die Milchviehzucht und der Grüne Teppich vertragen sich ganz gut", und dies auf folgenden Gründen:

  • Fakt sei, dass Schweizer Milchkühe bereits heute Milch vor allem aus Raufutter (86%) produzieren.
  • Zudem stamme das Futter im Mittel zu 92% aus Schweizer Herkunft.
  • Im Mittel würden heute nur 97 Gramm Kraftfutter je Kilo produzierte Milch eingesetzt.

Kuh- und Tränker-Manko

Was bedeuten weniger Milchkühe für den Rindfleischmarkt? Proviande-Präsident Markus Zemp betont, dass man vom Fleischmarkt her kein Interesse habe, dass die Kuhzahl weiter sinke. "Speziell das Schweizer Kuhfleisch fehlt im Angebot, der Markt möchte mehr inländisches Kuhfleisch als Verarbeitungsfleisch", weiss Zemp.

Weniger Kühe heisse zwangsläufig weniger Tränker, bedauert Zemp, schon länger habe man ein Manko bei den Tränkekälbern. "Wenn der Rindfleisch-Konsum rückläufig werden könnte, wäre man froh, hätte man nicht eine nahezu 100-prozentige Inlandversorgung mit Rindfleisch", analysiert Zemp. Er gehe aber nicht davon aus, denn für das Schweizer Rindfleisch spreche unter anderem, dass es tier- und umweltgerecht auf der Basis von Raufutter produziert wurde.

Weniger Milchkühe - Zu wenige Schlachtkühe und Tränkerkälber

Die Grafik zeigt, dass in den ersten acht Monaten dieses Jahres die produzierte Fleischmenge bei Muni und Rinder rückläufig war, verglichen mit den ersten acht Monaten des Jahres 2018. Die gesamte Rindfleischmenge sank um 1,8%. Als Folge der Minderproduktioin präsentiert sich der Fleischmarkt aktuell gesund bei guter Nachfrage. (Agristat)

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