Die Schweinepreise steigen Ende Juli 2026 wieder an. Auslöser war vor allem, dass kürzlich erstmals ein Verarbeiter nach längerer Zeit wieder Schlachtschweine «suchte». «Das gut mittlere Angebot entspricht der Nachfrage, sämtliche Schweizer Schlachtschweine werden im Inland gebraucht», heisst es dazu im aktuellen Marktbericht. Vom historischen Tiefpunkt von Fr. 2.50 pro Kilo Schlachtgewicht ist der Preis Ende Juli bei Fr. 3 angelangt. Der Steigerungslauf dürfte vorerst in 20-Rappen-Schritten weitergehen, für kommende Woche sind es Fr. 3.20 und folglich wird auch der Jagerpreis nachziehen.
Zu viele Jager, doch die Massnahmen sind nicht umsonst
Die Situation bei den Jagern ist jedoch eine andere. Die Belegungen seien zu hoch ausgefallen, heisst es im Marktbericht weiter. Aktuell werden zwischen 45 000 und 47 000 Jager wöchentlich eingestallt. Zu viele, wenn man bedenkt, dass rund 44 000 Schlachtungen wöchentlich anvisiert werden, um einen fairen Schweinepreis erzielen zu können.
Also fast alles wieder gut auf dem Schweinemarkt? «Nein», sagen die von der BauernZeitung Ende Juli telefonisch angefragten Marktakteure. Für Entspannung auf dem Markt sorgte nicht etwa der von manchen gerühmte Schweinezyklus, sondern in erster Linie die von den Produzenten finanzierten Marktentlastungsmassnahmen. Damit wurden etwa Ferkel, Schweinehälften und Teilstücke exportiert.
Solche Massnahmen seien zu hinterfragen, sagt Noldi Windlin, Präsident der Fachkommission Markt des Produzentenverbandes Suisseporcs. Aber immerhin: Das Ganze war nicht umsonst, sondern hat dafür gesorgt, dass etwa Tierschutzprobleme wegen Überbelegungen in den Ställen umgangen werden konnten. Und dafür, dass die Lager bei den Abnehmern offenbar geleert sind und die Nachfrage steigt.
Und natürlich hat der Rekordsommer auch Einfluss auf die Schweineproduktion und den Markt. «Es wird wohl sehr viel Schweinefleisch grilliert», sagt Armin Troxler vom Schweinevermarkter Profera. Schon 2025 wurde wieder mehr Schweinefleisch konsumiert, die lauen Sommerabende, verbunden mit den Aktionen der Grossverteiler, würden seit Wochen für grosse Absätze sorgen. Marktanalysen des Bundes zeigen, dass der Absatz von Schweinefleisch bereits im Mai, also mit dem frühen Start der Grillsaison, deutlich zugenommen hat.
Zu heiss, um zu fressen
Ein dritter Grund für das geringere Angebot könnten die Temperaturen in den Mastställen sein. Diese dürften die Schweine nicht gerade zum Fressen animieren. Man muss davon ausgehen, dass der Verzehr eher tiefer ist, die Mastdauer länger. Die Sommerhitze dürfte sich derweil früher oder später auch auf das Jagerangebot auswirken. Stichwort Sommerloch.
Dies sind zwar für die einzelnen Produzenten Herausforderungen, für den Markt als Ganzes im Moment aber ein Gewinn. Für eine Euphorie ist es zu früh. Die Schlachtzahlen sind erst seit zwei Wochen unter dem Zielwert. «Ich traue dem Aufschwung noch nicht ganz», sagt deshalb ein Händler.
Das Angebot an Schlachtschweinen sei derzeit begrenzt, heisst es von der Migros. Die Schlachtungen bei Micarna orientierten sich entsprechend am verfügbaren Angebot. Das sind nach zähen Monaten ganz neue Töne. Beim Absatz von Schweinefleisch zeige sich die Nachfrage stabil. «Anpassungen von Rohstoff- oder Produktionskosten gibt die Migros systematisch an die Konsumentinnen und Konsumenten weiter – sowohl nach oben als auch nach unten», ergänzt Andy Zesiger, Mediensprecher der Migros.
Nur eine Frage der Zeit, bis der Markt aus dem Gleichgewicht gerät
Die Schlachtzahlen sind erst seit zwei Wochen unter dem Zielwert der bekannten 44 000 Stück, allerdings sind gleichzeitig auch die Schlachtgewichte gesunken. So fällt derzeit deutlich weniger Schweinefleisch an. Bekanntlich müssten aufgrund des Zuchtfortschritts und des laufend besseren Managements aber jährlich rund 1500 Zuchtsauenplätze verschwinden. Nur schon, um das aktuell hohe Niveau nicht zu übertreffen.
Die angefragten Schweinevermarkter bestätigen alle, dass bei ihrer Kundschaft strukturell aktuell kaum etwas passiert. Umformuliert: Die Zuchtsauenplätze werden nicht weniger, und bei günstigen Bedingungen in der Produktion, bei womöglich ungünstigen im Absatz, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Markt wieder aus dem Gleichgewicht gerät.
Wie fragil das Ganze ist, zeigt auch immer der Respekt der Branche vor den nationalen Feiertagen. Fallen diese auf Schlachttage, wird an diesem Tag nicht geschlachtet und bei einem gesättigten Markt fehlt dann augenblicklich der Zug. Paradebeispiele dafür waren die Festtage Ende 2025, allesamt unter der Woche. Dies brachte das Fass damals endgültig zum Überlaufen.
Nur eine Möglichkeit zu guten Schweinepreisen
Dass der 1. August 2026 auf einen Samstag fällt, dürfte die Lage diesen Sommer weiter verbessern. Mittel- und langfristig gäbe es aber nach wie vor nur einen Weg zu guten Schweinepreisen. «Der Inlandanteil muss runter auf rund 92 Prozent», wiederholt der Schweinemäster und Käser aus Obwalden Noldi Windlin.
Er erwähnt zudem das Schlachtgewicht. Der Produzentenverband Suisseporcs habe immer dazu aufgerufen, die Schlachtgewichte zu senken. Dies sei nun erfolgt, Ende Juli wurden die Schweine gut
88 Kilogramm gewogen, vor einem halben Jahr waren es noch drei Kilo mehr.
Branche verliert Geld
In einigen Wochen findet ein runder Tisch mit allen wichtigen Akteuren statt, die irgendwie mit der Schweizer Schweineproduktion zu tun haben. Hier gilt es, einen gemeinsamen Nenner zu finden, damit der Schweinemarkt künftig mit weniger Preisverwerfungen auskommt. «Weniger ist mehr», sagt auch Armin Troxler von der Profera. Die Branche verliere zu viel Geld, wenn die Produktion zu hoch laufe. Dass sich diese Einsicht nicht durchsetze, erstaunt den erfahrenen Vermarkter.
Die aktuelle Situation überrascht aber weite Kreise. Auch Windlin hätte mehr Schlachtungen vermutet für Juli. Vergangene Woche waren es 42 000 Stück. Jetzt sollen die Preise steigen. «Wir wollen einen höheren Preis, wenn wir unter der Zielmenge produzieren», sagt Noldi Windlin.

