Regionalität liegt im Trend. Gefragt sind regionale Produkte, mit oder ohne Label, die sich beispielsweise damit auszeichnen, dass sie von «hier» kommen, authentisch sind und keine langen Transportwege hinter sich haben. Doch so genau definiert ist dies häufig nicht. Die Hochschule für Wirtschaft in Zürich wollte es genauer wissen und hat vor einer Woche eine Fachtagung abgehalten, um den Perspektiven, Chancen und Erfolgsgeschichten von Regionalprodukten nachzugehen. Dazu hat sie Vertreterinnen und Vertreter eingeladen, die selbst im Regionalmarkt tätig sind.
Zutaten wurden bewertet
Der Begriff «Nachhaltigkeit» kam im Lauf der Veranstaltung häufig zur Sprache. «Die Konsumentin, der Konsument will wissen, wie nachhaltig Produkte sind», sagte Jasmine Said Bucher, Geschäftsführerin von Alpinavera. Der Churer Trägerverein zur Förderung zertifizierter Regionalprodukte aus Graubünden, Uri, Glarus und Tessin hat daher dieses Jahr eine Zusammenarbeit mit Beelong lanciert, einem Westschweizer Unternehmen, welches mittels einer Skala die Klimafreundlichkeit eines Produktes anzeigt. Dabei wird die Bewertung von allen Zutaten beeinflusst.
Pflanzliche inländische Produkte erreichen häufig eine bessere Bewertung als tierische Produkte. Einen grossen Einfluss hat die Produktionsmethode und Importzutaten verschlechtern die Umweltbewertung einer Speise. Dasselbe ist auch mit Menus machbar, so etwa in der Gastronomie. «Es geht nicht darum, kein Fleisch mehr zu essen, sondern dasjenige zu bevorzugen, das besser abschneidet», sagte Said Bucher. «Das Ziel ist es, umweltverträglichere Gerichte zusammenzustellen.»
Distanz muss festlegt werden
Im Rahmen des kürzlich abgeschlossenen Projekts «Was isst Zürich?» analysierte die Stadt Zürich zusammen mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), welche Lebensmittel in die Stadt gelangen und wo diese produziert werden. «Es hat sich gezeigt, dass Zürich bereits heute überdurchschnittlich regional konsumiert», sagte Yvonne Lötscher, Leiterin Strategie nachhaltige Ernährung Stadt Zürich, in ihrem Referat.
Auch werden regionale Produkte in städtischen Verpflegungsbetrieben gezielt gefördert, so etwa diejenigen von «Stadtpur Zürich», einem Netzwerk Stadtzürcher Landwirtschaftsbetriebe. «Die Resonanz ist gut, die Konsumentinnen und Konsumenten haben Freude», so Lötscher. Weiter stellte sie fest, es sei wichtig, Regionalität zu objektivieren, doch eine Angabe von Kilometern alleine reiche nicht.
Beim Projekt «Was isst Zürich?» wurde regionale Produktion definiert als ein festgelegtes Gebiet im 30-Kilometer-Radius entlang den Verwaltungsgrenzen um Zürich herum. Es reicht bis in die Kantone Aargau und Zug. Bei der Definition war nicht die Transportdistanz ausschlaggebend, sondern «enge und direkte Wirtschaftsbeziehungen», wie es im Projektbeschrieb heisst.
In der Region beginnen
Konsumentinnen und Konsumenten mit ihrem Einkaufsverhalten sind wichtige Akteure auf dem Markt. Dass sie gezielt etwas verändern und bewirken können, zeigte Nicolas Barthelmé in seinem Referat auf. Der gebürtige Franzose, der seit Jahren in Deutschland lebt und in der Lebensmittelbranche gearbeitet hat, ist Mitbegründer von «Du bist hier der Chef».
Der Verein ist Teil einer hauptsächlich europäischen Bewegung, die 2016 in Frankreich begann, Produkte im Detailhandel zu vermarkten, die von Verbrauchern selbst lanciert werden. «Dahinter steht die Idee, auf transparente Art Naturschutz, Tierwohl und Artenvielfalt zu fördern», so Barthelmé. «Eine wichtige Motivation ist zudem, Landwirte zu unterstützen, die unter enormem Preisdruck stehen». Die Community bestimmt darüber, wie beispielsweise Herkunft, Tierwohl oder Nachhaltigkeit bei einem Produkt gewichtet werden – mit der entsprechenden Bereitschaft, mehr dafür zu bezahlen.
Da eine flächendeckende Umsetzung von Beginn an nicht zu stemmen wäre, setzt der Verein zunächst auf regionaler Ebene an. Bereits wird in der Gegend von Nordhessen eigene Bio-Weidemilch produziert. Diese stammt von 15 Betrieben und wird via Supermarkt vertrieben. Weitere Produkte sind in Planung. «Du bist hier der Chef» will auch in der Schweiz aktiv werden.
Weitere Informationen:www.alpinavera.ch | www.stadt-zuerich.ch/wasisstzuerich | www.dubisthierderchef.de

