Mit seiner jüngsten Studie hat der Schweizer Tierschutz erneut die hohen Labelmargen im Detailhandel kritisiert, diesmal u. a. mit Fokus Schweinefleisch. Aus diesem Anlass werfen wir einen Blick auf die Preispolitik von Coop beim Schweinsnierstück. Die Tabelle zeigt, dass hier sehr grosse Unterschiede bestehen. Coop wurde deshalb ausgewählt, weil die Firma mit Transgourmet einen Gastrodistributor hat.
«Gross- und Detailhandel nicht miteinander vergleichbar»
Wir haben bei Coop gefragt, welche die Ursachen sind für die Preisunterschiede, auch in der Hoffnung, dass damit etwas Licht ins Dunkel der Margenpolitik geworfen werden könnte. Vorausgeschickt sei, dass das Schweinsnierstück bei Transgourmet rund fünfmal weniger kostet als die Bioqualität im Detailhandel. Die Preisunterschiede bei den Schlachtschweinen sind dagegen deutlich bescheidener. Ab Stall kosten konventionelle Schweine derzeit Fr. 3.-/kg SG, Bioschweine kosten Fr. 7.60/kg SG.
«Grosshandel und Detailhandel sind aufgrund ihrer grundverschiedenen Kostenstrukturen nicht miteinander vergleichbar», schreibt Rebecca Veiga von der Medienstelle zum Preisunterschied zwischen Gastro- und Detailhandel. So sei Detailhandel beispielsweise personalintensiver und weise zusätzliche Logistikkosten auf, insbesondere für die Feinverteilung und kleinere Verpackungsgrössen.
Bio mit höheren Kosten
Die Preisdifferenz zwischen dem Prix-Garantie- und dem Bioprodukt sei darauf zurückzuführen, «dass wir bei Letzterem primär auf Schweizer Produkte sowie auf die strengen Richtlinien von Bio Suisse setzen», heisst es bei Coop. Allerdings stammt auch das Prix-Garantie-Schweinefleisch aus der Schweiz.
«Uns ist es wichtig, dass alle Schritte, die Bioprodukte auf ihrem Weg in den Laden durchlaufen, fair abgegolten werden», heisst es vonseiten Coop weiter. Dazu gehörten u. a. strengere Produktionsrichtlinien, die Warenflusstrennung, die Zertifizierungen und Kontrollen, die Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit sowie höhere Verarbeitungs- und Vertriebskosten.
«Verdienen nicht mehr»
«Entgegen der Studie verdienen wir an Bioprodukten unter dem Strich nicht mehr als an konventionellen Produkten», bilanziert die Coop-Sprecherin. Bruttomargen hätten keine Aussagekraft, da sie den effektiven Kosten, wie beispielsweise der Vielzahl an Aktionen, nicht Rechnung trügen. Insgesamt bleibe Coop pro Franken Umsatz ein Gewinn von 1,8 Rappen, was im Vergleich zu gewinnorientierten Unternehmensformen tief sei.
Schweinsnierstück bei Coop im Vergleich


