Mit grosser Wahrscheinlichkeit meinte er die Mission Bio. Die Betroffenheit über die Schliessung aller 37 Müller-Reformhaus-Filialen scheint angesichts der Reaktionen in den sozialen Medien gross zu sein.
Gleichzeitig stellen sich grundsätzliche Fragen. Ist der Konkurs Ausdruck eines allgemeinen Trends? Im Berner «Bund» erklärte der ehemalige langjährige Leiter des Forschungsinstituts für biologischen Landbau, Urs Niggli, man stecke mitten in einer «Biokrise».
Grund für den Konkurs sei die ausbleibende Kundschaft
Man wird ein bisschen unterscheiden müssen zwischen den Problemen der Ladenkette Müller und der Biobranche. Grund für den Konkurs der Reformhäuser soll die ausbleibende Kundschaft gewesen sein, geschuldet den hohen Preisen der mehrheitlich angebotenen Bioprodukte.
Aber auch die hohen Mietzinse an zentralen Standorten und die Sortimentsstruktur dürften zum Niedergang beigetragen haben. Die Biohofläden laufen ebenfalls nicht alle gleich gut, die einen florieren, andere tun sich mit ihren Umsätzen sehr schwer.
Derweil bauen die Grossverteiler und Discounter ihre Biosortimente weiter aus, und die Migros eröffnet zusätzliche Filialen der deutschen Biokette Alnatura.
Von einer Biokrise zu sprechen ist noch etwas gewagt
Von einer allgemeinen Biokrise zu sprechen, ist also wohl etwas hoch gegriffen, aber wahrscheinlich wachsen die Bäume nicht mehr wie bisher vielerorts fast in den Himmel. Sicher ist: Der Mehrwert von biologischen Nahrungsmitteln muss kommuniziert werden.
Bessere Haltungsbedingungen für die Nutztiere, eine Produktion ohne synthetischen Pflanzenschutz, mit weniger oder gar keinen Antibiotika oder mit reduziertem Stickstoffeinsatz wird der Konsument nie auf seinem Teller sehen, schmecken oder riechen können.
«Milch bleibt weiss, ob nun bio oder nicht.»
Meint Katharina Matuschek über den Unterschied zwischen Bio- und konventionellen Produkten.
Der Mehrwert des Produktes – für die Konsument(innen) selbst oder für die gesamte Gesellschaft respektive unsere Umwelt – muss daher in irgendeiner Form mitverkauft werden.
Im Vergleich bedarf eine grössere Wohnung, eine bessere Sportausrüstung oder ein schnelleres Auto weniger Erklärungsbedarf bei der Käuferschaft. Auch die lang ersehnte Fahrt in die Ferien, nachdem uns ein Virus lange festgesetzt hat, erklärt sich von selbst.
Auswirkungen auf die Biobranche
Auf den sozialen Medien rühmt die Kundschaft die freundliche Bedienung und die gute Kommunikation der Mehrwerte in den Müller-Läden. Trotzdem musste die Kette nun schliessen. Wie sind die Auswirkungen für die Biobranche? Eine naheliegende Vermutung ist, dass viele der bisherigen Kunden weiterhin Bioprodukte kaufen werden.
Es dürfte eine Abwanderung resultieren: Die beiden Grossverteiler Migros und Coop sowie die Discounter bieten die praktisch gleichen Produkte zu günstigeren Preisen als die Reformhäuser an, was die Haushaltsbudgets entlasten wird.
Hier stellt sich mittelfristig die Grundsatzfrage, ob der höhere Preis für die Bioprodukte überhaupt noch gerechtfertigt ist. Die Anforderungen an die Nachhaltigkeit sind auch in der konventionellen Produktion stark gestiegen.
Absenkspfade für PSM und Stickstoff
Die Restriktionen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Stickstoff wurden in den letzten Jahren zunehmend schärfer. Das Stichwort in diesem Zusammenhang heisst Absenkpfad. Der Bundesrat hat entschieden, dass die biologische Landwirtschaft die Umwelt im Kontext der Lebensmittelproduktion stärker schützt.
Die Absenkpfade lassen darauf schliessen, dass die konventionelle Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse immer näher an die biologische heranrücken soll.
Etwas plakativ ausgedrückt: Gibt es also auf dem Markt immer mehr Bioprodukte, die sich kaum mehr von konventionellen oder nach den Richtlinien von IP-Suisse hergestellten Produkten unterscheiden, ist der hohe Biopreis nicht mehr gerechtfertigt respektive den Konsument(innen) nicht mehr zu erklären.
Es sei denn, die Biobranche schafft es, ihre Mehrwerte zu erhalten, indem sie die Anforderungen weiter erhöht. Damit tut sich aber ein neues Problemfeld auf: Für die Produzenten wird es mit weiter erhöhten Anforderungen immer komplexer, bio zu produzieren.
Einen Mehrwert bieten wird immer schwieriger
Hier stellen viele fest, dass es gerade in der Direktvermarktung nicht eine weiter verschärfte Fütterungsanforderung, sondern die offene Kommunikation und die regionale Produktion sind, welche die Kunden an den Hofladen binden. Und dafür braucht es nicht unbedingt ein Biolabel.

