Seit Anja* auf einem Spaziergang den Hofladen von Familie Wyss* entdeckte, ist sie eine treue Kundin: «Wow, hier werden tolle Produkte hergestellt und ganz frisch verkauft! Ausserdem liegt er nahe meines Zuhauses», dachte sie bei ihrem ersten Besuch. Zudem wirkte er auf Anja ordentlich und sauber.
Das Fallbeispiel von Anja und Bauernfamilie Wyss soll aufzeigen, welche Punkte bezüglich Ordnung und Sauberkeit aus Sicht Kundin und Anbieter in einem Hofladen wichtig sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Für Hofläden gilt ebenfalls das Lebensmittelgesetz.
- Saubere und ordentliche Verkaufs- und Lagerräume wirken vertrauensvoll.
- Schmutzschleusen für Personal und Ware mindern Schmutz im Laden.
- Pflegeleichte Materialen und praktische Gebinde sind einfach zu reinigen.
- Mit einem Selbstkontrollkonzept ist man jederzeit auf eine externe Kontrolle vorbereitet.
- Bei Planung eines Hofladens lohnt es sich, den Lebensmittekontrolleur oder die bäuerlich hauswirtschaftliche Beratung einzubeziehen.
Anlaufstellen und Infos zum Thema Lebensmittelsicherheit
Kantonale Lebensmittelkontrollen:
www.kantonschemiker.chPublikation Selbstkontrolle in der Direktvermarktung : www.agridea.ch
Hunde bleiben draussen
Der Bauernhof von Familie Wyss sieht ordentlich und gepflegt aus. Leere Gebinde, Maschinen und Geräte, mit denen nicht gearbeitet wird, sind im Innern der Gebäude untergebracht. Das Schild «Herzlich willkommen im Hofladen – Selbstbedienung» weist den Weg. Der Eingang des Ladens ist einladend mit Blumen geschmückt. Anja geht gerne in ihrem Lieblings-Hofladen einkaufen. Sie mag den hellen, freundlichen Raum und die familiäre Atmosphäre.
Die Bauernfamilie bietet saisonales Gemüse, Obst sowie Eier, Trockenwurst und Käse von den eigenen Tieren an. Die Waren sind gruppiert und in sauberen, grünen Kisten übersichtlich angeordnet und angeschrieben. Anja findet sich auf diese Art gut zurecht.
Die Hofladen-Einrichtung ist einfach gehalten und praktisch zum Reinigen. Der Boden des Verkaufslokals ist sauber. Die Fussmatte im Hofladeneingang und das leicht zu reinigende sowie nicht poröse Material erleichtern die Arbeit. «Bestimmt wird der Boden täglich gewischt. Auch sehe ich keine Spinnweben und die Regale sind abgestaubt», denkt sie sich.
Hunde sind im Hofladen aus hygienetechnischen Gründen nicht erlaubt. Anja versteht das und nimmt ihren Hund trotzdem mit zum Einkaufen. Denn sie weiss, dass sie ihren Begleiter vor dem Hofladen im Schatten anbinden kann.
Durch die Schmutzschleuse
Familie Wyss hat die Abläufe in der Direktvermarktung gut geplant. Grundsätzlich ist ihr Hofladen nicht bedient. Dennoch kommt es vor, dass die Kundschaft jemanden vom Feld in den Laden ruft. Für diesen Fall haben Wyss' einen separater Raum eingerichtet. Dort waschen sie ihre Hände gründlich, zum Trocknen hat es Einwegpapier.
Derselbe Raum dient auch als Umkleide. Eine Schürze, saubere Schuhe und Wechsel-Kleider liegen dort bereit. Die Produkte gelangen ebenfalls nicht direkt vom Feld in den Hofladen. Das geerntete Gemüse und Obst wird im Freien oder in einem Nebenraum gesäubert und für den Verkauf vorbereitet. Die saubere, verkaufsbereite Ware kommt in den Hofladen oder wird von der ungereinigten getrennt aufbewahrt.
Die Waren-Lagerung erfolgt nach einem bestimmten System:
- Die ältesten Produkte befinden sich vorne im Raum und werde zuerst verkauft.
- Die Waren stehen nicht direkt auf dem Boden.
- Es werden regelmässige Schädlings- und Haltbarkeitskontrollen zur Qualitätssicherung durchführt.
Sichtbare Massnahmen
In Hofläden ist das Lebensmittelgesetz einzuhalten. Familie Wyss hat sich eingehend damit auseinandergesetzt: Sie hat mögliche Gefahren bei der Lebensmittelsicherheit identifiziert und sich überlegt, wie sie diese Gefahren mindern oder umgehen kann. Basierend auf der Gefahrenanalyse hat sie ein Hygienekonzept erstellt. Dazu gehören Reinigungspläne für die verschiedenen Räume und Geräte sowie Massnahmen bezüglich der Personalhygiene. Das Personal wurde entsprechend instruiert. Auf Kontrollformularen hält es mit Datum und Unterschrift fest, dass gereinigt wurde. Das Einhalten der Pläne kontrollieren die Betriebsleiter grundsätzlich selber.
Da sie Lebensmittel abgibt, ist Familie Wyss verpflichtet, sich bei der kantonalen Lebensmittelkontrolle zu melden. Eine externe Prüfung kann somit jederzeit stattfinden. Dank ihrem Selbstkontrollkonzept fühlen sich Wyss' dafür vorbereitet. Bei der Planung des Hofladens kontaktierten sie bereits den Lebensmittelkontrolleur, um praktische Tipps für die Umsetzung des Lebensmittelgesetzes zu erhalten.
Anja ist aufgefallen, dass im Kühlschrank des Hofladens ein Thermometer liegt. Die Kühltemperatur wird damit regelmässig überprüft und auf dem Selbstkontrollblatt am Kühlschrank eingetragen. Die Produktetiketten sind umfassend und geben ihr alle notwendigen Informationen zum Produkt und dessen Haltbarkeit.
Anja merkt beim Einkauf im Hofladen von Familie Wyss, dass die Vorschriften bezüglich Hygiene und Lebensmittelsicherheit umgesetzt werden. Das wirkt auf sie professionell, gibt ihr Sicherheit und stärkt das Vertrauen in ihren Lieblings-Hofladen.
*Die Personen sind frei erfunden.

