Die Hauptzeit der Kartoffelernte steht bevor. Im Frühling lagen noch grössere Mengen Knollen von 2025 in den Lagern. Diese konnten nach Auskunft von Christian Bucher, Geschäftsführer von Swisspatat, mittlerweile aber fast vollständig geleert werden. «Gemäss der Lagerbestandserhebung von Ende Juni waren noch gut 6 000 t an Lager», sagt er.
«Diese Mengen wurden im Laufe des Julis entweder noch verkauft oder dann via Frischverfütterung verwertet.» Während der gesamten Kampagne 2025 wurden laut Bucher etwa 26 000 t Kartoffeln über diese Überschussverwertung der Branche verwertet und entschädigt – ein Vielfaches des Vorjahreswerts von 4 000 t (Kampagne 2024).
Detailhandel kann heuer Kartoffeln gut verkaufen
Immerhin sprechen die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) dafür, dass Schweizer(innen) heuer den Kartoffeln zugetan sind. Die Umsätze mit Kartoffeln im Detailhandel liegen derzeit mehrheitlich über jenen des Vorjahres. So wurden von Januar bis Juni 2026 neun Prozent mehr festkochende Kartoffeln verkauft als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Bei den mehligkochenden und Raclettekartoffeln waren es jeweils drei Prozent mehr und sieben Prozent über dem Vorjahreswert lagen Kartoffeln der Kategorie «andere und ohne Angaben». Hingegen konnte der Detailhandel von Januar bis Juni 2026 zehn Prozent weniger Frühkartoffeln absetzen.
Heuer wurden indes auch 55 ha weniger Frühkartoffeln gepflanzt – die Reaktion der Branche auf überdurchschnittlich hohe Lagerbestände Anfang Jahr.
Lehren aus der Paloxenknappheit
Neben grossen Erntemengen beschäftigte die Kartoffelproduzenten im vergangenen Jahr ein Mangel an Paloxen. «Alle Akteure haben ihre Lehren aus der letztjährigen Kampagne gezogen und entsprechende Massnahmen ergriffen», versichert Christian Bucher.
Angesichts der aktuellen Wetterbedingungen sei heuer ohnehin nicht mit einer Grossernte zu rechnen, bemerkt er. Daher werde die Verfügbarkeit von Paloxen kein grosses Thema sein, so seine Prognose.
Gute Frühkartoffelernte in diesem Jahr
Zu den tatsächlichen Erträgen und Qualitäten, die nach wochenlangem Regenmangel und Rekordhitze zu erwarten sind, verweist der Swisspatat-Geschäftsführer auf die Ertragserhebungen Ende August. «Die Ergebnisse sowie die Richtpreise werden wir voraussichtlich am 31. August kommunizieren», erklärt Bucher. Bereits bekannt sei, dass die Frühkartoffelernte dieses Jahr erfreulich ausfiel: «Hier könnten schöne Erträge und gute Qualitäten geerntet werden.»
Züchtung auf umfassend robuste Kartoffeln
Die Bewässerung von Kartoffelfeldern ist in vielen Regionen in Sommern wie diesem unabdingbar, um marktfähige Knollen ernten zu können. Solche Verhältnisse werden Klimaforschenden zufolge immer häufiger. «Der Klimawandel beschäftigt die Kartoffelbranche sehr», hält Christian Bucher fest.
Da das Wachstum der Kultur stark von der Witterung abhängt, verstärken die zunehmenden Wetterextreme die bereits hohen Ertragsschwankungen zusätzlich. Hierzulande hat sich die Kartoffelbranche zu Anbau und Vermarktung robuster Sorten bekannt – wobei sie meist im Zusammenhang mit Resistenzen gegen Krankheiten, allen voran die Kraut- und Knollenfäule, genannt werden.
«Unsere Definition geht jedoch weiter und umfasst auch die Toleranz von Hitze und Trockenheit sowie einen geringen Nährstoffbedarf», betont Bucher. Hitze- und trockenheitstolerante Kartoffelsorten seien also bereits im Fokus der Branche. Der Swisspatat-Geschäftsführer gibt aber zu bedenken, dass die Züchtung solcher Sorten deutlich komplexer sei als die Züchtung auf Krankheitsresistenzen.
«Das liegt daran, dass für die Toleranz gegenüber Hitze und Trockenheit deutlich mehr Gene involviert sind als für Krankheitsresistenzen», erläutert Bucher. Es werde demnach noch einige Jahre dauern, bis es in diesem Bereich merkbare Fortschritte gibt. Diese Klimaanpassung gehe eben nicht von heute auf morgen. «In diesem Zusammenhang erhoffen wir uns auch einiges von den neuen Züchtungstechnologien, deren Anwendung in der Schweiz wir begrüssen würden.»

