Mit einem weiteren Digitalisierungsschritt starteten in Herblingen am 5. Februar 2022 fünf Kellereien und Weingüter das Pilotprojekt für ein neues Swiss-Wine-Gütesiegel, das Weinkonsumenten und -produzentinnen völlig neue Perspektiven eröffnet.

Für dieses Projekt holte der Branchenverband Deutschschweizer Wein (BDW), der das Projekt mitfinanziert, die drei Partner «3D AG» (Sicherheitsholographie), «Zimt AG» (IT-Plattform auf Basis der Blockchain-Technologie) und «Ambrosus» (IOT-Datentransaktionen) ins Boot.
Junge Klientel ansprechen
«Der Schweizer Wein hat in den letzten Jahren einen grossen Wandel durchgemacht. Es sind nicht mehr die gleichen Weine wie vor 35 Jahren. Die Eigenschaften und die Qualitäten haben sich verändert», führte Martin Wiederkehr, Präsident des BDW, beim Rollout in Herblingen aus. Im neu lancierten Pilotprojekt sieht er grosse Chancen, dem Schweizer Wein einen weiteren Schub zu verleihen. Mit den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung kann die Branche auch verstärkt den Bedürfnissen der jungen Weinkonsumenten entgegenkommen.
Mehr Transparenz, Nähe und Vertrauen
Hinter dem auf einer digitalen Plattform basierenden Gütesiegel steckt der Slogan «mehr Transparenz, mehr Nähe und mehr Vertrauen». Es hat zum Ziel, Mehrverkäufe zu einem besseren Preis zu erwirken. BDW-Geschäftsführer Jürg Bachofner sieht den Hauptnutzen für die Konsumentin bei der Transparenz und Rückverfolgbarkeit. Das schaffe Vertrauen in die lokalen Winzer. «Der Hauptnutzen für den Winzer besteht darin, dass er über die digitale Plattform einen Mehrverkauf generieren kann und zugleich eine Kommunikation mit dem Konsumenten möglich wird.»
Dank den intelligenten Business-Daten können sämtliche Zugriffe auf den Code innerhalb der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette gesammelt und analysiert werden. So lässt sich feststellen, durch welche Kundensegmente und wo der Code geklickt wurde. Zugleich schafft das digitale Gütesiegel eine sehr hohe Funktionalität. Mit der dahinterstehenden App können laufend neue Funktionen hinzugefügt werden.
Kein Siegel für Billigweine
Wer das Gütesiegel will, darf es nur für Wein mit Schweizer Herkunft AOC und Vin du Pays verwenden. Zudem fokussiert es sich auf die verschiedenen Hauptsorten und ist für Billigweine tabu. Das neue Gütesiegel steht allen Betrieben aus der Schweiz offen, die der Beitragspflicht bei den entsprechenden Verbänden nachkommen. Es sind jeweils 1000 Etiketten zu 180 Franken zu erwerben. Davon fliessen 30 Franken in die Entwicklung, zehn Franken in das Marketing und zehn Franken gehen als Lizenzabgaben an die Swiss-Wine-Promotion. Hinzu kommen einmalige Kosten in der Höhe von 1000 Franken für die Erfassung der Weindaten und einen Videodreh.
Der Start ist mit fünf Pionierbetrieben und 10'000 Flaschen in der Deutschschweiz erfolgt: Der Rathauskeller Mels, die GVS Schachenmann AG Schaffhausen, die Dreistand Wädenswil, die Weingemeinschaft Wil ZH und das Weingut Jauslin in Muttenz BL. Jürg Bachofner erwartet mit Spannung, wie sich dieses Pilotprojekt entwickelt. Wenn es mit dem digitalen Gütesiegel gelingt, den Schweizer Weinabsatz im Inland um fünf bis zehn Prozent zu steigern, sei es gut gelaufen.

