Nein, die letzten Monate seien nicht einfach gewesen, sagt Peter Fischler. Fischler ist Präsident des Vereins der Kneuss-Güggeli-Produzenten. Während dem letzten halben Jahr war er zusammen mit seinen Vorstandskollegen damit beschäftigt, die Produktionsbedingungen mit Daniel Kneuss, dem Verwaltungsratspräsidenten der Ernst Kneuss Geflügel AG, auszuhandeln. Keine einfache Aufgabe vor einem schwierigen Hintergrund. Denn Daniel Kneuss präsentierte Ende Februar seine neue Strategie, die seine Firma zurück in den Premiumbereich führen soll (die BauernZeitung berichtete).
Verein leistete Widerstand
Eine Strategie mit Einbussen für die Produzenten, die sich daraufhin zur Wehr setzten. "Der Vorstand hat die angeblich nötigen Massnahmen zur Sanierung der Firma Kneuss nicht akzeptiert", erzählt Fischler. Der anschliessende Versuch von Daniel Kneuss, die Produktionsbedingungen direkt mit den Produzenten auszuhandeln, scheiterte. "Dank des Widerstands der Produzenten und der absoluten Loyalität gegenüber dem Verein", betont Fischler.
Einigung wurde gefunden
Die bestehenden Produzenten werden zwar weniger Tiere pro Jahr umsetzen können, haben aber ein Anrecht auf eine Mindestmenge, welche sie pro Jahr produzieren können. «Wenn diese Menge nicht erreicht wird, muss Kneuss eine Entschädigung zahlen.» Zufrieden ist Fischler mit dem Erreichten nicht. Er ist jedoch erleichtert, dass man eine Einigung finden konnte und jetzt nach vorn blicken kann. Auch Daniel Kneuss will vorwärts schauen: «In Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Kneuss Güggeli Produzenten konnten die künftigen Rahmenbedingungen erarbeitet werden.»
Vier wechseln zu Micarna
Ganz ohne Kündigungen ging es jedoch nicht. Jüngst wurden noch einmal vier Verträge auf-gelöst. Dies waren laut Daniel Kneuss nötig, da die Ausrichtung als Qualitätsanbieter eine Anpassung der Strukturen bedingt: "Wir werden künftig mit weniger Stallfläche wirtschaften müssen als bisher." Die betroffenen Betriebe seien bereits informiert und man stehe in persönlichem Kontakt, so Kneuss. Der Verein der Kneuss Güggeli Produzenten prüft nun die Ansprüche derjenigen Produzenten, die eine Kündigung erhalten haben.
Zusätzlich sahen rund sechs Produzenten keine Zukunft mehr mit Kneuss und haben den Vertrag aufgelöst. Vier davon sind bei der Micarna untergekommen. "Wir wurden aktiv von den Produzenten angefragt", erklärt Micarna-Mediensprecher Roland Pfister. Die vier Ställe passten von der Stallgrösse her (600 m2) in das Konzept der Micarna, da es zudem Familien-betriebe seien.
Branche bleibt skeptisch
Branchenkenner bleiben skeptisch. Die Kündigungen würden nicht ausreichen, um den massiven Stallflächen-Ausbau der vergangenen Jahre wieder zu korrigieren. Für manche ist der "Schaden angerichtet". Dennoch hofft man, dass mit den nun zu Ende gegangenen Verhandlungen Ruhe einkehrt. In einem Punkt ist man sich zumindest einig: Wenn die Geschichte etwas Positives habe, dann, dass die Bauern jetzt gewarnt seien, dass man auch im eigentlich gut laufenden Geflügelmarkt überprüfen sollte, was für Bindungen man eingeht.

