Peter Fischler ist Präsident des Vereins der Kneuss-Güggeli-Produzenten. Das letzte halbe Jahr hat er mit der Ernst Kneuss AG die Produktionsbedingungen für die Produzenten ausgehandelt. Im Gespräch mit der BauernZeitung zieht er Bilanz.
BauernZeitung: Wo musste der Verein Zugeständnisse machen?
Peter Fischler: Die Ernst Kneuss Geflügel AG hat in den vergangenen Jahren zu viel Stallkapazität aufgebaut. Diese müssen nun reduziert werden. Auf der einen Seite mussten sich Produzenten einen neuen Abnehmer suchen und auf der anderen Seite werden die bestehenden Produzenten weniger Tiere pro Jahr umsetzen können. Die Mindererträge, welche durch diese Massnahmen entstehen, muss der Produzent selber tragen.
Was haben Sie erreicht?
Der Vorstand akzeptierte die angeblich nötigen Massnahmen zur Sanierung der Firma Kneuss anfänglich nicht. Daraufhin versuchte Daniel Kneuss, die Produktionsbedingungen direkt mit den Produzenten auszuhandeln. Dank dem Widerstand der Produzenten und der absoluten Loyalität der Produzenten gegenüber dem Verein, scheiterte dieser Versuch. Nicht der Vorstand, sondern die Gemeinschaft hat damit ein klares Zeichen gesetzt und einen Zerfall des Vereins verhindert.
Bei welchen Punkten haben Sie nicht nachgegeben?
Die Produzenten haben Anrecht auf eine Mindestmenge an Tieren, welche sie pro Jahr produzieren können. Wenn diese Mindestmenge nicht erreicht wird, muss Kneuss eine Entschädigung zahlen. Dieses System konnten wir beibehalten. Des Weiteren haben sich die Parteien Vorstand und Kneuss darauf geeinigt, in Zukunft die Produktionsbedingungen gemeinsam auszuhandeln. Dazu wurde auch eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.
Sind Sie mit dem Erreichten zufrieden?
Nein absolut nicht! Die Produzenten sind sich keiner Schuld an der aktuellen Situation bei Kneuss bewusst und trotzdem müssen diese nun die Zeche bezahlen. Das ist unbefriedigend. Leider konnte der Vorstand nicht verhindern, dass nun immer noch einige gekündigte Produzenten keine Anschlusslösung haben und damit Existenzängste haben.
Wie sehen Sie die Zukunft der Kneuss-Güggeli-Produzenten?
Viele sind verunsichert, weil aktuell sehr lange Leerzeiten in den Ställen herrschen. Grundsätzlich musste sich aber jeder einzelne Produzent aktiv um die weitere Zusammenarbeit mit der Ernst Kneuss Geflügel AG bemühen. Die nun verbleibenden Produzenten glauben an eine Zukunft, zumindest mittelfristig. Es wird sich zeigen, ob die von Daniel Kneuss versprochenen positiven Entwicklungen der Firma eintreffen werden und ob die Produzenten dann am besseren Betriebsresultat beteiligt werden.
Wie ist die Stimmung unter den Produzenten?
Viele Produzenten sind enttäuscht. Sie haben jahrelang gute Arbeit für Kneuss geleistet. Nun müssen sie gehen oder müssen finanzielle Einbussen hinnehmen. Sie können nicht verstehen, dass ein so gut positionierter Markt wie der Pouletmarkt nicht rentabel bewirtschaftet werden kann. Die Zweifel an der Geschäftsführung werden da immer wieder laut.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Verträge für das kommende Jahr sind nun von den Produzenten unterschrieben. Sie akzeptieren damit die vom Vorstand ausgehandelten Produktionsbedingungen und Preise. Diese Verträge beginnen am 1. Juli 2019 und laufen ein Jahr. In dieser Zeit sollte sich nicht viel ändern, sofern die Lage im Hause Kneuss stabil bleibt.

