Bei der Milchgold-Käserei ist wieder Ruhe eingekehrt

Die exportorientierte Freiämter Käserei will weiterwachsen. Ein neues Team lässt die bewegte Vergangenheit hinter sich.

Die Milchgold Käse AG in Auw rudert wieder in ruhigeren Gewässern. Vor einigen Jahren war sie wegen Veruntreuungen des Geschäftsführers in die Schlagzeilen geraten. Inzwischen gab es sowohl im Verwaltungsrat als auch auf operativer Ebene einige Wechsel. Im Juli hat Stefan Gasser als Geschäftsführer übernommen. Betriebsleiter Hansruedi Zgraggen steht für Kontinuität, er ist bereits seit zehn Jahren in der Käserei tätig und zusammen mit 15 Angestellten für die Produktion verantwortlich.

Viertgrösste Käserei der Schweiz

Der Betrieb ist die viertgrösste Käserei der Schweiz. Sie verarbeitet rund 180'000 kg Milch pro Tag, 2022 sind es gesamthaft 45 Millionen kg. Im kommenden Jahr werden 50 Millionen angepeilt. Die Milch wird hauptsächlich auf dem freien Markt beschafft. «Zu BOM-Konditionen», wie Hansruedi Zgraggen betont, «wir kaufen keine Billigmilch.» Direktlieferanten steuern noch etwa 15 Prozent der Menge bei. Trotzdem müsse Milchgold ihren Bauern einen guten Preis zahlen, ergänzt Hugo Abt, Verwaltungsratspräsident der Freiämter Käserei AG: «Sonst laufen sie uns davon. Wir befinden uns in einem Gebiet mit sehr hoher Milchproduktion und entsprechend vielen interessierten Abnehmern.»

Bei der Milchgold-Käserei ist wieder Ruhe eingekehrt
Bei der Milchgold-Käserei lagern die Käse in Kisten: Betriebsleiter Hansruedi Zgraggen in seinem Reich.

Hoher Anteil Halbfabrikate

Die Strategie des Unternehmens ist auf Grossabnehmer ausgerichtet. Und 80 Prozent der jährlichen Käseproduktion von 4000 Tonnen gehen in den Export, vor allem nach Italien, Frankreich und in die USA. Fuss fassen will es künftig auch in Deutschland, etwa mit dem Goldkäse, einem milden vollfetten Halbhartkäse. Auf dem Inlandmarkt testet man derzeit in Volg-Läden den Freiämter Landkäse.

Das Sortiment besteht hauptsächlich aus foliengereiftem und fettreduziertem Käse. Rund die Hälfte der Produktion entfällt auf Halbfabrikate, die von den Abnehmern weiterverarbeitet werden, beispielsweise in Italien zu Mozzarella. «Obwohl wir in der Schweiz im eher hochpreisigen Segment produzieren, sind wir hier konkurrenzfähig», sagt Gasser. «Im Markt für standardisierte Rezepturen ist konstante Qualität gefragt.» Die Kernkompetenz der Milchgold-Käserei sei die hochwertige Produktion, alles andere wird ausgelagert. Die Produkte erfüllen unter anderem die Swiss-Garantie-Anforderungen und ebenso wichtige internationale Standards.

Offen für neue Angebote

Exemplarisch für das Geschäftsmodell der Milchgold-Käserei steht etwa der Switzerland Swiss in Blockform: Sie produziert ihn für einen Grosskunden, der die Milch liefert und den Käse zurücknimmt. «Wir entwickeln neue Produkte und sind offen für kundenspezifische Angebote», so der Geschäftsführer. «Voraussetzung ist immer ein gewisses Auftragsvolumen.» Mit den eigenen Grosslochkäsen sieht sich Gasser nicht als Mitbewerber zum Emmentaler: «Das sind zwei völlig unterschiedliche Preissegmente.» Man stehe damit vielmehr in Konkurrenz zu vergleichbaren Produkten wie etwa dem Allgäuer Emmentaler. Die Herstellung von AOP-Emmentaler ist übrigens kein Thema mehr, für silofreie Milch richtet die Käserei keinen Zuschlag aus. Hugo Abt verweist auf die schweizweite Tendenz: Silofreie Milch sei nur noch für wenige Käsespezialitäten gefragt und preislich unter Druck.

Noch 26 Milchlieferanten

Gegründet wurde die Freiämter Käserei AG im Jahr 2010 von rund 50 Milchlieferanten und gleichzeitig Aktionären. Heute sind es noch 26 aktive Produzenten mit einer durchschnittlichen Menge von 250 000 kg pro Betrieb. Bis 2019 war die Käserei an die eigenständige Milchgold Käse AG verpachtet. Als Folge der Betrugsaffäre um deren Alleininhaber und Geschäftsführer übernahm die Freiämter Käserei AG die Milchgold Käse AG. Die Milchproduzenten als Aktionäre sind seither nicht nur Eigentümer der Gebäude und der Infrastruktur, sondern auch des Produktionsbetriebs. Bei der Gründung des Unternehmens war Benedikt Felder, ehemaliger ZMP-Geschäftsführer, mit von der Partie. Er verantwortete die Vermarktungsfirma, die Milchgold Handels AG. Diese wurde aufgelöst und der Käseverkauf in die Käse AG integriert. Felder hat auch bei den verbliebenen beiden Firmen keine Verwaltungsratsmandate mehr inne.

Mangel an Fachkräften

Aus Sicht von Geschäftsführer Stefan Gasser ist die Milchgold-Käserei mit der aktuellen Ausrichtung in einem anspruchsvollen Umfeld auf Kurs. Zwar mangelt es an gut geschultem Personal. Zunehmend Mühe bereitet die Rohstoffbeschaffung – die verfügbare Milch ist rar geworden. Auf dem Markt herrscht ein Verdrängungskampf, im Exportgeschäft sorgt zusätzlich der instabile Euro für Unsicherheiten. Gasser ist aber zuversichtlich: «Wir nehmen die Herausforderungen an und suchen nach Lösungen.»

Betrugsfall sorgte für Turbulenzen

Die Milchgold-Käserei geriet durch Betrügereien des damaligen Inhabers und Geschäftsführers in Turbulenzen. Im Zeitraum zwischen 2012 und 2017 hatte er durch manipulierte Abrechnungen 1,1 Millionen Franken zu viel Verkäsungszulage vom Bund kassiert. Ausserdem verstiess er gegen die AOP-Qualitätsrichtlinien der Sortenorganisation Emmentaler Switzerland. Dies, weil er die Milch zum Teil nur jeden zweiten Tag abholen liess und nicht wie vorgeschrieben innerhalb von 24 Stunden verarbeitete. Laut Anklageschrift gelangten so rund 2000 Tonnen zu Unrecht mit dem AOP-Label versehener Käse in den Handel. Nach diesen Vorkommnissen schloss Emmentaler Switzerland die Milchgold Käse AG Anfang Juli 2019 aus der Sortenorganisation aus. Das Bezirksgericht Muri verurteilte den Geschäftsführer im Frühjahr 2020 wegen gewerbsmässigen Betrugs und Urkundenfälschung zu 30 Monaten Freiheitsstrafe, 10 davon unbedingt. Im Herbst 2019 übernahm die Freiämter Käserei AG die Milchgold Käse AG. Operativ wurde der ehemalige Käser Anfang 2020 durch eine dreiköpfige Geschäftsleitung abgelöst, rekrutiert aus internen Kaderleuten.

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