Peter Schweizer und Markus Bommer haben seit 17 Jahren eine Betriebsgemeinschaft. Das Erfolgsrezept dieser langjährigen Partnerschaft sei, dass man miteinander rede, sagte Bommer am Bio-Milch-Stamm vom 26. August. Den Milchviehstall für die 56 Kühe haben sie gemeinsam gebaut, die Milch liefern sie an Mooh. Sämtliche Kosten würden immer durch zwei geteilt, sagte Schweizer. Einen fixen Lohn haben sie nicht, die Einkünfte gehen je zur Hälfte an den Betrieb Bommer und den Betrieb Schweizer.
Zuchtziel: Kleine und fitte Kühe
Seit 2014 ist der Betrieb Vollknospe-zertifiziert. «Unsere Kühe, die meisten Holstein und Red Holstein, sind immer noch recht grossrahmig. Wir möchten lieber hin zu kleineren Kühen», führte Peter Schweizer aus. Um dieses Ziel zu erreichen, kreuzen sie die Rasse Montbéliard ein. Probleme hat der Betrieb im Moment mit der Klauengesundheit. Sie hätten viele Kühe, die lahmen. Schweizer vermutet eine Verletzung im Zwischenklauenspalt. «Woher das kommt, wissen wir allerdings nicht.»
Bruno Ottiger, Tierzucht am BBZ Arenenberg, ging diesem Problem auf den Grund. Und zwar tat er dies mit der Obsalim-Methode. Mit ihr lassen sich anhand verschiedener Symptome an der Kuh Aussagen zur Fütterung machen. Ottiger besuchte den Betrieb bereits eine Woche vor dem Bio-Milch-Stamm. Dabei stellte er fest, dass das Gras auf den Weiden jung, kraut- und kleereich ist. «Das gibt viel Milch. Aber die gärenden Kuhfladen auf der Weide zeigen, dass die Kühe viele unverdaute Restkohlenhydrate ausscheiden», erklärte Ottiger auf der Weide. «Durch die jungen Bestände auf der Weide und die Verfütterung von älterem Gras im Stall fehlt in der Ration die Struktur», lautete seine erste Feststellung.
Zeichen an der Kuh erkennen
Im Stall zählte er noch mehr Symptome auf, die darauf hinwiesen, dass ein Strukturmangel in der Fütterung das grundlegende Problem ist. Als erstes aufgefallen sei ihm der Nickhautvorfall. Die Nickhaut ist eine Bindehautfalte im Augenwinkel. Bei einem Nickhautvorfall tritt die Nickhaut hervor, «ein Zeichen der Übermüdung», kommentierte Ottiger. Er habe das Gefühl, dass die Kühe gestresst seien.
Als weiteres Zeichen nannte er den sehr dünnen Mist. Auch die tiefen Kauschläge seien ein Indiz, dass mit der Fütterung etwas nicht stimmt. Normalerweise geht man von 55 Kauschlägen und mehr aus, auf dem Betrieb Bommer-Schweizer waren es um die 42 Kauschläge pro Minute.
Die anfangs angesprochenen Klauenprobleme erläuterte Ottiger dann gleich an einer Kuh. Grund für deren Lahmheit sei die entzündete Wandlederhaut. Ebenfalls entzündet sei der Nagelhalbmond. «Das ist ein sicheres Indiz für eine Pansenübersäuerung, wobei ich hier eher von einer Panseninstabilität ausgehe», so Ottiger. Das Mistauswaschen mit Presse zeigte, dass der Anteil unverdaulicher Fasern, der Faserkuchen, mit 9 mm am absoluten Minimum ist. Gut wären 12 bis 15 mm.
Ottiger sieht das Problem im Fütterungsablauf. Als Lösung schlug er folgendes vor:
- Morgens nach dem Melken Kühe auf die Weide lassen.
- Wenn sie am Mittag wieder in den Stall kommen, Heu vorlegen. Heu bringt die nötige Struktur ins Futter und regt die Wiederkautätigkeit an.
- So gegen 16 Uhr das eingegraste Futter vorlegen.
Mit diesen Massnahmen könnte es laut dem Experten gelingen, die nötige Rohfasermenge in die Kuh zu bringen.
Obsalim: Von einem Tierarzt entwickelt
Das Wort Obsalim leitet sich vom französischen «Observations alimentaires» ab und bedeutet auf Deutsch «Fütterungsbeobachtungen». Die Methode wurde vom französischen Tierarzt Bruno Giboudeau entwickelt. Er beschrieb Signale und Symptome und fasste sie auf 60 Kärtchen zusammen. Damit lassen sich Aussagen zur Fütterung machen: Energie- und Eiweissversorgung, Faseranteil in der Ration oder Pansenstabilität. Damit eine Aussage möglich ist, muss erstens mehr als die Hälfte der Herde dieselben Symptome zeigen. Zweitens müssen die Symptome mindestens drei verschiedene Stellen an der Kuh abdecken.

