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«Kunden zu halten, ist schwierig», findet Ludwig Keller

Dem Landtechnikunternehmer Ludwig Keller sind langjährige Kundenbeziehungen wichtig. Er ist dafür bekannt, dass er komplizierte Probleme löst.

«Dort drüben bin ich aufgewachsen.» Ludwig Keller (70) kann von seinem Landtechnikunternehmen, der Keller Technik AG in Nussbaumen TG (siehe Kasten), nach Trüttlikon TG sehen. «Wir hatten einen kleinen Bauernhof mit ein paar Kühen und etwas Gemüse. 1958 kauften wir unseren ersten Traktor, einen Bührer.» Den Hof übernahm der jüngste Bruder. Keller entschied sich für eine vierjährige Lehre als Schmid und Landmaschinenmechaniker.

Unterwegs im wilden Osten

Nach der Lehre wollte Ludwig Keller eine Weile nach Schweden. Eine Stelle als Berufsmann zu kriegen, war nicht möglich. Er suchte sich deshalb einen Platz als landwirtschaftlicher Praktikant. «Wir Schweizer waren bekannt dafür, dass wir am effizientesten von Hand Zuckerrüben vereinzeln konnten.» So kam es, dass er für die Dauer einer Vegetationsperiode auf einem Hof in Südschweden arbeitete.

Keller absolvierte zudem die Lastwagenprüfung. Bei ihm keimte der Gedanke auf, er könnte sich als Lastwagenmechaniker versuchen. Er bewarb sich bei einer Transportfirma. «Das war Anfang der 1970er-Jahre. Es herrschte die Öl- und Transportkrise.» Statt ihn gemütlich in einer Werkstatt herumschrauben zu lassen, schickte die Firma den damals 21-Jährigen nach Jugoslawien.

«Zusammen mit einem älteren Kollegen fuhren wir im Opel Commodore des Chefs in den Balkan. Wir mussten einen gestrandeten Lastwagen reparieren und in die Schweiz zurückbringen.» Danach ging es für Ludwig Keller auf direktem Weg in die hinterste Türkei. «Ich musste mir erst einmal eine Landkarte kaufen und schauen, wo ich hinmusste.» Die Eltern konnte er nicht schnell per Telefon informieren, sondern er schickte ihnen eine Postkarte. «So war das damals.»

«Die Zeit war prägend für mich.»

Ludwig Keller hat auf seinen Arbeitsreisen in den Osten viel fürs Leben gelernt.

Der Wunsch nach Normalität

Ludwig Keller hätte zig spannende Geschichte aus diesem Lebensabschnitt zu erzählen, der ihn bis nach Bagdad, Teheran und Aleppo brachte. Wichtiger als die Abenteuer sind dem Unternehmer jedoch die Erfahrungen, die er dabei gemacht hat. «Die Zeit war prägend für mich. Ich lernte Probleme zu analysieren und zu lösen.» Er habe auch ein Gespür für Menschen bekommen. «Man muss jeden so behandeln, wie man auch von andern behandelt werden will, nämlich fair und mit Respekt.»

Nach einem Jahr hörte er mit dem «Herumzigeunern» auf, wie er es nennt. «Statt im Ausgang mit meinen Freunden etwas zu trinken, verbrachte ich die Wochenenden meist irgendwo auf einem Parkplatz.» Dem jungen Mann wurde klar, dass sein Job zwar spannend war, aber er wollte auch das andere, normaleLeben.

Zurück im Alltag als Landmaschinenmechaniker lernte erseine Frau Käthi kennen. Zusammen beschlossen sie, nach Kanada auszuwandern. DiePlanung war schon weit fort-geschritten, da kam am 1. Au-gust 1978 das Telefon von Marlies Roth. Sie fragte an, ob sie die Dorfschmitte in Nussbaumen übernehmen wollten. Die Pläne für Kanada versorgten Kellers «für später» in der Schublade, und bereits Ende Oktober startete das Paar mit dem eigenen Geschäft. «Über die Jahre entwickelten Käthi und ich die Firma gemeinsam und stetig weiter. Meine Frau war dabei der eigentliche Dreh- und Angelpunkt für interne wie externe Anliegen», meint der Unternehmer rückblickend.

«Kunden zu halten, ist schwierig», findet Ludwig Keller
Ludwig Keller ist froh, einfach gesund zu sein. Letztes Jahr bestieg er mit seinem Sohn zusammen den Säntis.

Verlässlicher Partner sein

Fragt man Ludwig Keller nach dem Erfolgsrezept seiner Firma, überlegt er nicht lange. «Die Leute merkten schnell, dass man mit komplizierten Problemen zu uns kommen kann.» Bekannt machte ihn die Konstruktion eines selbstfahrenden Erntegefährts für den Tabakanbau. «Zuvor trugen die Bauern die gesamte Ernte mühsam von Hand aus den Feldern. Auf meiner Maschine konnten sie beim Pflücken sitzen und gleichzeitig bequem die Blätter an den Rand transportieren.» Einige davon seien noch heute in Betrieb.

Keller sind langjährige Kundenbeziehungen wichtig. Passend dazu zitiert er den Automobilpionier Henry Ford: «Man hat schnell einen Kunden gewonnen, aber es ist schwierig, einen Kunden zu halten.» Bei ihm werde eine neue Maschine nicht einfach nur ausgeliefert. Ein Kunde werde so lange betreut, bis alles einwandfrei eingestellt sei und laufe. Für ihn ist klar, dass er ein solcher Service nicht alleine bieten kann, sondern dieser nur zusammen mit einem Top-Team möglich ist.

Ludwig Keller freut es, dass seine beiden Kinder in den Betrieb eingestiegen sind. Seine Frau und er hätten keinerlei Erwartungen betreffend Nachfolge an sie gestellt. «Wir haben jedoch unseren Werdegang mit ihnen geteilt und nahmen sie zu allen Werkbesichtigungen und Verhandlungen mit.» Seine Zukunftsvision für das Unternehmen ist nicht unbedingt Wachstum, sondern der Erhalt von dem, was erreicht wurde. Keller ist sich nämlich sicher: «Die Herausforderungen für uns werden in der Zukunft nicht kleiner.»

«Kunden zu halten, ist schwierig», findet Ludwig Keller
Eine Aufgabe, die Ludwig Keller noch zu Ende bringen will, ist die Entwicklung des perfekten Systems für die Bewirtschaftung des umfassenden Ersatzteil-Lagers.

Dankbar für die Gesundheit

Obwohl er in der Firma kürzertritt, ist Ludwig Keller fast jeden Tag dort anzutreffen. Eine Aufgabe, die er noch zu Ende bringen will, ist die Entwicklung des perfekten Systems für die Bewirtschaftung des umfassenden Ersatzteil-Lagers.

Als ein weiteres Projekt wartet der alte Bührer vom elterlichen Bauernhof darauf, restauriert zu werden. Doch scheint es Ludwig Keller damit nicht eilig zu haben. Auch spürt man bei ihm keinen Hauch von Fernweh. «In erster Linie bin ich einfach froh, gesund zu sein und dass es möglich ist, sich wieder mit Menschen zu treffen», sagt er bescheiden. Letztes Jahr habe er mit Sohn Lukas den Säntis erklommen. «Das hat mir gefallen. Ich würde es jederzeit wieder machen.»

«Kunden zu halten, ist schwierig», findet Ludwig Keller
Der alte Bührer vom elterlichen Bauernhof wartet darauf, von Ludwig Keller restauriert zu werden.

Keller Technik AG

1978 legten Ludwig und Käthi Keller den Grundstein für das Landtechnikunternehmen Keller Technik AG in Nussbaumen TG, als sie die Dorfschmitte übernahmen. Von Beginn an setzte das Unternehmen auf den Handel von Qualitätsprodukten im Bereich Landtechnik und importierte Spezialmaschinen für den Obst- und Weinbau. Einsatz für den Berufsnachwuchs Vom Einmannbetrieb wuchs die Firma über die Jahre zu einem Unternehmen, das heute 23 Mitarbeitende beschäftigt. Seit 1979 wird jährlich ein Lehrling ausgebildet. Weiter engagierte sich Ludwig Keller für den Berufsnachwuchs als Prüfungsexperte oder bei der Realisierung eines überkantonalen Bildungszentrums für Landmaschinenmechaniker in Weinfelden TG. Nächste Generation am Steuer Vor 10 Jahren sind die Kinder Lukas Keller und Marita Peter-Keller mit Partnern ins Geschäft eingestiegen und haben die Leitung übernommen. Die Firma vertreibt unter anderem folgende Marken: Grimme, Väderstad, Deutz-Fahr, Asa-Lift, Bauer, Ferrari, Pöttinger.  Weitere Informationen:www.keller-technik.ch

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