Ein Familienprojekt mit 3000 PS: Jehles bauen den Pulling-Traktor «Bruce on Fire»

In der Werkstatt der Bernhard Jehle AG in Frick entsteht «Bruce on Fire»: ein Tractor-Pulling-Monster, das künftig von Tochter Julia Jehle über die Wettkampfbahnen gesteuert werden soll.

«Ehrfurcht habe ich vor allem vor dem Moment, wenn ich das erste Mal auf einer 3000‑PS-Maschine sitze», erzählt Julia Jehle. Die 19‑Jährige befindet sich gerade im vierten Lehrjahr zur Büchsenmacherin. Sie durfte bereits ein paar Bolzen und Büchsen für den Traktor fertigen und so schon «viel Neues dazulernen».

Faszination für die Technik

Fasziniert an diesem Projekt ist die junge Frau «ganz klar von der Technik». Sie habe in ihrem Leben noch nie an einem solchen Fahrzeug gearbeitet, sei aber «Feuer und Flamme» dafür, sich dieses Wissen anzueignen und zu erlernen.

Momentan sieht die 19‑Jährige in diesem Projekt vor allem eine grosse Herausforderung. Sie habe auch Respekt vor dem Aufbau, den vielen Stunden Arbeit, die auf sie warten, und «vor all den Problemen, die auftauchen können und sicher auch werden», sagt die Aargauerin.

Bruce in seinem momentanen Zustand. Bis zur Startlinie gibt es noch viel zu tun. (Bild: Simone Jehle)

Die Rolle als Frau in dieser technischen Welt

In solch einer technischen und männerdominierten Welt zu arbeiten, macht der 19-Jährigen nichts aus. «Ich mag das. Ich arbeite in meinem Lehrbetrieb grösstenteils mit Männern zusammen, für mich ist das ganz normal», erzählt sie. Sie habe bis jetzt auch keine negativen Erfahrungen gemacht. Es gebe bestimmt Menschen, die einer Frau in einem «Männerberuf» erst nichts zutrauen würden, schildert sie weiter. «Es ist aber schön, wenn man auch diese Leute überzeugen kann.»

Bei der Entwicklung und dem Aufbau des Traktors kann Julia Jehle nicht viel selbst mitbestimmen. Die Teams sind beim Aufbau an strikte Reglemente und Vorschriften gebunden. Ein Punkt, an dem sie aber hofft, sich einbringen zu dürfen, ist das Design des Traktors und des Trailers. «Mir schwebt da nämlich schon eine gute Idee vor.» Sie freut sich, den Traktor später fahren zu dürfen, die Herausforderung reizt sie. «Jedoch ist dieser Weg noch mit viel Aufwand und Übung verbunden.»

Für den Moment, wenn Julia Jehle mit «Bruce» an der Startlinie steht, wünscht sie sich Erfolg, Freude und Stolz. «Wenn ich dann eine Kombination aus all diesen Gefühlen spüre, habe ich alles richtig gemacht.»

Ein Projekt, das es in sich hat

«Das Projekt Bruce ist ein Familienprojekt», erzählt Hartmut Jehle, der Vater von Julia Jehle. Der Bau des Pullers wird von jüngeren und älteren Personen aus den verschiedensten Berufen unterstützt. Der Pulling-Traktor soll für zukünftige Wettkämpfe in der Super-Stock-Kategorie aufgebaut werden.

«Der Traktor hat seine ganz eigene Identität in unserem Team.» Die Leidenschaft zum Tractor-Pulling war bei ihm schon in früher Jugend vorhanden. 2023 wurde dann die Vision zu einem konkreten Plan umgewandelt, als er nach neuen, interessanten und seinem Beruf entsprechenden Herausforderungen suchte.

Das Ziel sei, einen Traktor zu bauen, der im Hinblick auf Technik mit der europäischen Spitze mithalten könne. Alle Teammitglieder haben ihren Berufen und Interessen entsprechende Aufgaben in diesem Projekt.

So ist Hartmut Jehle als Initiant für das Gesamtprojekt und die Aufbauarbeiten verantwortlich. Seine Frau Simone Jehle ist zuständig für die administrativen, finanziellen und werbetechnischen Aufgaben. Tochter Julie Jehle steht als Fahrerin in den Startlöchern und die restlichen Teammitglieder unterstützen in den Bereichen Konstruktion, Mechanik, Elektrik, Transport und Werbung.

Das Team rund um Bruce hält zusammen. (Bild: Simone Jehle)

Zusammenarbeit mit Kanada

«Das grosse Wissen, das man für diesen Sport haben muss, kann man sich nicht so einfach aus Büchern aneignen», sagt Hartmut Jehle. Zudem erfordere dieser Sport gerade beim Aufbau der Traktoren einen sehr grossen Zeitaufwand und sei mit zahlreichen Versuchen und möglichen Rückschlägen verbunden. «Die vielen Stunden, die man für das Entwickeln der besten Technik benötigt, hat man vielleicht noch als 20-Jähriger», fährt Jehle fort. «Mit Mitte 50, mit Familie und einem eigenen Geschäft ist die Zeit aber nicht mehr unbegrenzt vorhanden, weshalb wir uns entschieden haben, einen Profi aus den USA mit ins Boot zu holen.»

Ein besonders schöner Moment für Hartmut Jehle war die Anlieferung der Chassis von «Bruce» aus Übersee in einem 40-Fuss-Container. «Als er endlich in seinem neuen Zuhause angekommen war, hatten wir wieder einen für uns wichtigen Schritt in Richtung der Startlinie geschafft.»

Als das Chassis von Bruce geliefert wurde, war Hartmut Jehle sehr glücklich. (Bild: Simone Jehle)

Ein paar technische Details

Die ersten Schritte des Projekts «Bruce on Fire» begannen im Jahr 2023 mit den ersten Gesprächen in den USA und zu Hause mit der Teambildung. Die Fertigstellung ist für 2027 geplant. Der Traktor steht als Chassis-Rohbau seit April 2026 bei der Firma Bernhard Jehle AG. Sie arbeiten seither jeden Abend an dessen Aufbau.

Die Endleistung des Traktors soll bei 3000++ PS, die Drehzahl des Motors bei 5000++ U/min und die umgerechnete Fahrgeschwindigkeit bei ca. 100 bis 120 km/h liegen. So der Plan. Ein Drittel der Teile für Bruce kann gemäss Hartmut Jehle als Normalteile gekauft und verwendet werden. Die restlichen zwei Drittel der Teile und Komponenten sind Eigenanfertigungen vom Lieferanten aus den USA oder solche, die vom Team selbst angefertigt werden. Die Kosten für ein solches Projekt würden durch private Unterstützer, Sponsoren und durch verschiedene Auftritte finanziert, erklärt Jehle. «Die Anzahl der Wettkämpfe und Auftritte wird sich auch danach richten, welche Sponsoren und Unterstützer wir für unser Projekt Bruce gewinnen können.»

Um das Projekt fertigzustellen, braucht es noch viel Zeit, Geduld, Arbeitswillen und viele Teile, die erst noch gefertigt werden müssen. Die grösste Herausforderung sei, bei diesem Berg an Arbeit, die Motivation und den Fokus nicht zu verlieren.

Das Herzstück des Projekts sei aber das Team: «Denn ohne ein funktionierendes Team ist kein Tractor Pulling möglich», sagt Jehle.

Beansprucht viel Zeit

Für Hartmut Jehle war klar, dass für dieses Vorhaben alle im gleichen Boot sitzen müssen. «Da unsere Tochter auch mechanisch interessiert ist, war es einfach, sie dafür zu begeistern», erzählt er.

«Meine Frau brauchte etwas mehr Überzeugungsarbeit, da neben der Firma und der Familie ein grosser Teil der Freizeit nun das Projekt ‹Bruce on Fire› in Anspruch nimmt.» Die Familie stelle jedoch bereits jetzt fest, dass dieses Projekt ihr sowie dem Betrieb zusätzlichen Schwung verleihe.

Gearbeitet wird an «Bruce»  an allen Arbeitstagen sowie an den Samstagen. «Wir teilen uns die Arbeit mit unseren Teammitgliedern auf, da nicht alle gleichzeitig um und an Bruce arbeiten können.»

«Bruce fordert uns in allen Bereichen heraus», erklärt Hartmut Jehle. Bruce sei ein Extremsportler in der Welt der Traktoren. «Wir wachsen an und mit Bruce.»

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