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Neues Mittel bringt Hoffnung im Kampf gegen den Drahtwurm

Im Frühjahr 2026 wurde das Insektizid Beluga neu für die Drahtwurmbekämpfung bei Mais und Kartoffeln zugelassen. Lohnunternehmer Thomas Wirz teilt erste Erfahrungen mit dem Mittel und verrät, was sonst noch hilft gegen Drahtwürmer.

Kurz & bündig

  • Eine Spatenprobe vor der Saat zeigt, ob Drahtwürmer bereits im Feld sind.
  • Mit Beluga steht seit Frühling 2026 ein neues Insektizid zur direkten Drahtwurmbekämpfung in Mais und Kartoffeln zur Verfügung.
  • Regelmässiges Aufkalken, Gründüngungen mit bestimmten Kreuzblütlern sowie mehrfache Stoppelbearbeitungen im Sommer können Drahtwurmbefall reduzieren.

Vier Maisparzellen musste Lohnunternehmer Thomas Wirz aus St. Urban LU dieses Jahr bei Kunden nachsäen. Der Grund: Drahtwürmer hatten die jungen Pflanzen so stark geschädigt, dass sie grossflächig abstarben. Nicht nur Kartoffeln, sondern zunehmend auch Mais ist vom Schädling betroffen. «Die Nachsaat ist für Landwirte ein grosser Kostenpunkt», weiss Wirz. Bisher gab es ausser dem Biomittel Attracap keine direkten Bekämpfungsmöglichkeiten.

Der Drahtwurm frisst die Wurzen der jungen Maispflanze, wodurch diese abstirbt. (Bild: Peter Schären)

Bei der Nachsaat setzte Wirz erstmals das im Frühling 2026 neu zugelassene Insektizid Beluga ein ‒ mit Erfolg. «Wir haben kurze Zeit später tote Drahtwürmer bei den Maispflanzen gefunden», erzählt er.

Beluga ist ein mikrogranuliertes Insektizid auf Basis des Wirkstoffes Spinosad. Es bringt Hoffnung im Kampf gegen den Drahtwurm. Adrian Nägeli von Omya blickt der Euphorie jedoch sachlich ins Auge: «Beluga stellt einen willkommenen Baustein im integrierten Drahtwurmmanagement dar. Es ist aber kein Wundermittel und nicht mit dem aus früheren Zeiten bekannten Fipronil vergleichbar.»

Lohnunternehmer Thomas Wirz empfiehlt, vor der Saat eine Spatenprobe zu nehmen und den Boden auf Drahtwürmer zu untersuchen. (Bild: «die grüne» / Geraldine Zutter)

Ausbringung ist nicht ganz einfach

Thomas Wirz hat das Insektizidgranulat mit dem Mikrogranulatstreuer ausgebracht, der auf der Maissämaschine montiert ist. Mit Luftdruck gelangt das Granulat direkt in den Säschlitz. «Das Granulat ist so fein wie Zucker», sagt Wirz. Für die optimale Wirkung muss das Maiskorn rundherum vom Granulat umgeben sein. Wenn der Drahtwurm mit Spinosad kontaminierte Bodenteile frisst, stirbt er.

Nur gerade 12 kg Granulat braucht es pro Hektare, was eine präzise Ausbringung voraussetzt. Daher kann nicht jede Sämaschine das Granulat fachgerecht ausbringen. «Die Extra-Aufrüstung der Sämaschine mit Mikrogranulatstreuer ist teuer. Darum ist die Ausbringung eher für Lohnunternehmer geeignet, die diese Technik bereits mitbringen», erklärt Thomas Wirz. «Ausserdem sollte Beluga wegen der unterschiedlichen Schüttdichte nicht mit Mikrogranulat-Düngern gemischt werden», ergänzt Adrian Nägeli.

Preislich müssen Anwender mit etwa 150 Franken pro Hektare für das Mittel rechnen. Hinzu kommt noch die Ausbringung. «Das Mittel ist zahlbar, aber sicherlich nur bei Parzellen mit bekanntem Drahtwurmbefall anzuwenden und nicht vorbeugend», meint Thomas Wirz.

Zur Ausbringung von Beluga braucht es bis jetzt immer noch eine Sonderbewilligung. Diese sei zwar von den Kantonen problemlos ausgestellt worden, brauche aber Vorlaufzeit, die Thomas Wirz nicht immer hat. «Ich finde, dass ich als Landwirt und Lohnunternehmer im Feld selbst entscheiden können sollte, ob ich das Mittel anwenden muss oder nicht. Ich will das Mittel ja nicht vorbeugend einsetzen.» Ein Wegfall der Sonderbewilligung würde ihm ermöglichen, direkt vor der Maissaat eine Spatenprobe zu nehmen und bei Bedarf das Mittel beim Kunden spontan einzusetzen.

In dieser Parzelle hat der Drahtwurm die Wurzeln einiger Maispflanzen abgefressen, weshalb der Bestand lückig ist. (Bild: Peter Schären)

Saure Böden begünstigen Drahtwürmer

Das Insektizid kann im Ernstfall helfen, Drahtwürmer gezielt zu bekämpfen. Thomas Wirz sieht aber noch grosses Potenzial bei der Vorbeugung. «Ich beobachte bei meinen Kunden häufig, dass Parzellen mit tiefem pH-Wert stärker von Drahtwürmern befallen werden.»

Er selbst bringt auf seinen Parzellen regelmässig Kalk aus und strebt dabei stets einen pH-Wert von etwa 7 an. Denn zum einen bevorzugt der Drahtwurm leicht saure humusreiche Böden. Zum anderen sind viele Nährstoffe bei einem pH-Wert um 7 am besten verfügbar, was zur Vitalität der Pflanze beiträgt. Dadurch ist sie weniger anfällig auf Schädlingsfrass.

Bei Betrieben, die nebst Gras und Mais noch weitere Kulturen wie Getreide anbauen, sieht Thomas Wirz noch zwei weitere Bekämpfungsstrategien: «Drahtwürmer mögen keine Kreuzblütler.» Deshalb setzt er gezielt in jeder Gründüngung Arten wie Senf und Ölrettich ein. Wenn er solche Gründüngungen mulcht und einarbeitet, bauen Enzyme die Senföle in den Kreuzblütlern zu giftigen Gasen um, die den Drahtwurm stark hemmen. Auch der Anbau von Tagetes wäre sehr effektiv gegen den Drahtwurm, aber bisher noch zu teuer in Gründüngungen.

Eine weitere Möglichkeit ist die Stoppelbearbeitung nach Getreide. Durch mehrere Bodenbearbeitungsgänge werden Eier und Würmer an die Oberfläche geholt und vertrocknen in der Sonne oder werden von Vögeln gefressen.

Thomas Wirz rät, vor der Saat auf jeder Parzelle eine Spatenprobe zu nehmen. So kann er die Erde auf Drahtwürmer untersuchen und bei Bedarf gezielt das Insektizid zur Saat einsetzen. «Man muss sich bewusst sein, dass man ein Insektizid in den Boden bringt. Deshalb finde ich es wichtig, dass das Mittel nur bei Bedarf und nicht vorbeugend angewendet wird», betont Wirz.

Das granulierte Insektizid Beluga ist sehr fein und braucht präzise Ausbringtechnik wie zum Beispiel einen Mikrogranulatstreuer. (Bild: Omya / Adrian Nägeli)

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