Kurz & bündig
- Die Mechanisierung steigerte die Schlagkraft in der Vergangenheit enorm.
- Heute werden Software und Daten in der Landtechnik immer wichtiger.
- GPS ermöglichte Precision Farming.
- Elektrifizierung und Robotik kommen immer mehr.
Seit Jahrzehnten ist Sepp Knüsel nicht nur Händler, sondern auch Entwickler, Tüftler und Unternehmer. Viele technische Veränderungen, die heute als selbstverständlich erscheinen, hat er aus nächster Nähe begleitet und mit eigenen Entwicklungen dazu beigetragen.
Besonders spannend sind dabei nicht nur seine Erinnerungen an die grossen Entwicklungsschritte der vergangenen Jahrzehnte. Ebenso interessant ist seine Einschätzung, wohin sich die Landtechnik in den nächsten 20 Jahren bewegen wird. Denn dort erwartet Knüsel einige grundlegende Veränderungen.
Die Mechanisierung hat die Landwirtschaft verändert
Bei den grossen Veränderungen der Landtechnik denkt Sepp Knüsel nicht zuerst an Computer oder Elektronik. Für ihn begann die eigentliche Revolution in den 1970er- und 1980er-Jahren. Bei Grünlandbetrieben, dem Kernbereich von Sepp Knüsel, wurden Motormäher damals schrittweise durch leistungsfähigere Maschinen ersetzt. Frontmähwerke, Fronthubwerke, Kreiselheuer und moderne Schwader veränderten die Futterernte grundlegend. «Heute vergisst man schnell, wie gross diese Entwicklungsschritte waren», sagt Knüsel.
Wo früher mehrere Personen tagelang mit der Futterernte beschäftigt waren, konnten plötzlich deutlich grössere Flächen in kurzer Zeit bearbeitet werden. Die Schlagkraft stieg massiv an. Besonders prägend war die Einführung von Frontmähwerken. Sepp Knüsel entwickelte gemeinsam mit Antonio Carraro für diese Traktoren eine optimierte Rückfahreinrichtung, die es ermöglichte, Mähwerke im Heckanbau effizient einzusetzen. Die Kombination sorgte für deutlich höhere Flächenleistungen und wurde später zum Vorbild für viele weitere Entwicklungen.

Auch bei den Traktoren selbst veränderte sich vieles: Allradantrieb, stärkere Motoren, Lastschaltgetriebe und später stufenlose Getriebe machten die Maschinen leistungsfähiger und komfortabler.
Die Technik ist heute auf einem sehr hohen Niveau
Wer heute eine Landtechnikmesse besucht, sieht, dass die Maschinen grösser, komfortabler und elektronischer geworden sind. Es stellt sich die Frage, wie viele Entwicklungsschritte noch möglich sind.

Für Knüsel haben viele Bereiche mittlerweile ein sehr hohes Niveau erreicht: «Ein moderner Schwader oder Kreiselheuer funktioniert heute auf einem Niveau, das man sich vor 30 Jahren kaum vorstellen konnte.» Natürlich werde weiterhin entwickelt. Die Maschinen würden komfortabler, langlebiger und einfacher zu bedienen. Die grossen mechanischen Revolutionen seien aber weitgehend abgeschlossen.
Das zeigt sich auch bei der Lebensdauer. Sepp Knüsel hat den Eindruck, dass heute viele Maschinen deutlich länger auf den Betrieben bleiben als früher. Qualität und Zuverlässigkeit hätten stark zugenommen.
GPS hat den grössten Technologiesprung ausgelöst
Wenn Knüsel auf die vergangenen 20 Jahre zurückblickt, kommt er immer wieder auf das Thema GPS. Für ihn hat kaum eine andere Technologie die Landwirtschaft stärker verändert. Satellitengestützte Lenksysteme sorgen heute nicht nur für exakte Fahrspuren. Sie bilden die Grundlage für Precision Farming und die zunehmende Digitalisierung der Landwirtschaft.
Saat, Düngung und Pflanzenschutz lassen sich präziser ausbringen. Gleichzeitig entstehen immer mehr Daten über Böden, Erträge und Pflanzenbestände.
«Früher stand die Maschine im Mittelpunkt. Heute sind es die Daten, die immer wichtiger werden.» Hier sieht Knüsel noch grosses Potenzial:
«Je besser die Datenbasis wird, desto genauer können Betriebsmittel eingesetzt werden.» Das spare Kosten und schone gleichzeitig Ressourcen.
Entwicklungen der Landtechnik der letzten 50 Jahre aus Sicht von Sepp Knüsel
1970er- und 1980er-Jahre: Mehr Schlagkraft im Grünland
- Frontmähwerke setzen sich durch
- Fronthubwerke und Rückfahreinrichtungen eröffnen neue Möglichkeiten
- Kreiselheuer verdrängen ältere Systeme
- Allradtraktoren werden Standard
1990er-Jahre: Der Traktor wird komfortabel
- Lastschaltgetriebe
- Kabinen mit deutlich mehr Komfort
- Vorderachs- und Kabinenfederungen
- Leistungsstärkere Traktoren
- Elektronik hält Einzug
2000er-Jahre: GPS verändert die Arbeit
- Satellitengestützte Lenksysteme
- Precision Farming
- Digitale Dokumentation
- Ertragskartierung
- Teilflächenspezifische Bewirtschaftung
2010er-Jahre: Automatisierung im Stall
- Melkroboter
- Automatische Fütterungssysteme
- Sensoren am Tier
- Digitale Herdenführung
- Vernetzte Maschinen
2025 bis 2045: Die Entwicklung verlagert sich von Stahl zu Software
- Elektrotraktoren
- Hybridantriebe
- Autonome Feldroboter
- Künstliche Intelligenz
- Digitale Betriebsführung
- Datenbasierte Entscheidungsunterstützung
Die Zukunft fährt nicht nur mit mehr PS
Während in früheren Jahrzehnten oft grössere Maschinen und stärkere Motoren im Mittelpunkt standen, erwartet Knüsel die nächsten Entwicklungsschritte bei der Elektrifizierung, der Automatisierung und der Robotik. Seiner Meinung nach wird dies die Landtechnik stärker verändern als zusätzliche PS.
Besonders interessant wird die Entwicklung bei den Antrieben. Der Dieselmotor bleibt trotz aller Diskussionen vorerst unverzichtbar. Trotz alternativer Antriebe glaubt Knüsel nicht an ein schnelles Ende des Diesels. Vor allem bei grossen Maschinen sieht er auf absehbare Zeit keine realistische Alternative.
Mähdrescher, Feldhäcksler oder Grossschlepper benötigen enorme Energiemengen. Die Energiedichte von Diesel ist nach wie vor unerreicht.
«Wer 12 Stunden unter Volllast arbeitet, braucht sehr viel Energie. Das lässt sich heute mit Batterien nicht machen.»
Elektrotraktoren werden kommen
Anders sieht Knüsel die Situation bei kleineren und mittleren Traktoren. Hier erwartet er in den kommenden Jahren eine schrittweise Elektrifizierung. Er ist selber ein Vorreiter in diesem Bereich und wird seine Produktpalette in naher Zukunft mit leistungsstärkeren Modellen ergänzen. Viele Landwirtschaftsbetriebe produzieren heute bereits eigenen Solarstrom. Gleichzeitig eignen sich zahlreiche Arbeiten gut für batterieelektrische Maschinen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Hofarbeiten
- Frontladereinsätze
- Fütterung
- Grünlandarbeiten
- Kommunalarbeiten
Elektromotoren bieten hohe Wirkungsgrade, liefern ihr Drehmoment sofort und verursachen deutlich weniger Lärm. «Wenn ein Betrieb den Strom auf dem eigenen Dach produziert, wird die Rechnung plötzlich interessant.»
Entscheidend bleibt jedoch die Entwicklung der Batterien. Reichweite, Gewicht und Kosten werden darüber entscheiden, wie schnell sich Elektrotraktoren durchsetzen.
Wasserstoff wurde viel diskutiert, aber wenig umgesetzt
Noch vor einigen Jahren galt Wasserstoff als grosse Hoffnung für die Landwirtschaft. Zahlreiche Hersteller präsentierten Studien und Zukunftsprojekte. Inzwischen ist es deutlich ruhiger geworden. Auch Knüsel beobachtet diese Entwicklung: «Vor einigen Jahren war Wasserstoff in aller Munde. Heute spricht man deutlich weniger darüber.»
Der Grund liegt vor allem beim Wirkungsgrad und bei der Infrastruktur. Bevor Wasserstoff überhaupt im Fahrzeug genutzt werden kann, sind mehrere energieintensive Schritte nötig. Hinzu kommen aufwendige Lagerung, Transport und Betankung.
Knüsel sieht seine Meinung bestätigt, da sich viele Hersteller heute stärker auf batterieelektrische Lösungen konzentrieren. Ein gutes Beispiel ist die LKW-Branche, wo schier eine Revolution eingesetzt hat und selbst 40-Tönner batterieelektrisch angetrieben werden.
Ohne Hydraulik geht es auch künftig nicht
Eine spannende Frage betrifft die Hydraulik. Verschwindet sie mit der Elektrifizierung? Hier sagt Knüsel klar nein. Hubwerke, Frontlader, Klappmechanismen oder zahlreiche Funktionen an Anbaugeräten benötigen hohe Kräfte auf engem Raum. Genau dort spielt die Hydraulik ihre Stärken aus. «Die Hydraulik wird uns noch sehr lange begleiten. Während elektrische Antriebe künftig vermehrt Fahr- und Arbeitsantriebe übernehmen könnten, bleibt die Hydraulik bei vielen Bewegungsfunktionen die einfachste und wirtschaftlichste Lösung.»
Feldroboter werden kommen, aber weniger in der Schweiz
Noch grösseres Potenzial sieht Knüsel bei autonomen Systemen. Vor allem in Nordamerika, Australien oder Osteuropa könnten Feldroboter künftig viele Arbeiten übernehmen. Statt eines einzelnen Grossschleppers würden mehrere kleinere Maschinen gleichzeitig arbeiten. Sie könnten säen, düngen, hacken oder Pflanzenschutzmassnahmen durchführen, und das rund um die Uhr.
Für die Schweiz sieht Sepp Knüsel aber gewisse Einschränkungen beim grossflächigen Einsatz von Feldrobotern. Die kleinräumigen Strukturen und die oft anspruchsvollen Topografien setzen der vollständigen Automatisierung Grenzen. Trotzdem ist er überzeugt, dass autonome Systeme künftig ihren Platz finden werden.
Die nächste Revolution kommt aus der Software
Für Knüsel steht fest, dass die nächsten grossen Fortschritte weniger aus Stahl bestehen als aus Elektronik, Sensorik und Software. Maschinen werden intelligenter, Daten wichtiger und Prozesse stärker automatisiert. Der klassische Traktor wird deshalb nicht verschwinden. Aber er wird in 20 Jahren anders aussehen als heute.
Vielleicht fährt er elektrisch. Vielleicht arbeitet er teilweise autonom. Vielleicht kommuniziert er permanent mit anderen Maschinen und dem Betriebsmanagementsystem.
Eines bleibt für Knüsel jedoch unverändert: Die Technik muss dem Landwirt einen praktischen Nutzen bringen. «In der Landtechnik setzt sich am Ende meistens nicht die spannendste Lösung durch, sondern diejenige, die auf dem Betrieb funktioniert und bezahlt werden kann.»
50 Jahre Sepp Knüsel AG
Sepp Knüsel aus Küssnacht am Rigi SZ gehört zu den prägenden Persönlichkeiten der Schweizer Landtechnik. Der gelernte Landmaschinenmechaniker gründete 1976 die Sepp Knüsel AG und entwickelte zahlreiche innovative Maschinen für die Futterernte. Mit dem 2003 lancierten Rigitrac schuf er den einzigen in der Schweiz entwickelten und gebauten Traktor der Neuzeit. Knüsel gilt als Tüftler und Unternehmer mit Pioniergeist und setzte früh auf neue Technologien wie den Elektrotraktor. 2026 feiert die Sepp Knüsel AG ihr 50-jähriges Firmenjubiläum. Aus diesem Anlass lädt das Unternehmen am 22. August 2026 zu einem Jubiläumsfest in Küssnacht am Rigi ein.

