Landwirte haben viele Möglichkeiten, um die CO2-Belastung zu senken. Es gibt mehr als Strom- und Wärmegewinnung mit Photovoltaik und Solarthermie. Eine solche alternative Lösung ist beispielsweise die Ausgasung von Holz zu Wärme und Pflanzenkohle. Eine solche Pyrolyseanlage betreibt die Biobaumschule Glauser aus Noflen BE.
Jürg Glauser betreut auf dem Betrieb diese spezielle Heizung. Mit der Anlage werden das Bauernhaus und ein Neubau mit Büros und Verkaufsladen beheizt sowie Warmwasser produziert. Das Hackholz, welches zu einem grossen Teil aus eigenem Schnittgut aus der Biobaumschule stammt, wird statt in eine konventionelle Schnitzelheizung in eine Pyrolyseanlage befördert. Der Heizungsraum sieht eigentlich ganz gewöhnlich aus. Es gibt eine Zuführschnecke, die das Hackholz in die Brennstoffbehälter füllt, diverse Leitungen und einen grossen Wärmespeicher. Der Unterschied dieser Anlage gegenüber einer konventionellen Heizung liegt im Pyrolyseverfahren.
Verkohlen statt verbrennen
«Die Anlage erhitzt im Brennstoffbehälter das Holz auf etwa 750 bis 950 °C. Sie regelt dabei eine minimale Sauerstoffzufuhr. So kommt es nicht zu einer vollständigen Verbrennung, sondern das Holz zerfällt in Pyrolysegase und Holzkohle», sagt Jürg Glauser.
Das bei der Verkohlung entstehende Gas gelangt in eine separate Brennkammer oberhalb des Kessels. Dort wird das Gas verbrannt und der eigentliche Heizvorgang findet dort statt.

Die Anlage namens PyroFarm P60 hat zwei Brennstoffbehälter mit je 500 Liter Fassungsvermögen. Die Anlage arbeitet nicht kontinuierlich, sondern im sogenannten Batch-Betrieb. Es wird also ein Kessel befüllt, dann startet die Pyrolyse. Das dauert rund vier bis fünf Stunden. Wenn der Prozess beendet ist, bleibt im Brennstoffbehälter rund ein Viertel der ursprünglich befüllten Holzschnitzelmenge als Kohle zurück.
Deshalb ist der Wirkungsgrad der Pyrolyseanlage etwas geringer gegenüber einer konventionellen Heizung, bei der das Holz bis auf die Asche verbrannt wird. «Der Nutzen ist jedoch, dass ungefähr 50 Prozent des CO2, welches im Holz gespeichert war, in der Kohle gebunden bleibt. Es kommt auf das Ausgangsmaterial drauf an.» Da ein normaler Holzofen bereits CO2-neutral ist, gilt der Anteil des in der Kohle gebundenen CO2 als senkend.
Eingangs- und Ausgangsmaterial als Kreislauf
«Die Pyrolyseanlage ist für unseren Betrieb eine sinnvolle Investition, da das Input-Material auf dem Betrieb anfällt und die Biokohle als Output-Material ebenfalls auf dem eigenen Betrieb als Bodenverbesserer eingesetzt wird», erklärt Glauser.

Die Pyrolyseanlage ist im Vergleich zu einer konventionellen Hackschnitzelheizung wesentlich teurer in der Anschaffung. Es gibt noch keine Massenproduktion und die Entwicklung steht noch am Anfang. «Die Wirtschaftlichkeit ist nur dann gegeben, wenn die Biokohle verkauft werden kann», sagt Jürg Glauser. Er erwähnt auch den zusätzlichen Arbeitsaufwand bei der Beschickung oder beim Absaugen der Kohle aus dem Kessel. Er rechnet mit täglich 20 Minuten Arbeit.
Die Kohle darf nicht direkt auf den Acker ausgebracht werden, sie würde viele Nährstoffe an sich binden und mehr Schaden als Nutzen bringen. Jürg Glauser mischt die Biokohle deshalb in den betriebseigenen Kompost. Dort sättigt sich die Kohle und kann dann als Bodenverbesserer eingesetzt werden.
CO2-Senken als Beitrag zur Energiewende
Alle reden von Energiewende und produzieren als Beitrag dazu Solarstrom, was oft auch einen wirtschaftlichen Nutzen bringt. Ein Beitrag zur Energiewende ist auch die Senkung der CO2-Freisetzung. Dies ist mit dem Pyrolyseverfahren möglich, indem aus Holz Wärme gewonnen wird und in der dabei entstehenden Biokohle CO2 gebunden bleibt.

